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  • 20. Sep. 2007

    Heute: die WAZ

    Kommentare sind eine schöne Gattung von Pressetexten, da sie vor allem Meinungen transportieren sollen. Insofern geben sie oft die besten und ehrlichsten Einblicke in die Denkstrukturen von Journalisten, die sich meistens intern erst für diese „Königsdisziplin“ qualifizieren müssen. Rolf Potthoff zum Beispiel schreibt Kommentare in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) aus Essen, immerhin laut eigener Darstellung „Deutschlands größte Regionalzeitung“. Diese fällt säkularen Beobachtern allerdings seit geraumer Zeit vor allem dadurch auf, dass sie sich in der weitgehend monopolisierten Presselandschaft des Ruhrgebiets mehr und mehr in ein Hofberichterstattungsorgan kirchlicher Einrichtungen verwandelt hat.

    In der Ausgabe vom 20. September verteidigt Rolf Potthoff in seinem Kommentar zum neuen „Karrikaturenstreit“ rund um den Schweden Lars Vilks zunächst grundgesetzlich garantierte Selbstverständlichkeiten, verwahrt sich gegen die Bevormundung der Kunst und warnt vor „devoter“ Nachgiebigkeit in der Sache.

    Ach, hätte er doch an dieser Stelle aufgehört!

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    12. Sep. 2007

    Mit einem Beitrag in der Süddeutschen reiht Friedrich Wilhelm Graf sich in den Chor der Kritiker des so genannten neuen Atheismus ein. Kennzeichen für diese Art des Diskurses ist erstens der überaus sparsame Gebrauch sachlicher Argumente und zweitens die persönliche Diffamierung

    Graf, ein evangelischer Theologe, zur Zeit sogar als Fellow beim Wissenschaftskolleg zu Berlin tätig, macht gleich zu Beginn im Untertitel seines Betrages klar, worum es ihm geht:

    Richard Dawkins und Christopher Hitchens - ein biologistischer Hassprediger und ein liberaler Skeptiker greifen in ihren Büchern die Religion an.

    Der Gegner ist es also, der geifert, eine Unterstellung, die Graf an keiner Stelle seines Beitrages belegen wird. Das Attribut ‘biologistisch’ ist schon deutlich negativ konnotiert. Der durchschnittliche Leser soll hier wohl eine Nähe der Autoren zu sozialdarwinistischen Ansätze assoziieren. Weit schlimmer wiegt natürlich die Klassifikation als Hassprediger. Hassprediger, wie man hier nachlesen kann, sind Personen,

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    31. Jul. 2007

    In der Rheinischen Post fordert Bischof Mixa Gegenleistungen von islamischen Staaten für den Bau von Moscheen in Deutschland und offenbart sein Verständnis von Toleranz und rechtsstaatlicher Prinzipien.

    In vornehmlich islamisch geprägten Kulturen und Ländern haben Christen heute noch so gut wie keine Daseinsberechtigung.” Wenn sich dies nicht endlich ändere, sollte man in Deutschland den Muslimen in aller Freundschaft antworten: „Dann muss es eben keine große Moschee sein mit hoch emporragenden, demonstrativ in Erscheinung tretenden Minaretten, dann reicht in einer christlich geprägten Kultur auch ein schlichter muslimischer Andachtsraum.

    Kleine Nachhilfestunde - Grundgesetz, Artikel 4:

    2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.

    Sehr geehrter Herr Mixa, dieser Text ist umissverständlich. Die Religionsfreiheit - ebenso wie jedes andere Menschenrecht - darf in der BRD nicht eingeschränkt werden!

    2. Jul. 2007

    Ein hochkarätiges besetztes Wissenschaftssymposium in einer kleinen Stadt in der Provinz. Das Thema ist Evolution und Kreationismus. 3 Tage referieren, streiten und debattieren Referenten aus den Natur- und Geiseswissenschaften über iDie erschöpfte Theorie? Evolution und Kreationismus in Wissenschaften. Das lokale Printerzeugnis “Der Trierische Volksfreund” scheint indes an solcherlei Veranstaltungen in seiner Stadt keinerlei Interesse zu haben.

    Alltag, wie Christoph Lammers einer der Organisatoren berichtet:

    Dass der TV uns boykottiert hat ist bedauerlich, aber für die örtliche Presse typisch. Fast alle öffentlichen Terminkalender haben die Veranstaltung ignoriert.

    In der Printausgabe des TV gab es immerhin eine Nachberichterstattung zum Kongreß. Allerdings war dort wenig über die Tagung selbst zu lesen. Fast bekommt man den Eindruck, der Schreiber des Artikels habe sich nur einen einzigen Vortrag angehört. Es wird nur ein einziger Referent (Prof. Graf) erwähnt und gleich 2 Absätze (von insgesamt 5) widmen sich dem Inhalt dieses einen Vortrags. Stattdessen kommt ein Sektenbeauftrager des Bistums Trier im längsten Abschnitt des Artikels zu Wort:

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    29. Jun. 2007

    Bistum Köln erwirkt einstweilige Verfügung gegen den Kabarettisten Jürgen Becker, er darf Kardinal Joachim Meisner nicht mehr als Hassprediger bezeichnen.

