• SkepTicker.org

  • Kategorien

  • Archiv

  • Meta

  • 12. Feb. 2008

    WürfelzuckerBlogger werden ja häufig von professionellen Journalisten belächelt; unter anderem, weil Blogger selten selbst recherchieren und ihre Behauptungen nicht überprüfen. Mit der gewissenhaften Recherche der renomierten Presse scheint es aber auch nicht weit her zu sein.

    Aktuell berichten Spiegel-Online, Focus-Online, MensHealth, Telepolis, Krone.at und andere mit der Schlagzeile “Süßstoffe machen dick!” über eine Studie von Susan Swithers und Terry Davidson der Purdue University. Gezeigt wurde, dass Ratten, denen man Süßstoffe verabreichte, Heißhunger bekamen und so insgesamt mehr Kalorien zu sich nahmen, als durch die Süßstoffe ersetzt wurden.

    Niemand in den betreffenden Redaktionen hielt es offenbar für notwendig drei Minuten ihrer Zeit darauf zu verwenden, um per Google Scholar nach weiteren Studien zu suchen. Die Fragestellung wurde, wer hätte das gedacht, bereits am Menschen selbst erforscht. Diese Metaanalyse über 15 solcher Studien kam beispielsweise zum Ergebnis, dass Menschen nur ein Drittel der Energie des eingespaartes Zuckers durch größere Mengen sonstiger Nahrung ersetzen. Netto bleiben also zwei Drittel an Kaloriendefizit übrig. Bei Softdrinks wird sogar nur 15% ersetzt. Dh. Wer Cola-light trinkt, spart jede Menge ein.

    Ein anderes Beispiel wäre die Primärstudie der American Society for Clinical Nutrition zum Thema.

    Zwei Gruppen von übergewichtigen Menschen wurde ein Nahrungsergänzungsmittel (mit Zucker bzw. Süßstoffen) gegeben, das sie zusätzlich essen sollten. Die Süßstoff-Gruppe nahm ab, die andere zu.

    Demnach dürfte es möglicherweise sogar reichen, Süßstoffe in irgendeiner Form zu sich zu nehmen. (Z.b. im Tee) und man müsste alleine dadurch leicht an Appetit verlieren.

    Ich schließe also: Süßstoffe machen nicht dick!

    5. Jan. 2008

    Telepolis recherchiert die Hintergründe des vermeintlich größten Kinderporno-Skandals.  Alles nur heiße Luft? 

     Der angeblich “riesige Kinderporno-Skandal” unter dem Code-Namen “Operation Himmel” hat sich als Operation Heiße Luft erwiesen. Das Reizwort “Kinderpornografie” verführt deutsche Medien häufig zu einer kruden Mixtur aus Halbwahrheiten, urbanen Märchen und glatten Falschmeldungen
    Bei hoch emotionalisierten Themen wie “Kinderpornografie bei [bitte selbst ausfüllen]” werden journalistische Standards oft genug missachtet. Man sollte erst etwas publizieren, wenn man die Fakten überprüft hat. Das Statement eines Polizei- oder Justizpressesprechers ist keine Tatsache, die man ohne weitere Recherche einfach übernehmen könnte. Das hat sich jetzt bei der Operation “Himmel” wieder bewiesen: Viel heiße Luft und wenig dahinter.

    Die umfangreiche Berichterstattung über die Vorfälle gehen auf einige ganz wenige Meldungen zurück, von denen eine inzwischen dementiert sei (Provider habe Polizei eingeschaltet wegen auffällig hohen Transferraten) eine weitere als Missverständnis  herausgestellt habe. Telepolis-Autor Burkhard Schröder macht in seinem Artikel auf weitere Ungereimtheiten in der medialen Darstellung aufmerksam. Richtig stichhaltiges Material hat Schröder zwar nicht aufzubieten, aber auch bei Reizworten wie Kinderpornographie sollten wir wachsam bleiben und nicht alles ungeprüft für wahr halten.

