14. Jun. 2007
Diesmal berichtet Alexander Smoltczyk in seiner launigen Spiegel-Online-Kolumne Uups! et Orbi über den Dramatiker Rolf Hochhuth und einen Papst. Hier wird die Frage aufgeworfen und beantwortet, ob dieser Papst – Pius XII. - böse war und dieser Hochhut gut oder umgekehrt oder wie?
Eine der beiden Fragen wurde amtlich beantwortet, wie wir gleich zu Beginn erfahren. Die dafür zuständige Behörde des Vatikan die Congregatio de Causis Sanctorum, gab nun, 49 Jahre nach seinem Ableben, bekannt, Eugenio Pacelli – so sein bürgerliche Name - sei “venerabile” also von “heroischem Tugendgrad”. Smoltczyk lässt uns wissen, warum ausgerechnet dieser bemitleidenswerte Mann, der eigentlich kein Mensch, sondern immerhin der Stellvertreter Christi auf Erden und außerdem unfehlbar war, so unverschämt lange darauf warten mußte, bis ihm diese Ehre zu Teil wurde:
Weil Pacelli doppelt Pech gehabt hat in seinem Leben. Er wurde Papst, als auf Erden die Hölle los war, Hitler über den Kontinent herrschte, Stalin wütete, und der Kirchenstaat einem megalomanischen Hitler-Vasallen ausgeliefert war, der sich Duce nennen ließ. Da war es schwer, Papst zu sein.
Ja wirklich, das war eine schreckliche Zeit. Ganz besonders Päpste hatten es nicht einfach damals:
Für die einen ist Pacelli “Hitlers Papst” (John Cornwell, Daniel Goldhagen), für die anderen ist er ein Held und “Defensor Civilitatis”.
Es scheint sich also hier um eine schwierige historische Frage zu handeln, die Smoltczyk aber mit einer verblüffenden Argumentation klären kann:
Dann - zweites Pech - kam 1963 in der Berliner Schaubühne ein Sieben-Stunden-Stück zur Uraufführung. Es hieß “Der Stellvertreter” und war geschrieben von […] Rolf Hochhuth. […] Er ist bis heute das einzige Theaterstück, das auch im Himmel Wirkung hatte. Sozusagen. Denn das Bild eines kaltherzigen, diplomatisch lavierenden Papstes, dem das Überleben seines Hofstaats wichtiger war als das Leiden der Juden ist seit dem “Stellvertreter” nicht mehr aus den Köpfen herauszubekommen.
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