Ohne Worte:
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Der Antrag auf Indizierung des Kinderbuches “Wo bitte geht es zu Gott? fragte das kleine Ferkel” löste ein breites Medienecho aus, sowohl in den klassischen (sie selbst nennen sich professionelle) Medien als auch in der Welt der Blogger. Eine kleine Presseschau an Hand derer der Leser selbst entscheiden möge, wie gut professionelle Schreiber ihre Hausaufgaben machen.
Heide Oestreich griff für die taz als erste die Meldung des Humanistischen Pressedienstes auf. Vielleicht ist ihr Artikel deshalb so erstaunlich neutral, weil Frau Oestreich vorher kaum ahnen konnte, welchen Weg das Rudel später einschlagen würde und die Rolle einer Leitwölfin für die Medienmeute wollte oder konnte sie nicht geben. Immerhin - und das muss man ihr im Lichte der anderen Beispiele hoch anrechnen - stellt sie die Stimmen beider Parteien mehr oder weniger im Wortlaut einander gegenüber. Passagen aus dem Indizierungsantrag des BMFJS erscheinen in gleichem Umfang wie Autoren und Verleger. Eine eigene Meinung zum Vorfall hat sie indes nicht. Einigermaßen bemerkenswert, geht es hier doch immerhin um die Frage ob ein Kinderbuch antisemitische Stereotype verbreitet oder ob sich hinter diesem Vorwurf Zensurabsichten, mit dem Ziel berechtigte Religionskritik zu desavouieren, verbergen. Eine Frage zu der man eigentlich eine Meinung haben sollte. Und unabhängig davon wie man diese Frage beantwortet, sollte man diese Antwort nicht verschweigen, schon gar nicht wenn man Gelegenheit (und Auftrag?) hat, diese seine Meinung in einem Medium wie der taz kund zu tun. Einen Hauch Subversivität gönnt Frau Oestreich sich noch am Ende ihres Artikels, in dem sie die Leser darauf hinweist, dass dass das noch nicht indizierte Buch noch käuflich zu erwerben sei
Die angeblich jugendgefährdende Religionsfeindlichkeit des Buchs ist übrigens dem Buchdienst Amazon noch gar nicht aufgefallen: Dort wird das Werk unter “Religiöse Kinderbücher” geführt - und verkauft sich blendend.
Das allerdings ist auch nicht ganz richtig. Das Amazon das Buch verkauft ist wohl kein Versehen. Warum sollten sie denn nicht? Vom dem Indizierungsantrag wissen sie offensichtlich, denn Rezensionen, die darauf aufmerksam machen, dass das Buch möglicherweise bald nicht mehr frei verkäuflich sein könnte, werden wie bei Amazon üblich nach kurzer Zeit gelöscht. 1
Inzwischen hat Heide Oestreich einen zweiten Artikel in der taz nachgeschoben. Dieses Mal sind es Sprecher diverser Religionsgeminschaften und Pädagogen, die zu Wort kommen, bis auf zwei Ausnahmen alles Befürworter der Indizierung.
Der taz folgten etliche News-Portale, die sich darauf beschränkten die reine Agentur-Meldung zu verbreiten.: Berliner Literaturkritik, Ruhr Nachrichten, Presse Portal , die Zeit und etliche mehr (ausführliche Linkliste). Lobend zu erwähnend ist allerdings die Meldung auf Domradio.de, dem Portal des Radiosenders des Erzbistums Köln, die ohne Rückgriff auf Formulierungen der Agenturmeldung und obendrein völlig sachlich den Fall schildert und ebenfalls beide Seiten zu Wort kommen lässt.
Ungleich erschreckender ist die der Artikel von Alan Posener in der Welt. Was wir von ihm zu erwarten haben verrät uns schon die Überschrift “Wie antisemitisch kann ein Kinderbuch sein?” oder spätestens der Teaser:
Das Bundesfamilienministerium geht gegen das Kinderbuch „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel” vor. Es soll auf den Index. Grund: Die Weltreligionen werden darin verunglimpft, besonders das Judentum. Aber eigentlich ist das atheistische Werk für die Zensur viel zu schlecht.