    4. Jan. 2008

    Der Schutz der Privatsphäre in Deutschland hat sich innerhalb nur eines Jahres nach Einschätzung der Organisation Privacy International drastisch verschlechtert.

    2006, als das Ranking erstmals erstellt wurde, lag Deutschland noch in der zweithöchsten Kategorie (wirksamer Schutz vor Missbrauch) und damit weltweit auf dem ersten Platz. Inzwischen hat sich die Situation drastisch verändert. So seien Fingerabdruck in Personalausweisen und etwa die Möglichkeiten Telefongespräche abzuhören seien erheblich ausgeweitet worden, wobei Deutschland eines der Länder mit den höchsten Abhörraten europaweit sei.

    Von den 47 untersuchten Ländern gingen die Bestnoten an: Griechenland, Rumänien und Kanada, die Privatsphäre sei außerdem auch in Luxemburg, Portugal, Slowenien und Ungarn besser zu bewerten als in Deutschland. Klassenschlechteste sind unter anderen die USA, Großbritannien, Russland und China, die als “endemische Überwachungsstaaten” bezeichnet werden.

    Simon Davies, Direktor von Privacy International:

    Der allgemeine Trend geht dahin, dass die Privatsphäre Land für Land ausgelöscht wird. Selbst diejenigen Länder wie Deutschland und Kanada, bei denen wir weiter einen starken Schutz der Privatsphäre erwartet haben, versinken im Sumpf.

    The 2007 International Privacy Ranking

    4. Jan. 2008

    Die Edge-Foundation ist ein informeller Zusammenschluss von Intellektuellen, die Antworten auf gesellschaftliche wichtige Fragen zu finden versuchen. Zu jedem Jahreswechsel stellt ihr Koordinator, der Verleger John Brockman, die Mitglieder vor eine besonders knifflige Frage.

    Bisherige Fragen lauteten “Wobei sind ist optimistisch?” (2007), “Was war ihre gefährlichste Idee?” (2006), “Was halten sie für wahr, obwohl sie es nicht beweisen können?” (2005)

    Die Frage diesen Jahres lautet:

    Wenn Denken Ihre Meinung verändert, dann ist das Philosophie.
    Wenn Gott Ihre Meinung verändert, dann ist das Glaube.
    Wenn Fakten Ihre Meinung verändern, dann ist das Wissenschaft.
    Zu welchem Thema haben Sie Ihre Meinung geändert und warum?

    Über 150 Äußerung gibt es bisher, zum Großteil von Wissenschaftlern, teils mit sehr persönlichen teils mit sehr fachspezifischen Antworten. Richard Dawkins weist in seinem Beitrag auf den ungewöhnlichen Umstand hin, dass Irrtümer bei Wissenschaftler ein biographisches Must-Have seien, weil man sonst von Engstirnigkeit und Dogmatismus ausgehe, während Politiker beinahe alles tun müssten, um den Eindruck zu vermeiden sie seien Fähnchen im Wind. Sam Harris gibt zu früher einmal daran geglaubt zu haben dass Mutter Natur es gut mit uns Menschen meine. Thomas Metzinger schildert wie er zur Einsicht gelang,te dass es keine moralischen Wahrheiten gebe, Michael Shermer schildert seine Tranformation vom (soziologischen) Behavioristen zum (evolutionären) Deterministen und Anton Zeilinger glaubte früher seine Forschungsarbeit (zur Quantenphysik) sei ebenso “nutzlos” wie eine Beethoven-Symphonie.

    3. Dez. 2007

    Seit Jahrzehnten unternehmen Katholiken Anstrengungen um moderner zu wirken. Der neueste Coup in dieser Sache scheint Gloria.tv zu sein. Es handelt sich um ein Youtube-ähnliches Videoportal, das von Moldavien aus betrieben wird.

