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  • 26. Mai. 2009

    Beim nächtlichen Zappen druch die Programme stolperte ich zufällig über die NDR-Talkshow 3 nach 9, in der Jusuf Islam aka Cat Stevens seine neue CD promoten durfte. Wenngleich “3 nach 9″ nicht gerade für investigative Interviews bekannt ist, musste der Ex-Barde sich einigen kritischen Fragen stellen. Ein anderer Talkgast, Ranga Yogeshwar, tat sich dabei mit kritischen Fragen zur Stellung der Frau im Islam, wie man im Cliparchiv des NDR sehen kann.

    Leider versäumte man es den Musiker und Konvertiten mit einer Äußerung aus dem Jahr 1989 zu konfrontieren. In einer Sendung, die von British Granada Television ausgestrahlt wurde, hatte er sich auf folgende Weise zur Fatwa gegen Salman Rushdie geäußert. Zum Verständnis: In dieser Sendung “Hypotheticals” werden die Gäste vom Moderator Robertson mit hypothetischen Szenarien konfrontiert, in diesem Fall wie Jusuf Islam es mit der Einhaltung der Todesfatwa gegen Salman Rushdie halten würde:

    Robertson: You don’t think that this man deserves to die?
    Y. Islam: Who, Salman Rushdie?
    Robertson: Yes.
    Y. Islam: Yes, yes.
    Robertson: And do you have a duty to be his executioner?
    Y. Islam: Uh, no, not necessarily, unless we were in an Islamic state and I was ordered by a judge or by the authority to carry out such an act - perhaps, yes.

    [Some minutes later, Robertson on the subject of an protest where an effigy of the author is to be burned]

    Robertson: Would you be part of that protest, Yusuf Islam, would you go to a demonstration where you knew that an effigy was going to be burned?
    Y. Islam: I would have hoped that it’d be the real thing


    Download Yusuf Islam Salman Rushdie- Video

    Nachtrag: Dieses Video war jahrelang auf Youtube zu finden. Jetzt steht dort:

    Dieses Video ist aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von Yusuf Islam nicht mehr verfügbar.

    Stellt sich die Frage inwiefern Jusuf Islam Urheberrecht an einer Sendung im British Granada TV erwerben kann.

    30. Jan. 2009

    Jesus Camp

    Die Dokumentation der US-amerikanischen Regisseurinnen Rachel Grady und Heidi Ewing über ein evangelikales Sommerlager für Kinder in deutscher Synchronisation.

    Uewe Schmitt, Die Welt

    Sie beten zu Gott, Bush und Amerika

    Eine Dokumentation spaltet die USA. Kinder beten wie in Ekstase, während ihnen die Priesterin zuruft: „Das ist Krieg! Seid ihr Teil davon oder nicht?“ Ein Ausflug in eine amerikanische Parallelwelt.

    „Steht auf!“ schreien die kleinen Jungs in den Tarnfarbenuniformen, die in Tanzformation dreizackartige Waffen wirbeln. „Folgt der Prophezeiung!“, singen sie und schleudern glühende Blicke gegen ihre Eltern im Publikum, denen vor Stolz die Augen feucht werden.

    Die Chöre erinnern an Pink Floyds Verweigerungskids und ihre 80er-Jahre-Hymne „We Don´t Need No Education“. Die religiöse Ekstase gemahnt eher an Jugendfreizeiten von fanatischen Islamisten. Doch hier tanzt nicht der Nachwuchs der Hisbollah, sondern der Kindergottesdienst der „Christ Triumphant Church“ im amerikanischen Mittelwesten. Und wenn Pastor Becky Fisher ihren Lämmchen zuruft „Das ist Krieg! Seid ihr Teil davon oder nicht?“ und ein jauchzendes „Yeah!“ anstößt, können nur böse Menschen Schlechtes denken. Nicht wahr?

