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  • 20. Dez. 2007

    gesund_gluecklich_spiegelIm aktuellen Spiegel-Special Heft “Gesund und Glücklich” darf Autor Peter Seewald sich über die heilsame Kraft des Glaubens auslassen. Seewald ist , wie man etwa dem (übrigens ganz erstaunlichen in der Hauptsache vom Autor ‘Bene16‘ verfassten) Artikel bei Wikipedia entnehmen kann, durchaus ein ausgewiesener Experte in Glaubensbelangen. Auch seine zahlreichen Veröffentlichungen “Salz der Erde“, “Benedikt XVI. Ein Porträt aus der Nähe” oder Benedikt XVI. Leben und Auftrag” deuten darauf hin, dass er einen mehr als durchschnittlichen Bezug zur katholischen Kirche hat. Nun bedeutet ja die Weltanschauliche Ausrichtung eines Autors nicht zwingend, dass sein journalistisches Wirken ausschließlich von eben dieser Weltanschauung beeinflusst oder gar diktiert wird. Auch die Macher des Heftes verschweigen nicht aus welcher weltanschaulichen Ecke der Autor stammt. Wie in solchen Heften üblich wird er zu Beginn des Artikels kurz vorgestellt:

    Peter Seewald, 53. Verfasser mehrerer Gesprächsbücher mit Kardinal Joseph Ratzinger (dem jetzigen Papst Benedikt XVI.), ist Herausgeber der sechsbändigen “Bibliothek der Mönche“. Zuletzt erschien von ihm “Kult“, eine Sammlung von Kuriositäten und Besonderheiten aus 2000 Jahren christlicher Kultur.

    Der Titel des Artikels lautet “Die Homöopathie Gottes” und einen kleinen Augenblick lang ist man geneigt auf einen aufklärerisch-skeptischen Beitrag zu hoffen, schließlich ist es wohl bekannt, dass kein über Placebo hinausgehender Heileffekt der Homöopathie feststellbar ist. Man fragt sich, ob der Autor hier eine ganz subtile Form von Religionskritk anbringen möchte: Gott als Ober-Homöopath, der Hahnemanns Ähnlichkeitsprinzip (Simile) folgend, das Böse bekämpft, in dem er das Böse selbst in ganz kleinen Dosen (Religion) in die Welt setzt? Pfarrer und sonstige Lakaien, die Gottes homöopathische Medizin in einem für Laien kaum nachvollziehbaren Prozedere (Theologie) solange potenzieren - also verdünnen - bis das kleinste Fitzelchen “Wirkstoff” verflüchtigt ist. Aber dann, Nein. Doch nicht, leider zu früh gefreut. Wäre ja auch zu schön gewesen. Schon der Teaser belehrt uns in fetten Lettern eines Besseren: Den ganzen Beitrag lesen …

    19. Dez. 2007

    Gott bewegt die Deutschen und die Welt” titelte kürzlich die Welt und schrieb weiter: Eine umfassende Studie zur Religiosität widerlegt die Annahme, dass der Glauben in Deutschland in die Bedeutungslosigkeit abrutscht. Der humanistische Pressedienst hat die Studie gründlich unter die Lupe auseinander genommen.

    Welt.de
    Die Deutschen sind religiöser als bislang angenommen. Religion ist für 70 Prozent der deutschen Bevölkerung über 18 Jahren bedeutsam. Fast jeder fünfte Deutsche ist sogar tiefreligiös. Er besucht regelmäßig Gottesdienste, betet häufig und beschäftigt sich intensiv mit religiösen Fragen. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende internationale Studie der Bertelsmann Stiftung, deren Ergebnisse WELT ONLINE vorliegen.

    Der humanistische Pressedienst entzaubert das wirre Machwerk der Bertelsmann-Stiftung gründlich. Unter der Überschrift “Terminologische Trickkiste” schreibt Carsten Frerk: Den ganzen Beitrag lesen …

    8. Nov. 2007

    Logo-institut Eine Aufsehen erregende Studie, publiziert von Wissenschaftlern der Universitäten in Arizona (Department of Climatology) und Götborg (Department of Atmospheric Physics), veröffentlicht im “Journal of Geoclimatic Studies”. Titel der Studie: “Karbondioxidproduktion durch benthische* Bakterien. Das Ende der Theorie von der globalen Erwärmung durch den Menschen?