    Religionsfern aufgewachsene Menschen, die dem Hype von der Wiederkehr der Religion auf dem Leim gegangen sind und sich in ihrer Sinnsuche von der katholischen Kirche Antworten erhoffen, können sich auf diesem Video-Portal gleich mal eine kalte Dusche zur Abschreckung holen. 90% der bisherigen Videos bestätigen jedes Klischee, das katholische Vorzeige-Talkshow-Gäste vehement abstreiten würden. Im Gegensatz zu so manchen Bischöfen, die die Höllenandrohung im Streitgespräch mit Atheisten pragmatischerweise verleugnen, gehören auf Gloria.tv beispielsweise Teufel und Hölle ganz traditionell dazu.

    Manche Videos geben Rätsel auf. Das Folgende stammt von einem österreichischen Pfarrer und Religionslehrer, der sich selbst pfaffenheini nennt, die Webseite www.exorzismus.net betreibt und zum Thema Exorzismus schon öfters im österreichischen Fernsehen zu bewundern war. Offenbar könnte der Mann nun selbst einen guten Teufelsaustreiber gebrauchen. Anzeichen für Besessenheit, wie Gebrabbel von unverständlichem Kauderwelsch oder die Verwendung von Fremdsprachen, die der Betroffene offensichtlich nicht beherrscht, sind jedenfalls reichlich vorhanden.


    Originalvideo auf Gloria.tv

    12. Nov. 2007

    Der Mainzer Philosoph Professor Thomas Metzinger in einer dreiteiligen Reihe auf SWR2 Aula über das Bewusstein. Ein sehr hörens- und/oder lesenswerter Beitrag.

    Teil 1:

    • Keine andere Teildisziplin der Philosophie hat in den letzten Jahrzehnten eine so stürmische Entwicklung durchlaufen wie die Philosophie des Geistes. Die aktuelle Diskussion konzentriert sich dabei auf die Frage, was ist das phänomenale Bewusstsein, wie kann man es aus philosophischer Sicht beschreiben, aus welchen Elementen setzt es sich zusammen. Außerdem finden es ja viele Menschen aufregend und mysteriös zugleich. Thomas Metzinger, Professor für Philosophie an der Gutenberg-Universität in Mainz, fragt im ersten Teil, warum das Bewusstsein für Philosophen ein Rätsel ist.
    • Teil 1: anhören (mp3 28:46 min), Script herunterladen (rtf, 62kB)

    Teil 2:

    • Nichts scheint uns so nah zu sein wie das eigene Bewusstsein, unsere Sinnesempfindungen, Gefühle und Gedanken sind uns auf sehr direkte Art gegeben, sie gehören auf untrennbare Weise zu unserer Identität. Dennoch gibt es Gefühle, die wir uns nicht erklären können, es gibt Gedanken über Menschen und die Welt, die wir im Rückblick revidieren müssen, die auf Irrtümern basierten, und es bleibt immer die Frage, ob unser Bewusstein auch die äußere Welt adäquat widerspiegelt. Was ist die Farbe Grün, die ich gerade beim Anblick eines Blatts empfinde, ist das nur ein subjektives Phänomen? Thomas Metzinger, Professor für Philosophie an der Gutenberg-Universität in Mainz, beschreibt im zweiten Teil das phänomenale Bewusstsein mit seinen Inhalten.
    • Teil 2: anhören (mp3 29:07 min), Script herunterladen (rtf, 51kB)

    Teil 3:

    • Das Problem des Bewusstseins besteht aus einem ganzen Bündel theoretischer und empirischer Fragestellungen. Es gibt jedoch ein Kernproblem, eine wichtige Frage: Was genau bedeutet es eigentlich, wenn man sagt, dass Bewusstsein ein subjektives Phänomen ist? Jeder Mensch verfügt über eine Innenperspektive, die kein anderer Mensch nachvollziehen kann und die auf untrennbare Weise mit einem Ich-Gefühl verbunden ist. Thomas Metzinger, Professor für Philosophie an der Universität Mainz, beschreibt im letzten Teil seiner Reihe über das Bewusstsein das Rätsel der Subjektivität anhand aktueller Beispiele aus der Hirnforschung.
    • Teil 3: anhören (mp3 29:08 min), Script herunterladen (rtf, 72kB)

    Homepage der Sendung auf dem SWR2 Portal

    9. Nov. 2007

    Eine weitere Blogempfehlung:

    Der Journalist Stefan Niggermeyer in seinem Blog über die Anti-Islam-Seite “Politically Incorrect”. Den aktuellen Beitrag “Factually Incorrect (3)” über PI beginnt Niggermeyer mit den Worten:

    Was mich fasziniert an dem islamfeindlichen Blog „Politically Incorrect” und ähnlichen Seiten: Wie jede Falschmeldung ihre Glaubwürdigkeit noch erhöht.