    “Ein Angriff auf charismatische Christen”

    Die Szenen stammen aus „Jesus Camp“, einem Dokumentarfilm von Heidi Ewing und Rachel Grady, der Ende September in die Programmkinos einiger US-Metropolen kam und mehr Debatten als Dollars erntet. Linke, säkulare und durchaus fromme Liberale empörten sich über die im Film gezeigte Indoktrinierung von Kindern durch „wiedergeborene“ Evangelikale in Kirchencamps, beim „home schooling“ durch Eltern, die das gottlose Schulsystem boykottieren, beim Missonieren durch andere Kinder. Die Gegenseite fühlte sich beleidigt und diffamiert durch den 85 Minuten langen Film, der auf jede Narration und jeden offenen Kommentar von Ewing und Grady verzichtet.

    Reverend Ted Haggard, Präsident der „National Association of Evangelicals“ mit direktem Zugang zum Weißen Haus, fand sich schlecht getroffen. „MovieGuide Web“, die Webseite eines gewissen Ted Baehr, der Filme nach „biblischen Prinzipien“ bewertet, schimpft über „einen sehr negativen, gemeinen Angriff auf charismatische Christen. Es wurden die denkbar übelsten Szenen benutzt, die sie drehen konnten.“

    “Wir haben die Wahrheit”

    Mit etwas mehr Gelassenheit lässt sich „Jesus Camp“ von Anhängern beider Lager als ein lehrreicher Film betrachten, der keine Partei ergreift, sondern Wirklichkeit in Amerika zeigt. Für viele der rund 80 Millionen Evangelikalen in den USA (bei weitem nicht für alle) ist nichts Anstößiges an Pastor Fishers Überzeugung, dass die Sehnsucht von Kindern nach dem Übersinnlichen und ihre Begeisterungsfähigkeit für den Weg zu Jesus genutzt müssen. Fisher, eine fettleibige blonde Frau Mitte 40 von beträchtlichem Charme und Sinn für Humor, bewundert offen die Indoktrinierung blutjunger Muslime. Nicht das Ergebnis, aber das Fischen nach Kinderseelen: „Wir haben die Wahrheit“, sagt sie und entschuldigt sich nicht dafür. Und sie weiß, wie sie in ihrem „Bible Camp“ am Devil´s Lake im ländlichen North Dakota die Kinder zum Go-kart-Fahren wie zum Beten bekommt. Es wird in Zungen gesprochen, manche Kinder winden sich in Trance, tränen überströmt, selig, „von Gott berührt“. Ein lebensgroßer Pappkamerad, der eine Photokopie von George W. Bush ist, wird gesegnet. Der Präsident habe sich um die Evangelikalen verdient gemacht, meint Pastor Becky Fisher.

    read on, my dear

    Weitere Links:

    http://ibka.org/node/702

    Wikipedia

    http://de.wikipedia.org/wiki/Jesus_Camp

    Ted Haggard: Der Pastor, der Stricher und der junge Gläubige

    Ein bekannter evangelikaner Pfarrer hatte nicht nur Sex mit einem Stricher. Er belästigte auch ein junges Mitglied seiner Kirche. Artikel in der Basler Zeitung (28.01.09)

    ——————————————————————————

    Jesus Camp auf Deutsch:

    [youtube 9Kt5jnJLLnA]

    [Teil 2] [Teil 3] [Teil 4] [Teil 5] [Teil 6]

    Die Dokumentation im englischsprachigen Original auf:

    Google Video [1h 24min]

    30. Jan. 2009

    WDR-Dokumentation über die Tochter eines Milli Görüş-Funktionärs.

    Bis zu ihrem 44. Lebensjahr galt Emel Abidin Algan als Vorzeigemuslimin, lebte in einer arrangierten Ehe, bekam sechs Kinder und arbeitete in islamischen Organisationen mit. Dann, vor einem Jahr, beschloss sie, ihr Leben von Grund auf zu verändern. Ihre Thesen sorgen für Schlagzeilen.

