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  • 1. Feb. 2008

    Der Antrag auf Indizierung des Kinderbuches “Wo bitte geht es zu Gott? fragte das kleine Ferkel” löste ein breites Medienecho aus, sowohl in den klassischen (sie selbst nennen sich professionelle) Medien als auch in der Welt der Blogger. Eine kleine Presseschau an Hand derer der Leser selbst entscheiden möge, wie gut professionelle Schreiber ihre Hausaufgaben machen.

    Heide Oestreich griff für die taz als erste die Meldung des Humanistischen Pressedienstes auf. Vielleicht ist ihr Artikel deshalb so erstaunlich neutral, weil Frau Oestreich vorher kaum ahnen konnte, welchen Weg das Rudel später einschlagen würde und die Rolle einer Leitwölfin für die Medienmeute wollte oder konnte sie nicht geben. Immerhin - und das muss man ihr im Lichte der anderen Beispiele hoch anrechnen - stellt sie die Stimmen beider Parteien mehr oder weniger im Wortlaut einander gegenüber. Passagen aus dem Indizierungsantrag des BMFJS erscheinen in gleichem Umfang wie Autoren und Verleger. Eine eigene Meinung zum Vorfall hat sie indes nicht. Einigermaßen bemerkenswert, geht es hier doch immerhin um die Frage ob ein Kinderbuch antisemitische Stereotype verbreitet oder ob sich hinter diesem Vorwurf Zensurabsichten, mit dem Ziel berechtigte Religionskritik zu desavouieren, verbergen. Eine Frage zu der man eigentlich eine Meinung haben sollte. Und unabhängig davon wie man diese Frage beantwortet, sollte man diese Antwort nicht verschweigen, schon gar nicht wenn man Gelegenheit (und Auftrag?) hat, diese seine Meinung in einem Medium wie der taz kund zu tun. Einen Hauch Subversivität gönnt Frau Oestreich sich noch am Ende ihres Artikels, in dem sie die Leser darauf hinweist, dass dass das noch nicht indizierte Buch noch käuflich zu erwerben sei

    Die angeblich jugendgefährdende Religionsfeindlichkeit des Buchs ist übrigens dem Buchdienst Amazon noch gar nicht aufgefallen: Dort wird das Werk unter “Religiöse Kinderbücher” geführt - und verkauft sich blendend.

    Das allerdings ist auch nicht ganz richtig. Das Amazon das Buch verkauft ist wohl kein Versehen. Warum sollten sie denn nicht? Vom dem Indizierungsantrag wissen sie offensichtlich, denn Rezensionen, die darauf aufmerksam machen, dass das Buch möglicherweise bald nicht mehr frei verkäuflich sein könnte, werden wie bei Amazon üblich nach kurzer Zeit gelöscht. 1

    Inzwischen hat Heide Oestreich einen zweiten Artikel in der taz nachgeschoben. Dieses Mal sind es Sprecher diverser Religionsgeminschaften und Pädagogen, die zu Wort kommen, bis auf zwei Ausnahmen alles Befürworter der Indizierung.

    Der taz folgten etliche News-Portale, die sich darauf beschränkten die reine Agentur-Meldung zu verbreiten.: Berliner Literaturkritik, Ruhr Nachrichten, Presse Portal , die Zeit und etliche mehr (ausführliche Linkliste). Lobend zu erwähnend ist allerdings die Meldung auf Domradio.de, dem Portal des Radiosenders des Erzbistums Köln, die ohne Rückgriff auf Formulierungen der Agenturmeldung und obendrein völlig sachlich den Fall schildert und ebenfalls beide Seiten zu Wort kommen lässt.

    Ungleich erschreckender ist die der Artikel von Alan Posener in der Welt. Was wir von ihm zu erwarten haben verrät uns schon die Überschrift “Wie antisemitisch kann ein Kinderbuch sein?” oder spätestens der Teaser:

    Das Bundesfamilienministerium geht gegen das Kinderbuch „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel” vor. Es soll auf den Index. Grund: Die Weltreligionen werden darin verunglimpft, besonders das Judentum. Aber eigentlich ist das atheistische Werk für die Zensur viel zu schlecht.