Trotz kraftvoller Polemik mag Posener sich offenbar ebenfalls (noch) nicht zu einem eindeutigen Statement durchringen:
Anders als in der muslimischen Welt ist in Europa die Religionskritik erlaubt. Es sei denn, sie wird verboten. Während der muslimische Mob aus Protest gegen Mohammed-Karikaturen Botschaften abfackelte, zieht nun das Bundesfamilienministerium gegen eine Kinderfibel zu Felde. „In dem Buch werden die drei großen Weltreligionen Christentum, Islam und das Judentum verächtlich gemacht“, heißt es in einem Schreiben des Ministeriums an die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. [...] Dass aber solche Reimdichoderichfressdicherei wirklich „jugendgefährdend“ sei, glaubt man vermutlich auch in Ursula von der Leyens Ministerium nicht.
Also nicht “wirklich” jugendgefährdend oder wie?
Christen werden lächerlich gemacht
Deshalb wird die ultimative Keule herausgeholt: Das Judentum, so das Ministerium, „werde als besonders Angst einflößend und grausam dargestellt“. Das stimmt, leider.
Aber doch antisemitisch? Und wieso”Das stimmt, leider” ?
Nicht nur werden bei der Darstellung des Judentums elementare Fehler gemacht, etwa indem die Synagoge vom Rabbi als „Tempel“ bezeichnet und behauptet wird, nur Juden dürften sie betreten. Einzig der Rabbi darf die schlichte Wahrheit aussprechen: „Gott, der Allmächtige, ist nicht nett!“ Eine Wahrheit, die er mit der Sintflut belegt.
Sehr interessante Schlussfolgerung. Jemand, der einem Rabbi in einem Kinderbuch die Worte “Gott ist nicht nett” in den Mund legt und/oder vermeintlich fälschlicherweise von einem Tempel (statt Synagoge) berichtet, den nur Juden betreten dürfen und/oder was auch immer mit der Sintflut belegt ist ein Antisemit? Also bitte, Herr Posener, geht’s noch? Der Reihe nach: 1. Gott ist nicht nett und er ist es nie gewesen. Sein Lebenswerk - besonders der erste Teil - ist voll von Zeugnissen davon. 2. Die Sintflut ist keine Erfindung der Autoren dieses Kinderbuches, sondern die Erfindung irgendwelcher religiöser Propheten. 3. Die Protagonisten des Ferkelbuches besuchen nicht irgendeine beliebige Synagoge sondern ein Gebäude, das sich auf einem so genannten Tempelberg befindet:
„Ich hab’ mal ein paar Menschen über Gott streiten hören“, sagte der Fuchs. „Sie haben ihm dort oben auf dem Tempelberg große Häuser gebaut.“ „Worüber haben sie sich denn gestritten?“, fragte der kleine Igel. „Ich glaube, sie sind sich nicht einig, in welchem dieser Häuser der Herr Gott nun wohnt“, antwortete der Fuchs und fügte leise hinzu: „Wenn ihr mich fragt, geht besser nicht dorthin! Die Leute da oben sind ziemlich verrückt !“
Da sogar zeichnerisch der Jerusalemer Felsendom nachempfunden wird, dürfte es hier unzweifelhaft nicht irgendeine beliebige Synagoge gemeint sein, sondern der (nicht mehr existente und folglich fiktive) israelitische Tempel.
Ein Fall für den Index? Kinderbücher, die zu unterhalten vorgeben, in Wirklichkeit aber erziehen wollen, sind ohnehin eine Pest. Eigentlich gehörten sie alle verboten. Aber Kinder sind weniger doof, als die meisten Eltern und Zensoren glauben. Wenn sie die Gelegenheit haben, greifen sie instinktsicher zu moralfreien Geschichten wie „Pu der Bär“. Der wird ein Klassiker bleiben, wenn dieses traurige Dokument der Borniertheit längst vergessen ist. Es zu verbieten wäre zu viel der Ehre.
Zum Abschluss hat Posener es dann also doch noch geschafft, sich gegen eine Zensur/Verbot/Indizierung auszusprechen, wenn auch aus den falschen Gründen. Ganz anders Herr Alexander Rühl in der Süddeutschen Zeitung, der offensichtlich Kritik und Zensur überhaupt nicht zu unterscheiden vermag. Er beginnt seinen Artikel mit einem Verriss des Ferkelbuchs:
Es gibt viele schlechte Kinderbücher; am schlechtesten aber sind die indoktrinierenden. In ihrem Bemühen, den Kindern nur ja die richtige Botschaft einzuhämmern, verzichten die Autoren auf alle Originalität, auf jedes erzählerische Detail, das einfach nur da sein darf, absichtslos, interessant und schön. Die Illustratoren malen dazu keine eigenständigen Bilder, sondern pinseln farbige Thesen.