    Ist diese Frau verrückt geworden? Emel Abidin Algan hat das Kopftuch abgelegt, glaubt nicht mehr, dass es Allah ist, der sie verschleiert sehen will. Die 45-jährige Muslimin ist keine Unbekannte. Sie ist die Tochter des Vordenkers der Milli Görüs-Organisation in Deutschland. Diese streng religiöse Gruppierung wird seit langem schon vom Verfassungsschutz beobachtet.

    die story enthüllt Alltägliches aus einer Parallelwelt mitten in Deutschland.        Eine  Welt, in der sich etwa die türkische Lehrerin Senay L. die Frage gefallen lassen muss, “ob sie sich nicht schämt, ohne Kopftuch rumzulaufen?!” Schon in der fünften Klasse kommen ihre Schülerinnen “bedeckt” zum Unterricht. “Die Eltern bekommen dafür Geld von der Moschee”, sagt die Lehrerin. Die Jungs in ihrer Klasse weigern sich, kurze Turnhosen anzuziehen, weil das als unislamisch gilt. Auch der Kuchen, den die Lehrerin mitgebracht hat, wird abgelehnt. Er könnte Schweinefett, den “Kot des Teufels” enthalten. Stück für Stück entfremden sich unter dem Einfluss islamischer Hardliner nicht nur die Schüler von der deutschen Gesellschaft. Ein Prozess, der nicht aufhaltbar erscheint. Gegen diesen Prozess kämpft die “verrückte” Emel Abidin Algan an.

    Repost von Lernzeit:http://www.lernzeit.de/sendung.phtml?detail=705743

    Teil 1/5 der Dokumentation:

    [youtube q6xXZ2cKk7k]

    Teil 2

    Teil 3

    Teil 4

    Teil 5

    25. Nov. 2008

    Dank WAZ-Kirchenredakteurin Angelika Wölk kam Robert Zollitsch, seines Zeichens Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, mal wieder anlasslos mit einem Aufmacherartikel auf die Titelseite der größten deutschen Regionalzeitung.

    Im Interview im Innenteil schwafelt man sich gegenseitig über Wirtschaftskrise, Gier und Moral zu. Gier kennt die Kirche nicht, weil sie ja bekanntlich zu den „Hauptsünden“ gehöre. Äh.. die Gier natürlich. Aber mit Moral kann der gute Zollitsch schon mehr anfangen:

    Es muss uns erschüttern, dass die Armut immer größer wird. Für die Kirche ist das immer auch Verpflichtung zu helfen. Ganz konkret: Die Bistümer verwalten im Verband der Diözesen Deutschlands einen gemeinsamen Haushalt von rund 140 Millionen Euro. In jedem Jahr geht davon die Hälfte in die dritte Welt und kommt damit den Menschen in ärmeren Ländern zugute.

    Was für ein „Haushalt“ das sein soll, bleibt für Nicht-Kirchenexperten leider im Dunkeln. Auf der Website der Deutschen Bischofskonferenz firmiert er unter dem wenig sagenden Punkt “Weltkirche und Mission“. Keineswegs handelt es sich - wie der Laie vielleicht denken könnte - um den Gesamtetat der Katholischen Kirche in Deutschland, denn der ist um ein Vielfaches höher: Im Jahre 2004 betrugen die Kirchensteuereinnahmen im katholischen Säckel satte 4 Milliarden Euro!

    Herr Zollitsch weist also stolz darauf hin, dass man (Spenden noch nicht eingerechnet?) 70 Millionen von 4 Milliarden in die Dritte Welt überwiesen habe. Das sind – achtung, festhalten! – satte 1,74 Prozent der Kirchensteuereinnahmen 2004! Ob diese Freigiebigkeit reicht, damit das katholische Kamel durchs Nadelöhr gelangt?

    Abgesehen davon handelt es sich bei den kirchlichen Drittwelt-Hilfen vor allem um Hilfe unter Mitgliedern derselben Organisation sowie Maßnahmen, die der Mission dienen. Ein Schelm wer denkt, dass damit ausschließlich die Reisschüsseln hungernder Kinder gefüllt werden würden. Bei einem Teil der Mittel der kirchlichen Entwicklungshilfe handelt es sich darüber hinaus sogar um Zuschüsse vom Staat. Denn der schiebt einen Teil seiner Entwicklungshilfe an die Kirche zur Verteilung weiter.