    Diese Paradoxie beruht auf dem Ur-Mythos der Seite, der sich schon im Namen ausdrückt: der Annahme, dass die etablierten Massenmedien uns ausgerechnet die vitalen Informationen vorenthalten und die Wahrheit im Zweifelsfall nur auf „PI” steht.

    Den ganzen Beitrag lesen …

    6. Nov. 2007

    Gastbeitrag vom Ex-PI Autor von Wichtingen auf dem Blog Ramon-Schack.de:

    Herr v. Wichtingen, ich gratuliere Ihnen zu dieser Entscheidung. Sie haben das Richtige getan.Herzlichen Glückwunsch!Vielen Dank auch für Ihre offenen und mutigen Worte.Hoffen wir gemeinsam das auch andere (noch)PI- Mitarbeiter diesen Weg gehen.Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!Hoffen wir auch das Stefan Herre -endlich- das moralische Scheitern, gemessen an den eigenen Ansprüchen, seines Projektes erkennt. Noch ist es nicht zu spät.

    Ich habe einen Fehler gemacht

    Ja ich gebe es zu: ich habe als Autor bei PI Artikel geschrieben, die ich heute nicht mehr schreiben würde. Ich habe viel zu spät bemerkt, dass ich mit meinen Artikeln nicht dazu beitrage, unsere Welt besser zu machen – im Gegenteil.

    Ich hätte viel eher merken sollen, dass ich nicht das Richtige tue. Dies tut mir leid.

    Weiterlesen im Original

    5. Okt. 2007

    Neu und jetzt in besserer Qualität:
    Eine beeindruckende Dokumention über Kirchenkritiker Karlheinz Deschner entlarvt seine Gegner aus den Reihen der Kirchen. Diese Arbeit der Filmemacher Ricarda Hinz und Jacques Tilly, von den Medien des Mainstream bisher nie gezeigt, kann endlich ein breites Publikum erreichen.

    Den ganzen Beitrag lesen …

    25. Sep. 2007

    Fernsehcasting der katholischen Fernseharbeit

    Ganz ohne Beteiligung von Herrn Bohlen und der anderen üblichen Verdächtigen von RTL wird zur Einsendung selbstgedrehter Filme mit mindestens 1-3 minütiger Verkündigungsrede aufgerufen:

    Die Katholische Fernseharbeit in Frankfurt sucht fernsehtaugliche Kleriker und Laien, die in TV-Talkshows Rede und Antwort stehen oder selbst Verkündigungsbeiträge im Fernsehen präsentieren. Damit reagiert die Einrichtung der Deutschen Bischofskonferenz auf steigende Anfragen verschiedenster Fernsehsender nach geeigneten Studiogästen aus der Katholischen Kirche.
    Priester, Ordensleute oder Laien, die sich in der Fernseharbeit engagieren möchten, können ab sofort ein selbst gedrehtes Video einreichen oder von anderen Personen vorgeschlagen werden. Einsendeschluss ist der 30. November 2007.
    Die Katholische Fernseharbeit erwartet einen mit Handy oder professioneller Kamera gedrehten Film, der ca. 1-3 Minuten frei gesprochene Verkündigungsrede zeigt. Es darf sich dabei zum Beispiel auch um die live aufgezeichnete Sonntagspredigt handeln, durch die Gemeindemitglieder ihren Pfarrer vorschlagen können. Achtung: das Einverständnis der gefilmten Personen ist immer vorab einzuholen! Der Jury kommt es nicht auf den perfekten Film an, sondern auf die Person darin.

    Den ganzen Beitrag lesen …

    vor »