Die Lektüre solcher Bücher ist trostloser als ein Spaziergang über zubetonierte nordkoreanische Freiflächen, alles plan und platt, nirgends auch nur das kleinste Pflänzchen, das zweckfrei vor sich hinsprießen dürfte.
Rühl mag das Buch also nicht, muss er auch nicht, aber :
Insofern ist ein soeben bekannt gewordenes Indizierungsverfahren des Bundesfamilienministeriums schon aus ästhetischen Gründen zu begrüßen.
Man mag es in gutem Glauben noch für triefenden Sarkasmus halten, aber er stimmt über seine inhaltliche Kritik der Beurteilung des BMFJFS nicht nur zu sondern geht sogar noch darüber hinaus:
Darauf steht der Satz: “Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas.” Daraufhin machen sich die beiden auf, einen Rabbi, einen Priester und einen Mufti nach Gott zu befragen. Das Ministerium schreibt, “insbesondere der jüdische Glaube” werde “durch die bildliche Darstellung und die Charakterisierung der Person des Rabbi verächtlich gemacht”. An dem Satz erstaunt nur das einschränkende Wort “insbesondere”.
Ein besonders infamer Vergleich soll den Vorwurf der Verächtlichmachung belegen und obendrein Nynckes Zeichnungen in die Nähe antisemitischer Hetzt a la Stürmer rücken.
Der Rabbi erinnert an Karikaturen aus den dreißiger Jahren: Schläfchenlocken, ein fanatisches Leuchten in den Augen, ein blitzendes Raubtiergebiss und Hände wie Pranken.
Die Infamie dieses Vergleiches illustriert diese Gegenüberstellung der Zeichnungen von Nyncke und einiger “Karikaturen aus den dreißiger Jahren”.
Abschließen möchte ich diese kleine Presseschau mit Voltaire - ein besseres Schlusswort fällt mir zu diesem erbärmlichen Bild der Presse nicht ein.
Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen2
Das Buch soll angeblich in Kürze indiziert werden, weil es zum Rassenhass aufruft. Der Antrag soll gestellt worden sein. Ich persönlich halte nichts von Verboten, aber auch nichts vom Buch. In dem Buch werden Christen und Juden als Dummköpfe hingestellt. Wäre in der DDR sich ein Renner gewesen.
Von Uecker, Uta-maria “Löwentatze” - alle meine Rezensionen ansehen
Dieses wichtige und wertvolle Buch soll nach dem Willen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend als judendgefährdendes Medium indiziert werden. Das führt dazu, dass das Buch nicht mehr über amazon verkauft werden darf und in Buchläden unbeworben nur noch als “Bück-Ware” erhältlich sein wird.
Wer das verhindern will möge an der Unterschriftenaktion gegen die Indizierung teilnehmen!
2 Jaja, ist mir bekannt, dass es wahrscheinlich nicht seiner Feder entsprungen ist. Es klingt aber einfach besser als: “Du bist anderer Meinung als ich und ich werde dein Recht dazu bis in den Tod verteidigen“.
Unter dem Motto “Anschlag auf die Kunstfreiheit” wurde soeben die Webseite www.ferkelbuch.de online geschaltet. Dort werden Informationen der Autoren und der betroffenen Instutionen gesammelt und es gibt eine Unterschriftenaktion gegen diesen Zensurversuch des Bundesfamilienministeriums.
Anschlag auf die Meinungsfreiheit
Großer Ärger um ein kleines Ferkel: Im Oktober 2007 kam das religionskritische Kinderbuch „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ von Michael Schmidt-Salomon und Helge Nyncke auf den Markt und fand sehr bald eine große Fangemeinde. Auch Pädagogen und Psychologen waren von der frechen, kleinen Geschichte angetan. So urteilte der renommierte Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Dr. Peter Riedesser, Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, das Buch sei „als Gegengift zu religiöser Indoktrination von Kindern pädagogisch besonders wertvoll“. Ursula von der Leyens Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sieht die Sache jedoch völlig anders: Das Ministerium beantragte die Indizierung des Kinderbuchs als jugendgefährdende Schrift. Nach Angaben der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien wird die mündliche Verhandlung Anfang März stattfinden.