    Für Menschen, die sich nicht für dumm verkaufen lassen wollen, möchten wir folgende Alternativrechnung zur Verzehnfachung der Spendengelder für Menschen in der „Dritten Welt“ aufmachen: Die Hälfte der katholischen Kirchensteuerzahler kündigt die Mitgliedschaft in Zollitschs Verein. Dies entspricht einem Kirchensteueraufkommen von rd. 2 Milliarden Euro. Abzüglich der staatlichen Zuschüsse zum Kirchensteueraufkommen (etwas mehr als ein Drittel), bleiben rd. 1,35 Milliarden potenzielle Spendeneuro. Wird davon tatsächlich nur jeder zweite Euro auch wirklich an weltanschaulich neutrale Hilfsorganisationen gespendet, beläuft sich die Summe immer noch auf satte 670 Millionen. Und das ist fast das Zehnfache derjenigen 70 Millionen, mit Hilfe derer sich Herr Zollitsch der christlichen Nächstenliebe schmücken möchte.

    Aber es kommt noch besser: Entschiede sich nun auch noch der Staat, die zusätzlichen Subventionen zur Aufstockung der Kirchensteuer zugunsten von konkreter Entwicklungshilfe zu streichen, kämen noch einmal 1,3 Milliarden Euro hinzu. Zusammen rund 2 Milliarden Euro für die „Menschen in den ärmeren Ländern“.

    Für die Kirche ist es immer auch Verpflichtung zu helfen?

    Herr Zollitsch, schlagen Sie ein?

    24. Sep. 2008

    Wohlwollend von der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, der (leider) einzig verbliebenen lokalen Tageszeitung in vielen Ruhrgebietsstädten, begleitet, findet in der Stadt Gelsenkirchen gerade ein skandalöser Verstoß gegen das Gebot weltanschaulicher Neutralität statt: In Zusammenarbeit mit der der Evangelischen Kirche und dem pädagogischen Institut der Evangelischen Kirche von Westfalen soll künftig im Rahmen eines zunächst auf zwei Jahre angelegten Projekts „religiöse Bildung“ in städtischen Kindertageseinrichtungen implementiert werden.

    Den ganzen Beitrag lesen …

    16. Sep. 2008

    Ein schönes Beispiel subtiler Propaganda für esoterische Pseudomedizin findet sich ausgerechnet in der aktuellen Septemberausgabe des Magazins „Journalist“, der Zeitung des Deutschen Journalisten-Verbandes. „Wenn die Stimme versagt“ ist ein Artikel über Panikattacken von Hörfunksprechern überschrieben. Die Autorin Ilona Hartmann, Redakteurin bei SWR4, hatte kürzlich eine Magisterarbeit über das Thema geschrieben und berichtet nun über die in der Branche weitgehend tabuisierten Angstzustände medienschaffender Mikrofonartisten. Bereits im Vorspann gibt sie bekannt, dass es „wirksame Therapien“ gebe, um die Panik zu bekämpfen. Welche das sind? Vor allem solche aus dem Horrorkabinett unwissenschaftlicher Heilslehren. Den ganzen Beitrag lesen …

    2. Mrz. 2008

    An tiefgreifendere Reformen sind wir ebenso gewöhnt wie an weitreichendste Vollmachten. Auch fürchterliche Pleonasmen wie der größte denkbare Super-GAU sind im politischen Sprachgebrauch allgegenwärtigst. Auch auf die immer wiederkehrenden Quantensprünge mag der Machtmensch nicht verzichten um seinen Reformwillen oder auch seine Bereitschaft zum Umdenken optimalst zu demonstrieren. Rolf Schneider (nicht zu verwechseln mit Wolf Schneider) widmete sich im Deutschlandradio nun einen weiterem Feld der politischen Sprache, der Metapher:

    Immer mal wieder ist es an der Zeit, die Sprache der aktuellen Politik zu bedenken. Wir wissen, die Demokratie, und zumal die unsere, lebt von einer medial beförderten Geschwätzigkeit bei sich verflüchtigenden Inhalten. Doch wir wollen hier keine Einzelpersonen herausstellen bei etwas, an dem sich die gesamte politische Klasse beteiligt, mehr oder weniger, von der Kanzlerin bis zum letzten Hinterbänkler in einem von 16 Landtagen.