    Die katholische Kirche - namentlich vertreten durch Kardinal Meisner - liegt im Clinch mit dem Kabarettisten Jürgen Becker. ‘Schon wieder’ fragt man sich unwillkürlich und denkt ‘der arme Becker’. Hatte es nicht vor allzu langer schon eine Anzeige wegen Volksverhetzung gegen ihn gegeben? Damals waren es aber Muslime gewesen, die sich durch einen Satz aus Beckers Kabarettprogramm „Ja, was glauben sie denn?“ verhetzt sahen:

    Der Komödiant wurde ob seines Sketches über den Rollentausch zwischen muslimischen Frauen und Männern - “Warum tragen die Männer nicht mal zur Abwechslung das Kopftuch vor den Augen, das schützt doch auch vor den visuellen Reizen ihrer dann kopftuchlosen Frauen…?

    Dieses Mal sind es aber nicht die Muslime, deren Zorn Becker auf sich zieht, sondern ein Kardinal. Was war geschehen? In einem Interview mit dem Kölner Express hatte Becker auf die Frage, wie er sich denn zum Bau einer großen Moschee im Rheinland stelle, geantwortet:

    Mein Nachbar ist Moslem, aber auf rheinische Art, mit dem kann man auch mal ein Kölsch trinken. In Köln kann man keinen Moslem dazu ermuntern, Katholik zu werden.
    Denn von einem Hassprediger zum anderen zu wechseln, bringt nichts.

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    14. Jun. 2007

    „Gott ist an allem schuld“ titelte der Spiegel in seiner Ausgabe vom 26.05.2007.
    Der Pressesprecher des Vatikan Spiegelautor Alexander Smoltczyk – Schreiber der Spiegel-Online-Kolumne Uups et Orbi - lieferte den Hauptartikel, dessen Überschrift „Der Kreuzzug der Gottlosen“ den Leser bereits Übles ahnen lässt.
    Von Atheisten ist da die Rede, von gottlosen Wissenschaftlern, die sich auf einem Kreuzzug gegen Religionswahn und Götter befinden.

    Es ist als würde auch die Aufklärung ihre Fundamentalisten hervorbringen. Mit Eifer und Zorn wird gegen alles zu Felde gezogen, was nur entfernt nach Unvernunft, Aberglaube, Weihrauch riecht.
    Der Totalangriff der Aufklärer macht keine Gefangenen.

    Die Wortführer dieser Bewegung bezeichnet Smoltczyk als Fundamentalisten. Offensichtlich in der Absicht sie zu diskreditieren und im unbedarften Leser ganz bestimmte Assoziationen zu wecken. Brennende Wolkenkratzer und mit Sprengstoffgürteln bewaffnete (Nicht-)Gotteskrieger sind indes aus dieser Ecke ganz gewiss nicht zu erwarten. Über Richard Dawkins, den bekanntesten Vertreter der „neuen Atheisten“, schreibt der Spiegel:

    Wer Dawkins … besucht hat, bleibt mit einem Gefühl zurück, als hätte jemand was kaputt gemacht. Warum wütet der so?

    Zwischen den Fronten der fundamentalistischen Relgionskritikern und den religiösen Gotteskriegern präsentiert der Autor ausgerechnet einen evangelischen Bischof und einen katholischen Papst als moderate Mittler: Bischof Huber, der Dawkins pseudoreligiöse Wissenschaftsgläubigkeit vorwirft und Ratzinger, für den Vernunft und Glauben keine Gegensätze sind. Krönender Höhepunkt ist der päpstliche Chefhistoriker Brandmüller (Interview auf SpOn), der unwidersprochen über Beweislastumkehr, Wunder und eine angeblich rationale Begründung für den Glaubens schwadronieren darf:

    Die Beweislast für die Nichtexistenz Gottes läge im Übrigen bei Richard Dawkins, nicht bei den Gläubigen: „Sie staunen? Ich meine aber doch! Denn: Wenn ich überhaupt die Existenz eines unendlichen Geistes, aus dessen Gedanken und Willen die gesamte Wirklichkeit hervorgegangen ist, leugne, dann muss ich doch wohl erklären können, wie denn Welt und Mensch überhaupt existieren. Urknall, Evolution, Selbstorganisation einer Materie anzunehmen erfordert weit größere Gläubigkeit, als die Kirche für ihre Dogmen verlangt. Wie sollte denn ein Nichts auf einmal knallen?

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    14. Jun. 2007

    Ein Gastbeitrag vom P.M.-Beobachter

    Nochmal zurück zu der Gottesformel von Stephen D. Unwin:

    Offenbar handelt es sich bei der “Gottesformel” um eine knatschverkehrte modifizierte Variante des Bayes’schen Theorems und somit nicht um eine “zurecht vergessene Formel”, sondern vielmehr eine leider nicht vergessene, dubiose Ableitung.
    Ausführlich gibt es das Ganze dankenswerterweise bei Leukrit im Freigeisterhaus.