Diese Website versammelt alle Informationen zu diesem Anschlag auf die Kunstfreiheit. Sie informiert über das Buch, die Autoren, den Verlag und über die Fakten zum Fall. Weiteres Material für die Kollegen von der Presse und Medienberichte finden sich in der Rubrik Presse. Kontakt zu den betroffenen Personen und Institutionen können Sie hier aufnehmen.
Unterstützen Sie uns jetzt, um diesen Anschlag auf die Kunsfreiheit zu stoppen! Tragen Sie sich in die Unterstützerliste ein!
Diesem Aufruf möchten wir uns an dieser Stelle anschließen:

Bundesfamilienministerium beantragt die Indizierung des religionskritischen Kinderbuchs “Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel” als jugendgefährdende Schrift.
Die Argumentation des Antrags ist ebenso krude wie verblüffend: Der ministeriale Indizierungsantrag behauptet, das Buch sei „geeignet, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu gefährden”. Jugendgefährdend seien Medien, „wenn sie unsittlich sind, verrohend wirken, zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhass anreizen”. “Die drei großen Weltreligionen Christentum, Islam und das Judentum verächtlich gemacht” und „die Besonderheiten jeder Religion (…) der Lächerlichkeit preisgegeben” würden. Nach Ansicht des Ministeriums werde dabei insbesondere das Judentum auf diffamierende Weise angegriffen, so dass „Text und Abbildung mithin antisemitische Tendenzen” aufweise.
Durch die Anführung des Besipiels der “Sintflut”, durch welche “Menschenbabys, Omas und Tiere” vernichtet worden seien, wird die jüdische Religion als besonders Angst einflößend und grausam dargestellt.
Siehe auch:
hpd-online
diepresse.com
ZEIT online
Antragsschrift des BFMSFJ
PS: Der Alibri-Verlag (wo das Buch zZ noch bestellt werden kann) plant unseren Informationen nach eine Unterschriftenaktion.
PS2: Den Verkäufen scheint diese Meldung keinen Abbruch zu tun:
Unter den Amazon-Bestsellern belegt das Buch immerhin
29.01.2008, 20:01 Uhr Platz 48,
29.01.2008, 21:00 Uhr Platz 46,
29.01.2008, 21:47 Uhr Platz 35,
30.01.2008, 8:50 Uhr Platz 31,
30.01.2008, 10:16 Uhr Platz 27,
30.01.2008, 11:08 Uhr Platz 20,
30.01.2008, 11:53 Uhr Platz 13,
30.01.2008, 12:49 Uhr Platz 9,
30.01.2008, 13:54 Uhr Platz 8,
30.01.2008, 14:48 Uhr Platz 6,
30.01.2008, 16:52 Uhr Platz 4,
30.01.2008, 18:54 Uhr Platz 3,
31.01.2008, 14:50 Uhr Platz 2,
01.02.2008, 11:20 Uhr Platz 1
…
Hübsche Grafik, die die strukturellen Unterschiede von Wissenschaft und Religion anschaulich illustriert:
Quelle: www.wellingtongrey.net
Der “neue Atheimus” ist in aller Munde. Dawkins, Hitchens, in Frankreich Onfray und in Deutschland Schmidt-Salomon mit seiner Giordano-Bruno-Stiftung gelten als ihre Vertreter. Was aber ist wirklich “neu” an diesem Atheismus? Die Wahrheit ist: gar nichts. Den sattsam bekannten Argumenten gegen religiösen Glauben wurde nur ein neues Etikette aufgeklebt. Und zwar damit die “neuen” Atheisten selbst, aber v.a. allem die Medien das Paket als Neuheit, als Sensation verkaufen können. Gratis dazu gibts für die Religiösen etwas zum Gruseln oder auch einfach nur ein neues, griffiges Feindbild. Was soll auch an der weltanschaulichen Auseinandersetzung noch “neu” sein, wenn die “Schlachten” längst geschlagen sind? Die Theologie ist tot. Die Gläubigen haben sich derweil in ihrem winzigen philosophischen Schützengraben eingerichtet.
‘Science, Evolution, and Creationism‘ ist der Titel einer neuen Veröffentlichung der ‘National Academy of Sciences’ (NAS) und des ‘Institute of Medicine’ (IOM). Das Buch informiert über den aktuellen Stand der evolutionsbiologischen Forschung und liefert einen Überblick über die Argumente im Diskurs mit Kreationisten und Anhängern von Intelligent Design.