    Metaphern sind Glückssache

    12. Feb. 2008

    WürfelzuckerBlogger werden ja häufig von professionellen Journalisten belächelt; unter anderem, weil Blogger selten selbst recherchieren und ihre Behauptungen nicht überprüfen. Mit der gewissenhaften Recherche der renomierten Presse scheint es aber auch nicht weit her zu sein.

    Aktuell berichten Spiegel-Online, Focus-Online, MensHealth, Telepolis, Krone.at und andere mit der Schlagzeile “Süßstoffe machen dick!” über eine Studie von Susan Swithers und Terry Davidson der Purdue University. Gezeigt wurde, dass Ratten, denen man Süßstoffe verabreichte, Heißhunger bekamen und so insgesamt mehr Kalorien zu sich nahmen, als durch die Süßstoffe ersetzt wurden.

    Niemand in den betreffenden Redaktionen hielt es offenbar für notwendig drei Minuten ihrer Zeit darauf zu verwenden, um per Google Scholar nach weiteren Studien zu suchen. Die Fragestellung wurde, wer hätte das gedacht, bereits am Menschen selbst erforscht. Diese Metaanalyse über 15 solcher Studien kam beispielsweise zum Ergebnis, dass Menschen nur ein Drittel der Energie des eingespaartes Zuckers durch größere Mengen sonstiger Nahrung ersetzen. Netto bleiben also zwei Drittel an Kaloriendefizit übrig. Bei Softdrinks wird sogar nur 15% ersetzt. Dh. Wer Cola-light trinkt, spart jede Menge ein.

    Ein anderes Beispiel wäre die Primärstudie der American Society for Clinical Nutrition zum Thema.

    Zwei Gruppen von übergewichtigen Menschen wurde ein Nahrungsergänzungsmittel (mit Zucker bzw. Süßstoffen) gegeben, das sie zusätzlich essen sollten. Die Süßstoff-Gruppe nahm ab, die andere zu.

    Demnach dürfte es möglicherweise sogar reichen, Süßstoffe in irgendeiner Form zu sich zu nehmen. (Z.b. im Tee) und man müsste alleine dadurch leicht an Appetit verlieren.

    Ich schließe also: Süßstoffe machen nicht dick!

    6. Feb. 2008

    Die ZDF-Sendung Forum am Freitag, dem islamischen Pendant zum Wort am Sonntag, berichtete erstaunlich offen und direkt über das islamische Eheverständnis. Die Islamwissenschaftlerin und Islamlehrerin an einer Hauptschule in Dinslaken, Kamran Safiarian Lamya Kaddor, musste allerdings sichtlich mehrmals schlucken, als sie das islamische Recht und seine Praxis in all ihrer Frauenfeindlichkeit erklärte.

    Problematisch ist allerdings die Verharmlosung der arrangierten Ehe und die Abgrenzung zur Zwangsehe. Wie wahrscheinlich ist es, dass Söhne und Töchter wirklich frei über die Auswahl ihrer Eltern entscheiden können?

    [youtube emZbVTZPwCY]

    1. Feb. 2008

    Der Antrag auf Indizierung des Kinderbuches “Wo bitte geht es zu Gott? fragte das kleine Ferkel” löste ein breites Medienecho aus, sowohl in den klassischen (sie selbst nennen sich professionelle) Medien als auch in der Welt der Blogger. Eine kleine Presseschau an Hand derer der Leser selbst entscheiden möge, wie gut professionelle Schreiber ihre Hausaufgaben machen.