    Trotz kraftvoller Polemik mag Posener sich offenbar ebenfalls (noch) nicht zu einem eindeutigen Statement durchringen:

    Anders als in der muslimischen Welt ist in Europa die Religionskritik erlaubt. Es sei denn, sie wird verboten. Während der muslimische Mob aus Protest gegen Mohammed-Karikaturen Botschaften abfackelte, zieht nun das Bundesfamilienministerium gegen eine Kinderfibel zu Felde. „In dem Buch werden die drei großen Weltreligionen Christentum, Islam und das Judentum verächtlich gemacht“, heißt es in einem Schreiben des Ministeriums an die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. [...] Dass aber solche Reimdichoderichfressdicherei wirklich „jugendgefährdend“ sei, glaubt man vermutlich auch in Ursula von der Leyens Ministerium nicht.

    Also nicht “wirklich” jugendgefährdend oder wie?

    Christen werden lächerlich gemacht
    Deshalb wird die ultimative Keule herausgeholt: Das Judentum, so das Ministerium, „werde als besonders Angst einflößend und grausam dargestellt“. Das stimmt, leider.

    Aber doch antisemitisch? Und wieso”Das stimmt, leider” ?

    Nicht nur werden bei der Darstellung des Judentums elementare Fehler gemacht, etwa indem die Synagoge vom Rabbi als „Tempel“ bezeichnet und behauptet wird, nur Juden dürften sie betreten. Einzig der Rabbi darf die schlichte Wahrheit aussprechen: „Gott, der Allmächtige, ist nicht nett!“ Eine Wahrheit, die er mit der Sintflut belegt.

    Sehr interessante Schlussfolgerung. Jemand, der einem Rabbi in einem Kinderbuch die Worte “Gott ist nicht nett” in den Mund legt und/oder vermeintlich fälschlicherweise von einem Tempel (statt Synagoge) berichtet, den nur Juden betreten dürfen und/oder was auch immer mit der Sintflut belegt ist ein Antisemit? Also bitte, Herr Posener, geht’s noch? Der Reihe nach: 1. Gott ist nicht nett und er ist es nie gewesen. Sein Lebenswerk - besonders der erste Teil - ist voll von Zeugnissen davon. 2. Die Sintflut ist keine Erfindung der Autoren dieses Kinderbuches, sondern die Erfindung irgendwelcher religiöser Propheten. 3. Die Protagonisten des Ferkelbuches besuchen nicht irgendeine beliebige Synagoge sondern ein Gebäude, das sich auf einem so genannten Tempelberg befindet:

    „Ich hab’ mal ein paar Menschen über Gott streiten hören“, sagte der Fuchs. „Sie haben ihm dort oben auf dem Tempelberg große Häuser gebaut.“ „Worüber haben sie sich denn gestritten?“, fragte der kleine Igel. „Ich glaube, sie sind sich nicht einig, in welchem dieser Häuser der Herr Gott nun wohnt“, antwortete der Fuchs und fügte leise hinzu: „Wenn ihr mich fragt, geht besser nicht dorthin! Die Leute da oben sind ziemlich verrückt !“

    Da sogar zeichnerisch der Jerusalemer Felsendom nachempfunden wird, dürfte es hier unzweifelhaft nicht irgendeine beliebige Synagoge gemeint sein, sondern der (nicht mehr existente und folglich fiktive) israelitische Tempel.

    Ein Fall für den Index? Kinderbücher, die zu unterhalten vorgeben, in Wirklichkeit aber erziehen wollen, sind ohnehin eine Pest. Eigentlich gehörten sie alle verboten. Aber Kinder sind weniger doof, als die meisten Eltern und Zensoren glauben. Wenn sie die Gelegenheit haben, greifen sie instinktsicher zu moralfreien Geschichten wie „Pu der Bär“. Der wird ein Klassiker bleiben, wenn dieses traurige Dokument der Borniertheit längst vergessen ist. Es zu verbieten wäre zu viel der Ehre.

    Zum Abschluss hat Posener es dann also doch noch geschafft, sich gegen eine Zensur/Verbot/Indizierung auszusprechen, wenn auch aus den falschen Gründen. Ganz anders Herr Alexander Rühl in der Süddeutschen Zeitung, der offensichtlich Kritik und Zensur überhaupt nicht zu unterscheiden vermag. Er beginnt seinen Artikel mit einem Verriss des Ferkelbuchs:

    Es gibt viele schlechte Kinderbücher; am schlechtesten aber sind die indoktrinierenden. In ihrem Bemühen, den Kindern nur ja die richtige Botschaft einzuhämmern, verzichten die Autoren auf alle Originalität, auf jedes erzählerische Detail, das einfach nur da sein darf, absichtslos, interessant und schön. Die Illustratoren malen dazu keine eigenständigen Bilder, sondern pinseln farbige Thesen.