    Volltext der Studie, daraus ein Zitat (Übersetzung durch Skepticker):

    Außerdem müssen wir festhalten, dass kein Mechanismus bekannt ist, durch den mit industreller Emission der derzeitige Temperaturanstieg erklärt werden kann. Diese Emssionen sind zwei Größenordnungen zu klein sind um einen derart starken Effekt hervorzurufen. Wir haben keine Wahl, als den derzeitigen Anstieg der globalen Temperaturen als Folge eines natürlichen Phänomens zu erklären, einen Zusammenhang mit industrieller Emission schließen wir aus.
    Durch diese Ergebnisse kommen wir in eine sehr schwierige Position. Doch wir sehen uns dennoch aus zwei Gründen zur Publikation veranlasst: Erstens sind wir der wissenschaftlichen Objektivität verpflichtet und zweitens um schreckliche Folgen zu vermeiden - mit sehr kostspieligen Folgen. Uns ist bewußt, dass wir damit unsere Karrieren riskieren. Als wir versuchten dieses Thema mit Fachkollegen zu diskutieren und unsere Ergebnisse in anderen Wissenschaftsmagazinen zu publizieren, mussten wir feststellen, dass der wissenschaftliche Konsens um den globalen Klimawandel nicht durch Fakten bestimmt sondern durch Angst erwzungen ist. Wir wurden gewarnt, kollektiv und individuell, dass wir nicht nur in Zukunft von allen Fördermitteln abgeschnitten sein würden, sondern sogar die Unterstützung der Institute, für die wir zur Zeit arbeiten, aufs Spiel setzen.
    Wir glauben, dass solche Bedrohungen der akademischen Freiheit im krassen Widerspruch zum Geist der freien Forschung, in dem wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt werden sollten. Wir bedauern die agressiven Antworten, die wir schon vor der Veröffentlichung unserer Ergebnisse erhielten und wir fürchten die Reaktionen die unsere Studie provozieren wird. Aber ganz gleich welche Gefahren uns drohen, haben wir keine andere Wahl, als an die Öffentlichkeit zu gehen.

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    21. Aug. 2007

    In der 3. Folge der Hörfunkreihe “Gottes Bilder – Warum wir glauben” auf SWR2-Wissen widmete sich Falk Fischer am 1.8.2007 dem Thema “Naturwissenschaft und Religion”. Die Radio Akademie in SWR2 verfolgt das Ziel der “Vermittlung von Wissen und Orientierungshilfe in einer immer komplexeren Gesellschaft”. Ziel dieses Beitrags war es offensichtlich, eine als verunsichert angenommene christliche Hörerschaft durch ein lauwarmes Wechselbad von hallunterlegten Psalmlesungen mit esoterischen Einlassungen christlicher Wissenschaftler in ein religiöses All-Einheitsgefühl zu lullen.

    Der erste Teil des Beitrags zeigt exemplarisch, welche Argumentationstaktiken üblich sind, wenn die Vereinbarkeit von Naturwissenschaft und Glaube gezeigt werden soll. Der Autor des Beitrags postuliert zuerst einmal völlig unbegründet, Wissen sei nur ein Teilbereich möglicher Erkenntnis. Sodann hält er dem naturwissenschaftlichen Erklärungsansatz vor, sein Mangel an Sinngebungs- und Trostpotenzial führe zu Hybris. Da jedoch gerade die Naturwissenschaft sich mit guten Modellen zur Voraussage von Überprüfbarem begnügt, ist dieser Vorwurf eine dreiste Umkehrung der Sachlage. Fischer versucht außerdem, der Wissenschaft metaphysische Voraussetzungen unterzuschieben: Ludwig Wittgensteins Aufforderung, über all das zu schweigen, worüber man nichts sagen könne, sei “im Grunde ein Maulkorberlass für die Grundvoraussetzung aller Wissenschaft”. Auch dies trifft viel eher auf religiöse Weltbilder zu, die zentrale metaphysische Annahmen treffen und nicht nur gut funktionierende Theorien aufstellen.

    Zur weiteren Glaubensfestigung soll nun die Quantenphysik bemüht werden. Da dort ja - wie allgemein bekannt - alles etwas unscharf und merkwürdig ist, eignet sie sich hervorragend für jedermann, um alles mögliche zu begründen, und ist deshalb in Esoterik, Philosophie und moderner Theologie gleichermaßen beliebt. Hier wird sie vertreten durch Dr. Hartmann Römer, Professor für Physik an der Universität Freiburg. Römer ist ins kritische Radar der GWUP geraten, da er an Publikationen mitwirkte, in denen Homöopathie, Fernheilungen und parapsychologische Effekte mit quantenphysikalischem Formalismus zu begründen versucht wird.

