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  • 13. Sep. 2007

    Zunächst kritisierte der Kasseler Biologe Ulrich Kutschera gleichenorts den Kreationismus in Deutschland. Als Reaktion hierauf nahm nun sein Münchener Kollege Siegfried Scherer entschlossen die Balancierstange in die Hand.

    Nach den ersten beschwichtigenden Worten - wie sehr man sich doch abhebe von den ansonsten mit diesem Begriff verbunden, aber ultrakrassen Kreazzis – dann endlich Konkretes: So soll also die Entstehung biologischer Information noch nicht gelöst - und damit die bisher vorgeschlagenen Makroevolutionstheorien ziemlich in Frage gestellt sein.

    Nun geht Scherer nicht allzu sehr - will heißen: überhaupt nicht - ins Detail, wer da nun welche ominöse Makroevolutionstheorie vorgeschlagenen haben will. Schließlich ist, wenn wir von Evolutionstheorien sprechen, das, was mithin als Makroevolution bezeichnet wird, selbstverständlich schon mit einbezogen. Das nun das Prinzip von Versuch und Irrtum – in der Biologie bekannt als Mutation und Selektion – ausgerechnet an den Arten halt machen soll, kann frohgemut einer noch von Scherer zu fordernden Grundtypen-Mikroevolutions-Theorie (oder so …) überlassen bleiben – wir freuen uns darauf.

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    4. Sep. 2007

    Auch in der Schweiz tobt eine heftige Diskussion um Schöpfungsunterricht an den Schulen. In einer Umfrage im Auftrag des kreationistischen Vereins ‘Pro Genesis’ sprachen sich nun 80% der befragten Schweizer für einen solchen Unterricht aus. ‘Pro Genesis’ hofft auf baldige Umsetzung des Volkswillens.

    Noch im Mai warnte sogar das Schweizer Boulevard-Blatt ‘Blick‘ vor den umtriebigen Aktivisten von ‘Pro Genesis’:

    «Pro Genesis» hat ebenfalls ein Buch verlegt – «Das Schöpfungsmodell». Und an alle Schweizer Mittelschulen versandt. «Reaktionen der Schulen gab es darauf keine», sagt Gian Luca Carigiet von «Pro Genesis».
    Das Ziel des Versands ist offensichtlich: Möglichst viele der Bücher sollen den Weg in eine Schulbibliothek finden oder gar in den Unterricht. Und damit in die Köpfe der Schüler.
    «Kreationismus ist eine Form von christlichem Fundamentalismus», sagt Martin Scheidegger, Leiter der Beratungsstelle «Religiöse Sondergruppen&Sekten», gegenüber «kath.ch». Seit Jahren beschäftigt sich der reformierte Pfarrer mit der Bewegung. «Schon in den 70er-Jahren gab es die erste Welle.»
    Heute feiern die Kreationisten Auferstehung. Doch Scheidegger glaubt: «Das Ansinnen, die biblische Schöpfungslehre auf den Stundenplan zu setzen, hat in der Schweiz keine Chance.» Hier herrsche ein anderes Verständnis von Religion und Staat. An Schulen ein religiöses Modell zu lehren sei undenkbar.
    Wirklich? Das Wissenschaftsmagazin «Science» publizierte jüngst eine Studie. Befragt wurden in 34 Ländern Leute zur Evolutionstheorie. Da kam aus: Vier von zehn Schweizern glauben nicht an Darwins Lehre.
    Für «Pro Genesis» eine Offenbarung. Sie will nun, dass die Schöpfungslehre wenigstens gleichberechtigt neben der Evolutionstheorie gelehrt wird. Im Sommer schicken die Bibel-Fundis eine Broschüre an alle Schweizer Mittelschulen. Und beten, dass es diesmal klappt.

    Inzwischen hat ‘Pro Genesis’ einen neuen Coup gelandet: Den ganzen Beitrag lesen …

    27. Aug. 2007


    Roy Zimmermann
    ist ein amerikanischer Liedermacher und Satiriker. Weitere Informationen auf www.royzimmerman.com.

    24. Aug. 2007

    kutscheraProf. Ulrich Kutschera (im Bild mit Prof. Wuketits und Dr. Schmidt-Salomon beim Evoutionskongreß iDie), der Wortführer der deutschen Evolutionsbiologen, warnt im GEO-Interview vor einem Erstarken des Kreationismus in Deutschland, Auszüge:

    GEO.de: Jüngst hat die hessische Kultusministerin mit ihrer Behauptung, zwischen Schöpfungsgeschichte und Evolutionstheorie gebe es erstaunliche Parallelen, für Aufregung gesorgt. Kommt der Kreationismus nun endgültig nach Europa?