    Heide Oestreich griff für die taz als erste die Meldung des Humanistischen Pressedienstes auf. Vielleicht ist ihr Artikel deshalb so erstaunlich neutral, weil Frau Oestreich vorher kaum ahnen konnte, welchen Weg das Rudel später einschlagen würde und die Rolle einer Leitwölfin für die Medienmeute wollte oder konnte sie nicht geben. Immerhin - und das muss man ihr im Lichte der anderen Beispiele hoch anrechnen - stellt sie die Stimmen beider Parteien mehr oder weniger im Wortlaut einander gegenüber. Passagen aus dem Indizierungsantrag des BMFJS erscheinen in gleichem Umfang wie Autoren und Verleger. Eine eigene Meinung zum Vorfall hat sie indes nicht. Einigermaßen bemerkenswert, geht es hier doch immerhin um die Frage ob ein Kinderbuch antisemitische Stereotype verbreitet oder ob sich hinter diesem Vorwurf Zensurabsichten, mit dem Ziel berechtigte Religionskritik zu desavouieren, verbergen. Eine Frage zu der man eigentlich eine Meinung haben sollte. Und unabhängig davon wie man diese Frage beantwortet, sollte man diese Antwort nicht verschweigen, schon gar nicht wenn man Gelegenheit (und Auftrag?) hat, diese seine Meinung in einem Medium wie der taz kund zu tun. Einen Hauch Subversivität gönnt Frau Oestreich sich noch am Ende ihres Artikels, in dem sie die Leser darauf hinweist, dass dass das noch nicht indizierte Buch noch käuflich zu erwerben sei

    Die angeblich jugendgefährdende Religionsfeindlichkeit des Buchs ist übrigens dem Buchdienst Amazon noch gar nicht aufgefallen: Dort wird das Werk unter “Religiöse Kinderbücher” geführt - und verkauft sich blendend.

    Das allerdings ist auch nicht ganz richtig. Das Amazon das Buch verkauft ist wohl kein Versehen. Warum sollten sie denn nicht? Vom dem Indizierungsantrag wissen sie offensichtlich, denn Rezensionen, die darauf aufmerksam machen, dass das Buch möglicherweise bald nicht mehr frei verkäuflich sein könnte, werden wie bei Amazon üblich nach kurzer Zeit gelöscht. 1

    Inzwischen hat Heide Oestreich einen zweiten Artikel in der taz nachgeschoben. Dieses Mal sind es Sprecher diverser Religionsgeminschaften und Pädagogen, die zu Wort kommen, bis auf zwei Ausnahmen alles Befürworter der Indizierung.

    Der taz folgten etliche News-Portale, die sich darauf beschränkten die reine Agentur-Meldung zu verbreiten.: Berliner Literaturkritik, Ruhr Nachrichten, Presse Portal , die Zeit und etliche mehr (ausführliche Linkliste). Lobend zu erwähnend ist allerdings die Meldung auf Domradio.de, dem Portal des Radiosenders des Erzbistums Köln, die ohne Rückgriff auf Formulierungen der Agenturmeldung und obendrein völlig sachlich den Fall schildert und ebenfalls beide Seiten zu Wort kommen lässt.

    Ungleich erschreckender ist die der Artikel von Alan Posener in der Welt. Was wir von ihm zu erwarten haben verrät uns schon die Überschrift “Wie antisemitisch kann ein Kinderbuch sein?” oder spätestens der Teaser:

    Das Bundesfamilienministerium geht gegen das Kinderbuch „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel” vor. Es soll auf den Index. Grund: Die Weltreligionen werden darin verunglimpft, besonders das Judentum. Aber eigentlich ist das atheistische Werk für die Zensur viel zu schlecht.

    Trotz kraftvoller Polemik mag Posener sich offenbar ebenfalls (noch) nicht zu einem eindeutigen Statement durchringen:

    Anders als in der muslimischen Welt ist in Europa die Religionskritik erlaubt. Es sei denn, sie wird verboten. Während der muslimische Mob aus Protest gegen Mohammed-Karikaturen Botschaften abfackelte, zieht nun das Bundesfamilienministerium gegen eine Kinderfibel zu Felde. „In dem Buch werden die drei großen Weltreligionen Christentum, Islam und das Judentum verächtlich gemacht“, heißt es in einem Schreiben des Ministeriums an die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. [...] Dass aber solche Reimdichoderichfressdicherei wirklich „jugendgefährdend“ sei, glaubt man vermutlich auch in Ursula von der Leyens Ministerium nicht.

    Also nicht “wirklich” jugendgefährdend oder wie?