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    10. Aug. 2007

    Am heutigen Freitag beginnt die neue Bundesliga-Saison. Die spannendste Frage ist dabei wie immer: Wer wird Deutscher Meister? Nun scheint klar: Bayern, Schalke oder Stuttgart können trotz Ribéry, Kuranyi oder Gomez einpacken. Denn Meister wird wohl der SV Werder Bremen!

    Der Grund: Die Bremer steigern die Leistung ihrer Spieler via “Bio-Energetik”. Wie die “Sport-Bild” vom 8. August vermeldet, lassen sich 13 Werder-Spieler von einem Herrn namens Kurt Schweinberger behandeln – darunter viele deutsche Nationalkicker, namentlich: Frings, Diego, Borowski, Mertesacker, Fritz, Wiese, Schulz, Owomoyela, Baumann, Niemeyer, Hunt, Rosenberg und Almeida. Torhüter Wiese wird zitiert: „Es klingt verrückt, aber ich bin noch konzentrierter, fühle mich körperlich besser, wenn ich die Therapie bei ihm hinter mir habe.“

    Wie aber behandelt „Wunder-Doc“ Schweinberger die Werder-Spieler? Laut Sport-Bild werden am Computer gemessene Körperschwingungen aufgezeichnet, die über Elektroden auf Wasser übertragen(!) werden. Wenn der Patient nun dieses Wasser trinkt, wird „negative“ in „positive“ Energie umgewandelt. Selbst Sport-Bild gibt allerdings zu, dass die Methode „wissenschaftlich umstritten“ sei. Dabei dürfte selbst das übertrieben sein, denn wenn etwas „wissenschaftlich umstritten“ ist, muss es wissenschaftlich begründete Fürs und Widers geben. Die Fürs sind freilich schwer vorstellbar.

    „Mit Bio-Energie zum Titel?“ fragt Sport-Bild in der Überschrift vom 8. August 2007. Vielleicht muss man diese Frage dann aber doch verneinen bzw. die eingangs aufgestellte Meisterschaftsbehauptung überdenken , denn die Springer-Presse wusste via Bild-Online schon in der Saison 2005/2006 von den Umtrieben des Herrn Schweinberger bei Bremen zu berichten. Die Überschrift damals: „Heilpraktiker macht Bremen fit - Werder holt Wunder-Doc für den Meister-Kampf - Auf seine Heilkunst hofft Werder: Dr. Kurt Schweinberger -Machen seine Hände die Meisterschaft wieder spannend?“

    Torsten Frings wird dort wie folgt zitiert: „Kurt ist mein Guru, ich bin sein Jünger. Mir tut seine Behandlung unglaublich gut.“ Esoterik-Heiler als „Guru“ und millionenschwere Fußballjünglinge als „Jünger“ – Vorbildcharakter optional. Nachweislich genutzt hat es den Bremern jedenfalls nicht: Bekanntlich wurde Werder am Ende nur Zweiter.

    Das mag daran liegen, dass der „gelernte Heilpraktiker“ Schweinberger seinerzeit noch mit der Bioresonanz-Therapie „gearbeitet“ hat. Laut Bild maß er dabei an „Akupunktur-Punkten elektromagnetische Schwingungen im Körper. Dann führt er einen Messingstift über die Haut und wandelt so „negative“ in „positive“ Schwingungen um.“

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    14. Jun. 2007

    Ein Gastbeitrag vom P.M.-Beobachter

    Nochmal zurück zu der Gottesformel von Stephen D. Unwin:

    Offenbar handelt es sich bei der “Gottesformel” um eine knatschverkehrte modifizierte Variante des Bayes’schen Theorems und somit nicht um eine “zurecht vergessene Formel”, sondern vielmehr eine leider nicht vergessene, dubiose Ableitung.
    Ausführlich gibt es das Ganze dankenswerterweise bei Leukrit im Freigeisterhaus.

    Eine kleine Anmerkung noch: Ja, in dem Artikel ist so einiges an Murks drin. So spricht gleich der erste Satz zum ersten Indiz von dem Urknall als “einem unvorstellbaren Feuerball”, aber da das noch öfters passieren wird verlegen wir das auf später.