    Die Lektüre solcher Bücher ist trostloser als ein Spaziergang über zubetonierte nordkoreanische Freiflächen, alles plan und platt, nirgends auch nur das kleinste Pflänzchen, das zweckfrei vor sich hinsprießen dürfte.

    Rühl mag das Buch also nicht, muss er auch nicht, aber :

    Insofern ist ein soeben bekannt gewordenes Indizierungsverfahren des Bundesfamilienministeriums schon aus ästhetischen Gründen zu begrüßen.

    Man mag es in gutem Glauben noch für triefenden Sarkasmus halten, aber er stimmt über seine inhaltliche Kritik der Beurteilung des BMFJFS nicht nur zu sondern geht sogar noch darüber hinaus:

    Darauf steht der Satz: “Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas.” Daraufhin machen sich die beiden auf, einen Rabbi, einen Priester und einen Mufti nach Gott zu befragen. Das Ministerium schreibt, “insbesondere der jüdische Glaube” werde “durch die bildliche Darstellung und die Charakterisierung der Person des Rabbi verächtlich gemacht”. An dem Satz erstaunt nur das einschränkende Wort “insbesondere”.

    Ein besonders infamer Vergleich soll den Vorwurf der Verächtlichmachung belegen und obendrein Nynckes Zeichnungen in die Nähe antisemitischer Hetzt a la Stürmer rücken.

    Der Rabbi erinnert an Karikaturen aus den dreißiger Jahren: Schläfchenlocken, ein fanatisches Leuchten in den Augen, ein blitzendes Raubtiergebiss und Hände wie Pranken.

    Die Infamie dieses Vergleiches illustriert diese Gegenüberstellung der Zeichnungen von Nyncke und einiger “Karikaturen aus den dreißiger Jahren”.

    Abschließen möchte ich diese kleine Presseschau mit Voltaire - ein besseres Schlusswort fällt mir zu diesem erbärmlichen Bild der Presse nicht ein.

    Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen2


    Links zum Thema aus der Welt der Blogs (ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Ausgewogenheit):
    Kinderbuch mit Ferkel droht Verbot: Rettet das kleine Ferkel!
    Antisemitisch oder nur völlig daneben?
    Ein atheistisches Kinderbuch soll antisemitisch sein
    Die Sau zeigt nicht genug Ehrfurcht vor den Göttern!
    Rettet das Ferkel!

    Ursula von der Leyen auf den Scheiterhaufen!
    Kleines Ferkel in Not
    Religionskritik - Das kleine, gottlose Ferkelchen…
    “Anschlag auf die Meinungsfreiheit”
    Indizéieren!?
    “Ministery of Truth and Family”
    Ärger um ein kleines Ferkel
    Lieber Gott, fragte das kleine Schweinchen…
    “Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel”
    Wo bitte geht’s zu Gott – Zensurversuch des Familienministeriums
    Zensur: Wo bitte geht`s zu Gott?, fragte das kleine Ferkel
    Diverse - Das kleine Ferkelchen
    Zensur aus ästhetischen Gründen?

    1 Von Englisch und Mathefan - alle meine Rezensionen ansehen

    Das Buch soll angeblich in Kürze indiziert werden, weil es zum Rassenhass aufruft. Der Antrag soll gestellt worden sein. Ich persönlich halte nichts von Verboten, aber auch nichts vom Buch. In dem Buch werden Christen und Juden als Dummköpfe hingestellt. Wäre in der DDR sich ein Renner gewesen.

    Von Uecker, Uta-maria “Löwentatze” - alle meine Rezensionen ansehen

    Dieses wichtige und wertvolle Buch soll nach dem Willen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend als judendgefährdendes Medium indiziert werden. Das führt dazu, dass das Buch nicht mehr über amazon verkauft werden darf und in Buchläden unbeworben nur noch als “Bück-Ware” erhältlich sein wird.
    Wer das verhindern will möge an der Unterschriftenaktion gegen die Indizierung teilnehmen!

    2 Jaja, ist mir bekannt, dass es wahrscheinlich nicht seiner Feder entsprungen ist. Es klingt aber einfach besser als: “Du bist anderer Meinung als ich und ich werde dein Recht dazu bis in den Tod verteidigen“.

    16. Jan. 2008

    Uri Geller im TV? Ein alter Hut, oder doch nicht? Na ja, das ist so ein Art Casting-Show, bei der “‘The Next Uri Geller” gesucht wird, was bedeutet, wenn die auf RTL Sendung liefe, hieße sie DSDSU oder so. Zu der Sendung muss man nicht viel sagen, allerlei so genannte Mentalisten geben da ihr Können zum Besten. Nichts dabei, was man nicht schon mal in der Fußgängerzone gesehen hätte.