    Christen werden lächerlich gemacht
    Deshalb wird die ultimative Keule herausgeholt: Das Judentum, so das Ministerium, „werde als besonders Angst einflößend und grausam dargestellt“. Das stimmt, leider.

    Aber doch antisemitisch? Und wieso”Das stimmt, leider” ?

    Nicht nur werden bei der Darstellung des Judentums elementare Fehler gemacht, etwa indem die Synagoge vom Rabbi als „Tempel“ bezeichnet und behauptet wird, nur Juden dürften sie betreten. Einzig der Rabbi darf die schlichte Wahrheit aussprechen: „Gott, der Allmächtige, ist nicht nett!“ Eine Wahrheit, die er mit der Sintflut belegt.

    Sehr interessante Schlussfolgerung. Jemand, der einem Rabbi in einem Kinderbuch die Worte “Gott ist nicht nett” in den Mund legt und/oder vermeintlich fälschlicherweise von einem Tempel (statt Synagoge) berichtet, den nur Juden betreten dürfen und/oder was auch immer mit der Sintflut belegt ist ein Antisemit? Also bitte, Herr Posener, geht’s noch? Der Reihe nach: 1. Gott ist nicht nett und er ist es nie gewesen. Sein Lebenswerk - besonders der erste Teil - ist voll von Zeugnissen davon. 2. Die Sintflut ist keine Erfindung der Autoren dieses Kinderbuches, sondern die Erfindung irgendwelcher religiöser Propheten. 3. Die Protagonisten des Ferkelbuches besuchen nicht irgendeine beliebige Synagoge sondern ein Gebäude, das sich auf einem so genannten Tempelberg befindet:

    „Ich hab’ mal ein paar Menschen über Gott streiten hören“, sagte der Fuchs. „Sie haben ihm dort oben auf dem Tempelberg große Häuser gebaut.“ „Worüber haben sie sich denn gestritten?“, fragte der kleine Igel. „Ich glaube, sie sind sich nicht einig, in welchem dieser Häuser der Herr Gott nun wohnt“, antwortete der Fuchs und fügte leise hinzu: „Wenn ihr mich fragt, geht besser nicht dorthin! Die Leute da oben sind ziemlich verrückt !“

    Da sogar zeichnerisch der Jerusalemer Felsendom nachempfunden wird, dürfte es hier unzweifelhaft nicht irgendeine beliebige Synagoge gemeint sein, sondern der (nicht mehr existente und folglich fiktive) israelitische Tempel.

    Ein Fall für den Index? Kinderbücher, die zu unterhalten vorgeben, in Wirklichkeit aber erziehen wollen, sind ohnehin eine Pest. Eigentlich gehörten sie alle verboten. Aber Kinder sind weniger doof, als die meisten Eltern und Zensoren glauben. Wenn sie die Gelegenheit haben, greifen sie instinktsicher zu moralfreien Geschichten wie „Pu der Bär“. Der wird ein Klassiker bleiben, wenn dieses traurige Dokument der Borniertheit längst vergessen ist. Es zu verbieten wäre zu viel der Ehre.

    Zum Abschluss hat Posener es dann also doch noch geschafft, sich gegen eine Zensur/Verbot/Indizierung auszusprechen, wenn auch aus den falschen Gründen. Ganz anders Herr Alexander Rühl in der Süddeutschen Zeitung, der offensichtlich Kritik und Zensur überhaupt nicht zu unterscheiden vermag. Er beginnt seinen Artikel mit einem Verriss des Ferkelbuchs:

    Es gibt viele schlechte Kinderbücher; am schlechtesten aber sind die indoktrinierenden. In ihrem Bemühen, den Kindern nur ja die richtige Botschaft einzuhämmern, verzichten die Autoren auf alle Originalität, auf jedes erzählerische Detail, das einfach nur da sein darf, absichtslos, interessant und schön. Die Illustratoren malen dazu keine eigenständigen Bilder, sondern pinseln farbige Thesen.