    Eine kleine Anmerkung noch: Ja, in dem Artikel ist so einiges an Murks drin. So spricht gleich der erste Satz zum ersten Indiz von dem Urknall als “einem unvorstellbaren Feuerball”, aber da das noch öfters passieren wird verlegen wir das auf später.

    14. Jun. 2007

    Ein Gastbeitrag vom P.M.-Beobachter

    Die P.M. hat ihren Aufhänger diesen Monat richtig groß gemacht mit Pressemitteilung, Meldung in der RP und natürlich schönen Bildern.
    Offenbar hat Stephen D. Unwin auf eine zurecht vergessene Formel von Thomas Bayes zurückgegriffen. Vielleicht ist es auch ganz klug, den Buchtitel nirgends im Artikel zu nennen, könnte ja jemand nachprüfen. Haben wir natürlich, mit dem Ergebnis, dass Unwin diesen Mist tatsächlich verzapft hat. Aber was Unwin in seinen Büchern macht ist jetzt nebensächlich, hier geht es um die P.M.
    Viel interessanter ist daher die Vorgehensweise des Artikels in der Argumentation. In der Einleitung (die bekanntlich eh niemand liest) steht noch, Thomas Vašek habe die Wahrscheinlichkeit “ganz subjektiv durchgerechnet”. Und das stimmt ja auch, nur leider verliert sich der Eindruck sofort, wenn eine mathematische Formel auftaucht.
    Die hier zum Beispiel:Das ist die “Gottesformel”, mit ihr soll sich berechnen lassen, wie sehr ein Indiz für oder gegen eine Hypothese spricht.
    Dafür nimmt man die bereits ermittelte Wahrscheinlichkeit in Prozent (anfangs grundsätzlich 50, danach das Ergebnis der vorherigen Anwendung der Formel) als Pdavor und einen Wert zwischen 0 und 10 für den GI, wobei 0,1 “spricht stark gegen die These”, 1 “spricht weder für noch gegen die These” und 9 “spricht stark für die These” bedeutet. Das klingt soweit recht plausibel und ergibt auch hübsche Nummern.
    Der Haken an der Sache: Es lässt sich jede beliebige Zahl damit begründet errechnen. Denn nicht nur ist “GI” (Gottes-Indikator) grundsätzlich geraten geschätzt, die Rechnung lässt sich auch beliebig oft hintereinanderhängen, bis schließlich das gewünschte Ergebnis erscheint.

    Wenn man jetzt noch Quantenphysik überall da, wo sie relevant ist als “umstritten” bezeichnet, Gott aber nicht, kommt man natürlich darauf, dass Gottes Existenz wahrscheinlicher ist als seine Nichtexistenz.

    Vor allem aber: Die Antwort muss selbstverständlich 42% lauten und nicht, wie bei der P.M. 62%. Ist doch nicht so schwer.
    Ich hab 42 raus.
    Und Sie können das auch.

    Literatur
    42 in Wikipedia
    Unwin, Stephen D.: The Probability of God - Amazon-Link
    Vašek, Thomas: Die Gottesformel, in: P.M. - Peter Moosleitners Magazin Dezember 2006; S. 12 ff., Online verfügbar

    P.S.: Upps, Prozentzeichen ergänzt
    P.P.S.: Ein kurzer Nachtrag

    14. Jun. 2007

    Ein Gastbeitrag vom P.M.-Beobachter

    Tja, was passiert, so fragt die P.M. in ihrer aktuellen Ausgabe, wenn Aliens in Deutschland landen?

    Highlight des ohnehin schon von unfreiwilliger Komik geprägten Artikels ist der letzte Absatz, zur Frage ob Aliens gläubig seien.
    So wird der katholische Theologe Linus Hauser mit der Aussage zitiert:

    “Wenn es endliche und vernünftige Wesen sind, ist es wahrscheinlich, dass sie an Erlösung glauben.”

    Die Fragen, was genau “Erlösung” sein soll, wovon eigentlich und wieso Erlösungsglauben etwas mit Vernunft zu tun haben soll, bleiben offen.

    Immerhin, so P.M. und Hauser “hätte sie sich ohne eine strenge Ethik auf der langen Fahrt wohl gegenseitig umgebracht.”

    Denn wie wir alle wissen verfügen nur Gläubige (genauer: Monotheisten) über Moral und Ethik
    und morallos-bösartige Gotttesverweigerer verkommene Subjekte Atheisten bringen sich mit der Zeit alle gegenseitig um.

    Wichtig auch, dass sich “jede Kultur” die “letzten, grundlegenden Fragen” stellt - welche auch immer das sein sollen. Zählt “Gibt es Gespenster Gott?” wirklich dazu?

    Wenigstens eine Gewissheit aber haben wir:

    “Natürlich könnten auch Aliens Katholiken werden”

    Literatur
    Vicari, Jakob: Was wäre wenn… …Aliens in Deutschland landen?; in: P.M. Mai 2007; S. 76 ff.

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