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    Sehr ärgerlich ist allerdings was in den Medien über diese Sendung zu lesen ist. Erfreulicherweise hat Ludmila Carone vom Scienceblogs.de-Blog ‘Hinterm Mond gleich Links‘ dazu schon etwas geschrieben und mir erlaubt dies hier wiederzugeben. Dafür meinen herzlichsten Dank.


    Versteh ich nicht

    Autor: Ludmila Carone

    Man mag Uri Geller als reine Unterhaltung begreifen und behaupten, dass das schon ok so sei. Kein Mensch glaube diesen Unfug. Aber eines verstehe ich nicht: Journalisten haben sich doch eigentlich der Wahrheitsfindung verschrieben oder habe ich da was falsch verstanden?

    Warum lassen sich dann Journalisten dazu herab, Gellers hanebüchenem Unsinn völlig unkritisch auch noch eine Plattform zu bieten?

    Mit Magengrummeln habe ich ein entsprechendes Interview im “Kölner Stadtanzeiger” gelesen und auf Focus Online ist das Jubelinterview noch unterträglicher. (Zum Interview. Gefunden via Wissenswerkstatt)

    “Und später beschlossen Sie, aus Ihren transformierenden Kräften eine Karriere zu machen?” Meine Fresse…

    Und der Bericht heute auf Focus Online fängt eigentlich recht vielversprechend an. Aber der Schlussabschnitt ist ja wohl für die Tonne. ( Nachbesprechung der Sendung )

    “Wenn schon der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger nach Maßnahmen gegen das Trash-Fernsehen ruft, sollte Fernsehdeutschland froh sein, wenn ausnahmsweise wieder talentierte Menschen über den Bildschirm flimmern. Auch wenn deren Talent nicht darin besteht, mit Toten zu sprechen, sondern darin, Menschen genau das glauben zu machen.”

    Meine Güte ist das eine moralische und logische Bankrotterklärung. Da wird Betrug an Menschen einfach mal eben zum “Talent” erklärt.

    Wenn es denn die Leute dabei bewenden lassen würden, ihre Kunststückchen im Fernsehen zu präsentieren. Aber dahinter steht eine ganzer Wirtschaftszweig. Schließlich verdienen Hellseher, Astrologen, etc. durchaus an ihren Künsten, indem sie den Leuten das Blaue vom Himmel vorlügen. Ist aber alles nicht so schlimm. Nicht wahr?
    Schon mal daran gedacht, dass es Leute gibt, die nach einem traumatischen Verlust nur zu gerne daran glauben wollen, dass jemand mit Geistern und damit z.B. mit ihrem toten Kind reden kann? Wenn also so genannte Medien, diese Trauer ausnutzen, um sich unberechtigterweise zu bereichern oder sogar in dieser Ausnahmesituation psychologisch ungeschickt vorgehen und den Trauernden Schuldgefühle einreden… Oder wenn diese “Hellseher” sich bei der Suche nach vermissten Personen einmischen, wie es Herr Geller übrigens tatsächlich getan hat, um den Angehörigen irgendeinen Quark zu erzählen…

    Dann ist das ein Talent? Dann verhöhnen wir die Opfer und sagen: “Selbst Schuld!”?

    Wenn ein Nepper einer alten Frau an der Haustür einen völlig überteuerten Vertrag andreht oder für Leistungen kassiert, die er einfach nicht erbringt wie z.B. die Inspektion der Gastherme, dann verfolgt die Justiz diese Fälle als Betrug. Da ist es dann nicht zulässig, sich auf den Standpunkt zu stellen, dass die Opfer irgendwie selbst schuld seien. Sie hätten sich besser informieren oder sich den Ausweis zeigen lassen sollen. Aber sobald es irgendwie mit angeblich “übersinnlichen Phänomenen” zusammenhängt, wird den Leuten ein Freifahrtschein ausgestellt und ihnen sogar Talent bescheinigt?

    Das versteh ich ganz und gar nicht.

    Ich meine, wer sucht denn sein Heil bei Esoterikern? Eine in sich gefestigte, stabile Persönlichkeit? In einigen Fällen werden durchaus labile Menschen dabei sein, die nur zu gerne auf Anweisungen von außen warten oder die gerade in einer solchen Ausnahmesituation sind, dass sie zu Strohhalmen greifen. Ganz zu schweigen davon, dass die Esoteriker-Ecke auch Sekten hervorgebracht hat, zu denen z.B. Scientology gehört. Von der Überschneidung zwischen Esoterik und alternativen Heilverfahren, die mitnichten so harmlos und nebenwirkungsfrei sind, wie Verfechter das immer wieder behaupten, will ich erst gar nicht anfangen (Sanfte Alternativen auf Kritisch gedacht).