    Die Lektüre solcher Bücher ist trostloser als ein Spaziergang über zubetonierte nordkoreanische Freiflächen, alles plan und platt, nirgends auch nur das kleinste Pflänzchen, das zweckfrei vor sich hinsprießen dürfte.

    Rühl mag das Buch also nicht, muss er auch nicht, aber :

    Insofern ist ein soeben bekannt gewordenes Indizierungsverfahren des Bundesfamilienministeriums schon aus ästhetischen Gründen zu begrüßen.

    Man mag es in gutem Glauben noch für triefenden Sarkasmus halten, aber er stimmt über seine inhaltliche Kritik der Beurteilung des BMFJFS nicht nur zu sondern geht sogar noch darüber hinaus:

    Darauf steht der Satz: “Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas.” Daraufhin machen sich die beiden auf, einen Rabbi, einen Priester und einen Mufti nach Gott zu befragen. Das Ministerium schreibt, “insbesondere der jüdische Glaube” werde “durch die bildliche Darstellung und die Charakterisierung der Person des Rabbi verächtlich gemacht”. An dem Satz erstaunt nur das einschränkende Wort “insbesondere”.

    Ein besonders infamer Vergleich soll den Vorwurf der Verächtlichmachung belegen und obendrein Nynckes Zeichnungen in die Nähe antisemitischer Hetzt a la Stürmer rücken.

    Der Rabbi erinnert an Karikaturen aus den dreißiger Jahren: Schläfchenlocken, ein fanatisches Leuchten in den Augen, ein blitzendes Raubtiergebiss und Hände wie Pranken.

    Die Infamie dieses Vergleiches illustriert diese Gegenüberstellung der Zeichnungen von Nyncke und einiger “Karikaturen aus den dreißiger Jahren”.

    Abschließen möchte ich diese kleine Presseschau mit Voltaire - ein besseres Schlusswort fällt mir zu diesem erbärmlichen Bild der Presse nicht ein.

    Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen2


    Links zum Thema aus der Welt der Blogs (ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Ausgewogenheit):
    Kinderbuch mit Ferkel droht Verbot: Rettet das kleine Ferkel!
    Antisemitisch oder nur völlig daneben?
    Ein atheistisches Kinderbuch soll antisemitisch sein
    Die Sau zeigt nicht genug Ehrfurcht vor den Göttern!
    Rettet das Ferkel!

    Ursula von der Leyen auf den Scheiterhaufen!
    Kleines Ferkel in Not
    Religionskritik - Das kleine, gottlose Ferkelchen…
    “Anschlag auf die Meinungsfreiheit”
    Indizéieren!?
    “Ministery of Truth and Family”
    Ärger um ein kleines Ferkel
    Lieber Gott, fragte das kleine Schweinchen…
    “Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel”
    Wo bitte geht’s zu Gott – Zensurversuch des Familienministeriums
    Zensur: Wo bitte geht`s zu Gott?, fragte das kleine Ferkel
    Diverse - Das kleine Ferkelchen
    Zensur aus ästhetischen Gründen?

    1 Von Englisch und Mathefan - alle meine Rezensionen ansehen

    Das Buch soll angeblich in Kürze indiziert werden, weil es zum Rassenhass aufruft. Der Antrag soll gestellt worden sein. Ich persönlich halte nichts von Verboten, aber auch nichts vom Buch. In dem Buch werden Christen und Juden als Dummköpfe hingestellt. Wäre in der DDR sich ein Renner gewesen.

    Von Uecker, Uta-maria “Löwentatze” - alle meine Rezensionen ansehen

    Dieses wichtige und wertvolle Buch soll nach dem Willen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend als judendgefährdendes Medium indiziert werden. Das führt dazu, dass das Buch nicht mehr über amazon verkauft werden darf und in Buchläden unbeworben nur noch als “Bück-Ware” erhältlich sein wird.
    Wer das verhindern will möge an der Unterschriftenaktion gegen die Indizierung teilnehmen!

    2 Jaja, ist mir bekannt, dass es wahrscheinlich nicht seiner Feder entsprungen ist. Es klingt aber einfach besser als: “Du bist anderer Meinung als ich und ich werde dein Recht dazu bis in den Tod verteidigen“.

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