    Ulrich Kutschera: Seit ich vor 20 Jahren aus den USA zurückgekehrt bin, beobachte ich diese wissenschaftsfeindlichen Strömungen in Deutschland. Und ich muss mit großer Enttäuschung feststellen, dass die kreationistische Bewegung, die unter anderem Fakten verdreht, Erkenntnisse ignoriert und das gesamte Methodenarsenal der modernen Biologie ablehnt, immer mehr Zulauf hat. Alle Umfragen der letzten Jahre zeigen, dass die Zahl der Evolutionsgegner in Deutschland von rund 20 auf bis zu 30 Prozent angestiegen ist.

    GEO.de: Welche Rolle spielt das Internet bei der Verbreitung kreationistischer Ideen?

    Ulrich Kutschera: Schüler schauen, wenn sie sich zu einem Thema informieren wollen, heute zunächst im Internet nach. Wenn sie nun Schlüsselbegriffe, wie zum Beispiel “Makroevolution”, “rudimentäre Organe” oder “Phylogenese” bei Google eingeben, dann landen sie zunächst bei den Kreationisten. Da die Zahl der Links bei den Evolutionsgegnern deutlich höher ist als bei uns, führen schätzungsweise zwei Drittel aller Google-Suchanfragen zum Thema Evolution auf kreationistische Seiten. Zum Beispiel auf www.genesisnet.info, eine neue Kreationismus-Seite von “Wort und Wissen”, die eine umfassende Hauptseite pflegt. Wäre unsere ehrenamtlich betriebene Seite www.evolutionsbiologen.de nicht im Netz, würden wohl über 90 Prozent der Suchanfragen bei den Kreationisten landen.
    GEO.de: Müsste die Aufklärungsarbeit, die Sie betreiben, nicht von unseren Schulen und Universitäten geleistet werden?
    Ulrich Kutschera: Wenn Sie an einer deutschen Universität Biologie studieren, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass Sie zum Thema Evolution sehr wenig oder gar nichts Aktuelles gelehrt bekommen. Ich könnte Ihnen bedeutende Universitäten nennen, an denen Sie Biologie-Lehrer werden können, ohne je einen einzigen Kurs zum Thema Evolution besucht zu haben. Es gibt auch nur sehr wenige Kollegen, die das Fach im Rahmen einer staatlich besoldeten Professur vertreten. Hinzu kommt ein erstaunliches Wissensdefizit in der Bevölkerung.

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    2. Jul. 2007

    Ein hochkarätiges besetztes Wissenschaftssymposium in einer kleinen Stadt in der Provinz. Das Thema ist Evolution und Kreationismus. 3 Tage referieren, streiten und debattieren Referenten aus den Natur- und Geiseswissenschaften über iDie erschöpfte Theorie? Evolution und Kreationismus in Wissenschaften. Das lokale Printerzeugnis “Der Trierische Volksfreund” scheint indes an solcherlei Veranstaltungen in seiner Stadt keinerlei Interesse zu haben.

    Alltag, wie Christoph Lammers einer der Organisatoren berichtet:

    Dass der TV uns boykottiert hat ist bedauerlich, aber für die örtliche Presse typisch. Fast alle öffentlichen Terminkalender haben die Veranstaltung ignoriert.

    In der Printausgabe des TV gab es immerhin eine Nachberichterstattung zum Kongreß. Allerdings war dort wenig über die Tagung selbst zu lesen. Fast bekommt man den Eindruck, der Schreiber des Artikels habe sich nur einen einzigen Vortrag angehört. Es wird nur ein einziger Referent (Prof. Graf) erwähnt und gleich 2 Absätze (von insgesamt 5) widmen sich dem Inhalt dieses einen Vortrags. Stattdessen kommt ein Sektenbeauftrager des Bistums Trier im längsten Abschnitt des Artikels zu Wort:

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    19. Jun. 2007

    Koralle2Von 15. bis 17. Juni 2007 fand an der Universität Trier eine Tagung unter dem Titel „iDie erschöpfte Theorie? Evolution und Kreationismus in Wissenschaften“ statt. Damit setzte der Arbeitskreis Kritische Theorie[n] die erfolgreiche Arbeit des Bildungskongresses „Die ewige Wiederkehr des Religiösen” von 2003 fort.

    Die Begrüßung erfolgt durch Christoph Lammers, der über den “Streitfall Evolution und den Bildungsmarkt” referiert. Er legt die Methoden der kreationistischen Bewegung dar, deren Schwerpunkt er im Angriff auf das Schulwesen sieht. Homeschooling und zunehmende Privatisierung verstärken den anti-evolutionären Ansatz. In Europa und insbesondere in Deutschland sind schöpfungstheoretische Unterrichtsinhalte in den wissenschaftlichen Fächern zwar noch eine Randerscheinung, dennoch sind antiaufklärerische Vorstellungen in der Gesellschaft weit verbreitet. Die noch(!) zaghaft vorgetragenen Versuche religiöser Vertreter und ihrer verlängerten Arme in den Reihen der Politik, Zweifel an Darwins Evolutionstheorie zu wecken, fallen in der Bevölkerung jedoch vermehrt auf fruchtbaren Boden.

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