    Aber ist ja alles nicht so schlimm, nicht wahr?

    Also, wenn ich staunen will, dann sehe ich mir beispielsweise das Weltraumbild des Tages an. Das hat außerdem den unschätzbaren Vorteil, dass die hier vorgestellten Phänomene nicht nur wunderschön sondern auch real sind.

    7. Jan. 2008

    Ein unsäglich schlechter Artikel in ‘Ökotest’ 01/2008 über Kinder und Religion veranlasste einen Leser zu folgendem Leserbrief:

     


    Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion,anbei mein Leserbrief zum Artikel: „Kinder und Religion“ in der aktuellen JanuarausgabeMein Gott!

    Eigentlich bin ich bin ich von Ihnen Besseres gewohnt! Selten habe ich in einer Zeitschrift soviel christliche Propaganda und moralistische Plattitüden gelesen, wie auf diesen vier Seiten.

    Im ersten Artikel wird richtig erkannt, dass sich die Menschen kritisch mit dem Thema Religion auseinandersetzen. Dass die Werte, auf die sich die Menschen besinnen, humanistischen Ursprungs sind und nicht primär christlichen wird aber völlig verleugnet. Gleichwohl wird impliziert, dass dieses Hinterfragen zu einer neuen Religiosität führt obwohl es in Wirklichkeit die bewusste Abwendung von Religion begründet. Statt dessen wird die Interpretation einer Aussage eines Professors mit eindeutig theistischem Hintergrund aus eines anderen Quelle herangezogen.
    Warum man Kinder einer religiösen Indoktrination aussetzen sollte, wird mit einem diffusen “Mehr-als” begründet mit dem Glauben einer weiteren herbeizitierten Theologin.
    Im nächsten Absatz sollen dann Kinder im Glauben eine (Selbst-)Sicherheit finden, die ihnen zu geben die scheinbar unfähigen Eltern nicht in der Lage sein sollen. Die angeblich höhere Stabilität religiöser Kinder wird weder relativiert (stabiler als welche anderen Kinder?) noch belegt, sondern nur den Aussagen nicht näher genannter Fachleute zugesprochen.

    Das Kinder einer Regelmäßigkeit im Tagesablauf, im Wochen- und im Jahresrythmus bedürfen ist soweit erst einmal unstrittig. Was der Vorteil christlicher Feste gegenüber anderer sein soll wird nicht deutlich zumal christliche Feste historisch betrachtet nichts anderes sind als Adaptionen älterer heidnischer Feiertage. Es wird auch nicht von Toleranz gesprochen, sondern von einem offensivem Umgang mit dem christlichen Glauben gegenüber anderen Religionen - von Respekt dem gegenüber, auch dem Nichtgläubigen und Andersgläubigen kein Wort. Vom Interesse oder Respekt an anderen Weltsichten keine Spur.

    Seinen vorläufigen Höhepunkt findet man dann im Interview mit Frau Schneider, die das Heil der kirchlich kontrollierten (obwohl überwiegend staatlich finanzierten) Kindergärten im Schulterschluss mit den muslimischen Eltern sucht und findet.

    Der Gewinn, den Kinder für die Kirchen bedeuten könnten, mit dem Satz: “… und man kann mit dem kleinen Schreihals ja auch mal zehn Minuten vor die Tür gehen.” wird hier leider völlig verkannt, zumal der Absatz eine positive Entwicklung diesbezüglich suggerieren soll, da hier auf die scheinbar wachsende Toleranz der Kirchen gegenüber Kindern und Kleinkindern .dargestelt werden soll. Der Hinweis dass diese neue Toleranz mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nichts anderes ist als eine strategische Entscheidung, da den Amtskirchen aufgrund sinkender Mitgliederzahlen und sinkender Taufbereitschaft von Eltern schlicht und einfach der Nachwuchs ausgeht, fehlt völlig.
    Statt dessen sollen die Eltern mangelnde Bereitschaft in den Gemeinden, sich den Wünschen und Bedürfnissen der jüngeren Vereinsmitglieder zu öffnen, erst einfordern und dann auch noch selbst organisieren.

