25. Nov. 2008
Dank WAZ-Kirchenredakteurin Angelika Wölk kam Robert Zollitsch, seines Zeichens Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, mal wieder anlasslos mit einem Aufmacherartikel auf die Titelseite der größten deutschen Regionalzeitung.
Im Interview im Innenteil schwafelt man sich gegenseitig über Wirtschaftskrise, Gier und Moral zu. Gier kennt die Kirche nicht, weil sie ja bekanntlich zu den „Hauptsünden“ gehöre. Äh.. die Gier natürlich. Aber mit Moral kann der gute Zollitsch schon mehr anfangen:
Es muss uns erschüttern, dass die Armut immer größer wird. Für die Kirche ist das immer auch Verpflichtung zu helfen. Ganz konkret: Die Bistümer verwalten im Verband der Diözesen Deutschlands einen gemeinsamen Haushalt von rund 140 Millionen Euro. In jedem Jahr geht davon die Hälfte in die dritte Welt und kommt damit den Menschen in ärmeren Ländern zugute.
Was für ein „Haushalt“ das sein soll, bleibt für Nicht-Kirchenexperten leider im Dunkeln. Auf der Website der Deutschen Bischofskonferenz firmiert er unter dem wenig sagenden Punkt “Weltkirche und Mission“. Keineswegs handelt es sich - wie der Laie vielleicht denken könnte - um den Gesamtetat der Katholischen Kirche in Deutschland, denn der ist um ein Vielfaches höher: Im Jahre 2004 betrugen die Kirchensteuereinnahmen im katholischen Säckel satte 4 Milliarden Euro!
Herr Zollitsch weist also stolz darauf hin, dass man (Spenden noch nicht eingerechnet?) 70 Millionen von 4 Milliarden in die Dritte Welt überwiesen habe. Das sind – achtung, festhalten! – satte 1,74 Prozent der Kirchensteuereinnahmen 2004! Ob diese Freigiebigkeit reicht, damit das katholische Kamel durchs Nadelöhr gelangt?
Abgesehen davon handelt es sich bei den kirchlichen Drittwelt-Hilfen vor allem um Hilfe unter Mitgliedern derselben Organisation sowie Maßnahmen, die der Mission dienen. Ein Schelm wer denkt, dass damit ausschließlich die Reisschüsseln hungernder Kinder gefüllt werden würden. Bei einem Teil der Mittel der kirchlichen Entwicklungshilfe handelt es sich darüber hinaus sogar um Zuschüsse vom Staat. Denn der schiebt einen Teil seiner Entwicklungshilfe an die Kirche zur Verteilung weiter.
Für Menschen, die sich nicht für dumm verkaufen lassen wollen, möchten wir folgende Alternativrechnung zur Verzehnfachung der Spendengelder für Menschen in der „Dritten Welt“ aufmachen: Die Hälfte der katholischen Kirchensteuerzahler kündigt die Mitgliedschaft in Zollitschs Verein. Dies entspricht einem Kirchensteueraufkommen von rd. 2 Milliarden Euro. Abzüglich der staatlichen Zuschüsse zum Kirchensteueraufkommen (etwas mehr als ein Drittel), bleiben rd. 1,35 Milliarden potenzielle Spendeneuro. Wird davon tatsächlich nur jeder zweite Euro auch wirklich an weltanschaulich neutrale Hilfsorganisationen gespendet, beläuft sich die Summe immer noch auf satte 670 Millionen. Und das ist fast das Zehnfache derjenigen 70 Millionen, mit Hilfe derer sich Herr Zollitsch der christlichen Nächstenliebe schmücken möchte.
Aber es kommt noch besser: Entschiede sich nun auch noch der Staat, die zusätzlichen Subventionen zur Aufstockung der Kirchensteuer zugunsten von konkreter Entwicklungshilfe zu streichen, kämen noch einmal 1,3 Milliarden Euro hinzu. Zusammen rund 2 Milliarden Euro für die „Menschen in den ärmeren Ländern“.
Für die Kirche ist es immer auch Verpflichtung zu helfen?
Herr Zollitsch, schlagen Sie ein?