    14. Jun. 2007

    Ein Gastbeitrag vom P.M.-Beobachter

    Die P.M. hat ihren Aufhänger diesen Monat richtig groß gemacht mit Pressemitteilung, Meldung in der RP und natürlich schönen Bildern.
    Offenbar hat Stephen D. Unwin auf eine zurecht vergessene Formel von Thomas Bayes zurückgegriffen. Vielleicht ist es auch ganz klug, den Buchtitel nirgends im Artikel zu nennen, könnte ja jemand nachprüfen. Haben wir natürlich, mit dem Ergebnis, dass Unwin diesen Mist tatsächlich verzapft hat. Aber was Unwin in seinen Büchern macht ist jetzt nebensächlich, hier geht es um die P.M.
    Viel interessanter ist daher die Vorgehensweise des Artikels in der Argumentation. In der Einleitung (die bekanntlich eh niemand liest) steht noch, Thomas Vašek habe die Wahrscheinlichkeit “ganz subjektiv durchgerechnet”. Und das stimmt ja auch, nur leider verliert sich der Eindruck sofort, wenn eine mathematische Formel auftaucht.
    Die hier zum Beispiel:Das ist die “Gottesformel”, mit ihr soll sich berechnen lassen, wie sehr ein Indiz für oder gegen eine Hypothese spricht.
    Dafür nimmt man die bereits ermittelte Wahrscheinlichkeit in Prozent (anfangs grundsätzlich 50, danach das Ergebnis der vorherigen Anwendung der Formel) als Pdavor und einen Wert zwischen 0 und 10 für den GI, wobei 0,1 “spricht stark gegen die These”, 1 “spricht weder für noch gegen die These” und 9 “spricht stark für die These” bedeutet. Das klingt soweit recht plausibel und ergibt auch hübsche Nummern.
    Der Haken an der Sache: Es lässt sich jede beliebige Zahl damit begründet errechnen. Denn nicht nur ist “GI” (Gottes-Indikator) grundsätzlich geraten geschätzt, die Rechnung lässt sich auch beliebig oft hintereinanderhängen, bis schließlich das gewünschte Ergebnis erscheint.

    Wenn man jetzt noch Quantenphysik überall da, wo sie relevant ist als “umstritten” bezeichnet, Gott aber nicht, kommt man natürlich darauf, dass Gottes Existenz wahrscheinlicher ist als seine Nichtexistenz.

    Vor allem aber: Die Antwort muss selbstverständlich 42% lauten und nicht, wie bei der P.M. 62%. Ist doch nicht so schwer.
    Ich hab 42 raus.
    Und Sie können das auch.

    Literatur
    42 in Wikipedia
    Unwin, Stephen D.: The Probability of God - Amazon-Link
    Vašek, Thomas: Die Gottesformel, in: P.M. - Peter Moosleitners Magazin Dezember 2006; S. 12 ff., Online verfügbar

    P.S.: Upps, Prozentzeichen ergänzt
    P.P.S.: Ein kurzer Nachtrag

    14. Jun. 2007

    Ein Gastbeitrag vom P.M.-Beobachter

    Tja, was passiert, so fragt die P.M. in ihrer aktuellen Ausgabe, wenn Aliens in Deutschland landen?

    Highlight des ohnehin schon von unfreiwilliger Komik geprägten Artikels ist der letzte Absatz, zur Frage ob Aliens gläubig seien.
    So wird der katholische Theologe Linus Hauser mit der Aussage zitiert:

    “Wenn es endliche und vernünftige Wesen sind, ist es wahrscheinlich, dass sie an Erlösung glauben.”

    Die Fragen, was genau “Erlösung” sein soll, wovon eigentlich und wieso Erlösungsglauben etwas mit Vernunft zu tun haben soll, bleiben offen.

    Immerhin, so P.M. und Hauser “hätte sie sich ohne eine strenge Ethik auf der langen Fahrt wohl gegenseitig umgebracht.”

    Denn wie wir alle wissen verfügen nur Gläubige (genauer: Monotheisten) über Moral und Ethik
    und morallos-bösartige Gotttesverweigerer verkommene Subjekte Atheisten bringen sich mit der Zeit alle gegenseitig um.

    Wichtig auch, dass sich “jede Kultur” die “letzten, grundlegenden Fragen” stellt - welche auch immer das sein sollen. Zählt “Gibt es Gespenster Gott?” wirklich dazu?

    Wenigstens eine Gewissheit aber haben wir:

    “Natürlich könnten auch Aliens Katholiken werden”

    Literatur
    Vicari, Jakob: Was wäre wenn… …Aliens in Deutschland landen?; in: P.M. Mai 2007; S. 76 ff.