    Der Absatz “Jugendliche und Religion” gesteht allerdings nicht nur ein, das sich kritische Jugendlich trotz beständiger und teilweise Jahrzehnte dauernder Indoktrination nicht nur aus den Kirchen, sondern auch aus dem Glauben lösen. Er verweist auch auf die Tatsache, dass dieser säkulare Staat alternative Weltanschauungen weder im Ethikunterricht noch in Geschichte wirklich zulässt und die Kinder und Jugendlichen mit Ihren Fragen allein lässt. Sie müssen sich diese Antworten, werden sie nicht im Elternhaus fündig, selbst suchen. PISA und der scheinbare Erfolg pseudowissenschaftlicher Modelle wie Intelligent Design sprechen da Bände.

    Im Folgenden tut dann Frau Binder Ihr Entsetzen über das religiöse Unwissen in Quizshows im Fernsehen kund und versucht uns Glauben zu machen Ethikunterricht habe die Aufgabe sich nur mit den Religionen zu beschäftigen und wäre sonst eine “Wissensvermittlung ohne Werte”. Als wenn es gerade im Ethikunterricht nicht um das Erarbeiten und hinterfragen von Werten ohne religiöse Fußfesseln ginge!
    Dass ihr Menschen, die sich ihr eigenes, womöglich von den standardisierten religiösen Vorgaben abweichendes Weltbild erarbeiten und dabei dennoch auf als richtig Erkanntes aus den Religionen zurückgreifen, “ein absolutes Gräuel” sind, verwundert an dieser Stelle wohl niemanden mehr.

    Summa summarum keine Fakten. Nur Meinungen, Vermutungen und leere Heilsversprechen. Und natürlich der erhobene Zeigefinger zu den Eltern.
    Das ist kein anspruchsvoller Journalismus. Das ist Meinungsmache auf unterstem Niveau.

    Auf die Propagandaliteraturliste einzugehen erspare ich mir und Ihnen.

     

    Hochachtungsvoll L. Irrgang, Bremen

     


     

    Dem ist nichts hinzufügen außer: Vielen Dank Herr Irrgang

     

    7. Jan. 2008

    Ab sofort veröffentlichen wir hier auch auch Leserbriefe, die Leser des Skepticker an Zeitschriften oder auch an TV-Stationen geschickt haben. Sendet einfach euren Brief auch an info (at) skepticker.org und bitte vergesst nicht uns mitzuteilen ob ihr die Veröffentlichung anonym oder namentlich wünscht.

    Den Anfang macht Herr Irrgang aus Bremen, der sich zu einem Artikel hier über ‘Kinder und Religion’ in Ökotest äußert.

    5. Jan. 2008

    Telepolis recherchiert die Hintergründe des vermeintlich größten Kinderporno-Skandals.  Alles nur heiße Luft? 

     Der angeblich “riesige Kinderporno-Skandal” unter dem Code-Namen “Operation Himmel” hat sich als Operation Heiße Luft erwiesen. Das Reizwort “Kinderpornografie” verführt deutsche Medien häufig zu einer kruden Mixtur aus Halbwahrheiten, urbanen Märchen und glatten Falschmeldungen
    Bei hoch emotionalisierten Themen wie “Kinderpornografie bei [bitte selbst ausfüllen]” werden journalistische Standards oft genug missachtet. Man sollte erst etwas publizieren, wenn man die Fakten überprüft hat. Das Statement eines Polizei- oder Justizpressesprechers ist keine Tatsache, die man ohne weitere Recherche einfach übernehmen könnte. Das hat sich jetzt bei der Operation “Himmel” wieder bewiesen: Viel heiße Luft und wenig dahinter.

    Die umfangreiche Berichterstattung über die Vorfälle gehen auf einige ganz wenige Meldungen zurück, von denen eine inzwischen dementiert sei (Provider habe Polizei eingeschaltet wegen auffällig hohen Transferraten) eine weitere als Missverständnis  herausgestellt habe. Telepolis-Autor Burkhard Schröder macht in seinem Artikel auf weitere Ungereimtheiten in der medialen Darstellung aufmerksam. Richtig stichhaltiges Material hat Schröder zwar nicht aufzubieten, aber auch bei Reizworten wie Kinderpornographie sollten wir wachsam bleiben und nicht alles ungeprüft für wahr halten.

    4. Jan. 2008

    Der Schutz der Privatsphäre in Deutschland hat sich innerhalb nur eines Jahres nach Einschätzung der Organisation Privacy International drastisch verschlechtert.

