Ein Gastbeitrag von 9xklug.eu
Jaja, die Brights.
Eine auf den ersten Blick faszinierende Bewegung zur Organisation aufgeklärter Menschen. Auf den zweiten eigentlich auch.
Nur ist der Aufhänger des Ganzen recht seltsam: Man will den Begriff “bright” auf die eigene Bewegung prägen und so im Sprachgebrauch zu den “Brights”, den “Hellen” oder - schlimmstenfalls - den “Erleuchteten” werden.
Das ist abgesehen von der darin ausgedrückten Hochnäsigkeit zunächst einmal interessant, immerhin hat die Schwulenbewegung so etwas mit “gay” ja auch geschafft - wohl aber mit dem Ergebnis, dass “gay” heute bei entsprechend eingestellten Sprechern ebenso ein Schimpfwort ist wie “faggot”.
Irgendwie hat das mit der Begriffsbesetzung also so ganz dann doch nicht funktioniert.
Aber zurück zu den Brights:
Aus deren Reihen kam nun ein Vorstoß, der aufhorchen lässt. Aber lassen wir sie doch selber zu Wort kommen:
Wenn die Antievolutionisten darauf bestehen, das öffentliche Missverständnis von Worten wie Theorie und Glaube auszubeuten, dann sollten wir das nicht bekämpfen. […]
Was schlägt sie vor? Wenn es um wirklich grundsolide, wohl etablierte Wissenschaft geht, dann lasst uns damit aufhören, überhaupt noch das Wort Theorie zu gebrauchen.
Okay, wir geben also auf und ziehen uns zurück.
Naja, kann ja mal gemacht werden, ein taktischer Rückzug ist keine Schande.
Aber was sagen wir denn nun statt dessen?
Die Antwort darauf ist die folgende: Gesetz.
Ja, das ist ernst gemeint.
Um das missverständliche Wort “Theorie” zu vermeiden nutzt man das noch viel missverständlichere “Gesetz”.
Das ist nicht so schlimm wie das, was ich beim ersten Lesen der Überschrift “Theorie muss Gesetz werden” erwartet habe (nämlich tatsächlich ein Gesetz, das bestimmte Ideen als wahr festschreibt), aber auch nicht viel besser.
Es hieß, die “Munition” antiaufklärerischer Bewegungen sei die Sprache. Wenn das die passende Metapher ist, dann ist dieser Vorschlag kostenloses Dynamit für den Gegner, kann er so doch vollkommen mühelos die Vorwürfe von Dogmatismus, Denkverboten und - bald neu im Angebot - “vorgeschriebenen Forschungsergebnissen” anbringen.
Zumal diese Umbenennung den Kreationisten (u.ä.) im Gegenzug keinen nennenswerten Nachteil bringt.
Es ist vielleicht keine schlechte Idee, die Sprache der Wissenschaft alltagstauglicher zu machen.
Nur der konkrete Vorschlag hier, der ging nach hinten los.
Literatur
Theorie muss Gesetz werden, online verfügbar