    2006, als das Ranking erstmals erstellt wurde, lag Deutschland noch in der zweithöchsten Kategorie (wirksamer Schutz vor Missbrauch) und damit weltweit auf dem ersten Platz. Inzwischen hat sich die Situation drastisch verändert. So seien Fingerabdruck in Personalausweisen und etwa die Möglichkeiten Telefongespräche abzuhören seien erheblich ausgeweitet worden, wobei Deutschland eines der Länder mit den höchsten Abhörraten europaweit sei.

    Von den 47 untersuchten Ländern gingen die Bestnoten an: Griechenland, Rumänien und Kanada, die Privatsphäre sei außerdem auch in Luxemburg, Portugal, Slowenien und Ungarn besser zu bewerten als in Deutschland. Klassenschlechteste sind unter anderen die USA, Großbritannien, Russland und China, die als “endemische Überwachungsstaaten” bezeichnet werden.

    Simon Davies, Direktor von Privacy International:

    Der allgemeine Trend geht dahin, dass die Privatsphäre Land für Land ausgelöscht wird. Selbst diejenigen Länder wie Deutschland und Kanada, bei denen wir weiter einen starken Schutz der Privatsphäre erwartet haben, versinken im Sumpf.

    The 2007 International Privacy Ranking

    4. Jan. 2008

    Die Edge-Foundation ist ein informeller Zusammenschluss von Intellektuellen, die Antworten auf gesellschaftliche wichtige Fragen zu finden versuchen. Zu jedem Jahreswechsel stellt ihr Koordinator, der Verleger John Brockman, die Mitglieder vor eine besonders knifflige Frage.

    Bisherige Fragen lauteten “Wobei sind ist optimistisch?” (2007), “Was war ihre gefährlichste Idee?” (2006), “Was halten sie für wahr, obwohl sie es nicht beweisen können?” (2005)

    Die Frage diesen Jahres lautet:

    Wenn Denken Ihre Meinung verändert, dann ist das Philosophie.
    Wenn Gott Ihre Meinung verändert, dann ist das Glaube.
    Wenn Fakten Ihre Meinung verändern, dann ist das Wissenschaft.
    Zu welchem Thema haben Sie Ihre Meinung geändert und warum?

    Über 150 Äußerung gibt es bisher, zum Großteil von Wissenschaftlern, teils mit sehr persönlichen teils mit sehr fachspezifischen Antworten. Richard Dawkins weist in seinem Beitrag auf den ungewöhnlichen Umstand hin, dass Irrtümer bei Wissenschaftler ein biographisches Must-Have seien, weil man sonst von Engstirnigkeit und Dogmatismus ausgehe, während Politiker beinahe alles tun müssten, um den Eindruck zu vermeiden sie seien Fähnchen im Wind. Sam Harris gibt zu früher einmal daran geglaubt zu haben dass Mutter Natur es gut mit uns Menschen meine. Thomas Metzinger schildert wie er zur Einsicht gelang,te dass es keine moralischen Wahrheiten gebe, Michael Shermer schildert seine Tranformation vom (soziologischen) Behavioristen zum (evolutionären) Deterministen und Anton Zeilinger glaubte früher seine Forschungsarbeit (zur Quantenphysik) sei ebenso “nutzlos” wie eine Beethoven-Symphonie.

    21. Dez. 2007

    Wir berichteten schon über die BMI-Studie zur Gewaltbereitschaft und Demokratieakzeptanz unter den in Deutschland lebenden Muslimen.

    Ausgerechnet die konservative Welt verweigert sich der allgemeinen Panikmache und stimmt einen gemäßigten Ton an:

    Schäuble verteidigt Muslime vor Gewaltverdacht

    Jeder vierte junge Anhänger des Islam ist zu Gewalt gegen Andersgläubige bereit. So lautet ein Ergebnis einer neuen Studie aus dem Innenministerium, die für Aufregung sorgte. Wolfgang Schäuble relativierte jetzt die Interpretation. Muslime in Deutschland seien insgesamt friedlich.

    Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hält die Muslime in Deutschland insgesamt für friedlich und gut integriert. Die große Mehrheit von ihnen sei nicht gewaltbereit, erklärte sein Sprecher Stefan Kaller am Freitag in Berlin. Er relativierte damit die Interpretation einer neuen Studie zu Einstellungen der Muslime in Deutschland.

    [...]

    In der Studie stecke aber auch eine „gute Botschaft“, nämlich dass die allermeisten Muslime froh seien, in einem demokratischen Staat zu leben, sagte Kaller.

    [...]

    Auch der Bielefelder Soziologe Jürgen Mansel warnte in der „Berliner Zeitung“ vor Fehlinterpretation der Ergebnisse. „Es gibt keine Hinweise, dass es unter Moslems oder Zuwanderern eine höhere Gewaltbereitschaft gibt als unter anderen Gruppen in Deutschland“, sagte er. Auch die Demokratiefeindlichkeit sei unter Islamanhängern nicht weiter verbreitet als unter Nicht-Muslimen.

    20. Dez. 2007

    gesund_gluecklich_spiegelIm aktuellen Spiegel-Special Heft “Gesund und Glücklich” darf Autor Peter Seewald sich über die heilsame Kraft des Glaubens auslassen. Seewald ist , wie man etwa dem (übrigens ganz erstaunlichen in der Hauptsache vom Autor ‘Bene16‘ verfassten) Artikel bei Wikipedia entnehmen kann, durchaus ein ausgewiesener Experte in Glaubensbelangen. Auch seine zahlreichen Veröffentlichungen “Salz der Erde“, “Benedikt XVI. Ein Porträt aus der Nähe” oder Benedikt XVI. Leben und Auftrag” deuten darauf hin, dass er einen mehr als durchschnittlichen Bezug zur katholischen Kirche hat. Nun bedeutet ja die Weltanschauliche Ausrichtung eines Autors nicht zwingend, dass sein journalistisches Wirken ausschließlich von eben dieser Weltanschauung beeinflusst oder gar diktiert wird. Auch die Macher des Heftes verschweigen nicht aus welcher weltanschaulichen Ecke der Autor stammt. Wie in solchen Heften üblich wird er zu Beginn des Artikels kurz vorgestellt:

    Peter Seewald, 53. Verfasser mehrerer Gesprächsbücher mit Kardinal Joseph Ratzinger (dem jetzigen Papst Benedikt XVI.), ist Herausgeber der sechsbändigen “Bibliothek der Mönche“. Zuletzt erschien von ihm “Kult“, eine Sammlung von Kuriositäten und Besonderheiten aus 2000 Jahren christlicher Kultur.

    Der Titel des Artikels lautet “Die Homöopathie Gottes” und einen kleinen Augenblick lang ist man geneigt auf einen aufklärerisch-skeptischen Beitrag zu hoffen, schließlich ist es wohl bekannt, dass kein über Placebo hinausgehender Heileffekt der Homöopathie feststellbar ist. Man fragt sich, ob der Autor hier eine ganz subtile Form von Religionskritk anbringen möchte: Gott als Ober-Homöopath, der Hahnemanns Ähnlichkeitsprinzip (Simile) folgend, das Böse bekämpft, in dem er das Böse selbst in ganz kleinen Dosen (Religion) in die Welt setzt? Pfarrer und sonstige Lakaien, die Gottes homöopathische Medizin in einem für Laien kaum nachvollziehbaren Prozedere (Theologie) solange potenzieren - also verdünnen - bis das kleinste Fitzelchen “Wirkstoff” verflüchtigt ist. Aber dann, Nein. Doch nicht, leider zu früh gefreut. Wäre ja auch zu schön gewesen. Schon der Teaser belehrt uns in fetten Lettern eines Besseren: Den ganzen Beitrag lesen …

    20. Dez. 2007

    Viele junge Muslime neigen zur Gewalt” titelt der Focus unter Berufung auf eine Studie im Auftrag des Inneministeriums. Wie viel sind denn viel, fragt man sich unwillkürlich und schreitet zur Lektüre:

    Diese Frage - so scheint es - möchte der Focus aber dann doch nicht beantworten:

    … Jeder vierte junge Muslim zu Gewalt gegen Andersgläubige bereit.

    … 40 Prozent seien „fundamental orientiert“.

    … sechs Prozent werde als „gewaltaffin“ eingestuft.

    … Immerhin 14 Prozent stünden mit der Rechtsstaatlichkeit auf Kriegsfuß und zeigten eine problematische Distanz zur Demokratie.

    … Zwölf Prozent identifizierten sich mit einer stark religiös-moralischen Kritik an westlichen Gesellschaften, kombiniert mit der Befürwortung von Körperstrafen bis hin zur Todesstrafe.

    Das ergibt Summa summaraum - nun ja - offensichlich kein einheitlich Bild, außer natürlich für einen Innenminister, von dem allerdings nicht bekannt ist, ob es überhaupt irgendetwas gibt, das von ihm als frei von Bedrohungspotenzial angesehen würde. Den ganzen Beitrag lesen …

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