Science, Evolution, and Creationism
Wie entwickelte sich das Leben auf der Erde? Die Antwort auf diese Frage hilft uns unsere eigene Vergangenheit zu verstehen und sie ist notwendig um ums auf die Zukunft vorzubereiten. Obwohl die Evolutionstheorie glaubwürdige und zuverlässige Antworten liefert, zeigen Umfragen immer wieder, dass viele Menschen mit diesen Antworten unzufrieden sind und andere Erklärungen suchen.
“Gott bewegt die Deutschen und die Welt” titelte kürzlich die Welt und schrieb weiter: Eine umfassende Studie zur Religiosität widerlegt die Annahme, dass der Glauben in Deutschland in die Bedeutungslosigkeit abrutscht. Der humanistische Pressedienst hat die Studie gründlich unter die Lupe auseinander genommen.
Welt.de
Die Deutschen sind religiöser als bislang angenommen. Religion ist für 70 Prozent der deutschen Bevölkerung über 18 Jahren bedeutsam. Fast jeder fünfte Deutsche ist sogar tiefreligiös. Er besucht regelmäßig Gottesdienste, betet häufig und beschäftigt sich intensiv mit religiösen Fragen. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende internationale Studie der Bertelsmann Stiftung, deren Ergebnisse WELT ONLINE vorliegen.
Der humanistische Pressedienst entzaubert das wirre Machwerk der Bertelsmann-Stiftung gründlich. Unter der Überschrift “Terminologische Trickkiste” schreibt Carsten Frerk: Den ganzen Beitrag lesen …
Letzte Woche berichtete ich vom Vorhaben der ÖVP angesichts der hohen Kirchenaustrittszahlen und Religionsabmeldungen einen verpflichtenden Ethikunterricht für bekenntnisfreie Schüler einzuführen, der von Religionslehrern gehalten werden soll. Der Verdacht, dass die Kinder von Ungläubigen unter dem Deckmantel eines Ethikunterrichts missioniert werden sollen, drängte sich auf.
Diesen Montag erklärte der frühere Nationalratsabgeordnete der ÖVP, Josef Höchtl, in seiner aktuellen Funktion als Vorsitzender des Österreichischen Vereins für Völkerverständigung (ÖVfV) offenbar ganz unverblümt, dass der Ethikunterricht in der Tat im Kontext eines Remissionierungsprogramms steht.
Bei der gestrigen Pressekonferenz im Café Landtmann präsentierte Höchtl eine so genannte Studie, deren kolportierter Inhalt vor allem darin bestand, dass die Zahl der Muslime nun die Zahl der Protestanten in Österreich vermutlich übersteigen würde. Offenbar kann man heutzutage eine simple Fortschreibung der Volkszählung von 2001 mit viel Medienecho als “Studie” verkaufen.
Gegen die weitere rasante Zunahme an bekenntnisfreien Österreichern empfahl Josef Höchtl ein Bündel an Maßnahmen. Dazu gehört für Höchtl neben einem verbessertern Religionsunterricht eben auch der verpflichtende Ethikunterricht für Bekenntnisfreie. Weiters forderte Höchtl von den Christen Österreichs, zur Kirche zu stehen und einen neuen Missionseifer zu entwickeln.
“Frag nicht, was die kirchliche Führung für dich tun kann, sondern was du zur Vermittlung von christlichen Werten beitragen kannst”, mahnte Höchtl.
Einen Ansporn für die Mission schöpft Josef Höchtl aus der letzten Jugendwertestudie. Denn laut dieser, im Jahre 2006 durchgeführten Studie, bekannten sich 70% der befragten Jugendlichen zum Glauben an Gott, während die Vergleichszahl aus dem Jahre 2000 nur bei 50% lag.
Da sollte sich Höchtl aber nicht zu früh freuen. Denn diese Studie wurde vom Institut für praktische Theologie der Universität Wien durchgeführt. Die Leiterin des Instituts und Autorin besagter Studie, Regina Polak, gehört zu jenen, die krampfhaft eine Wiederkehr der Religion durch den 11. September herbeischreiben und ihre diesbezüglichen Bücher verkaufen wollen. Die Co-Autorin Ingrid Kromer war früher Bildungsreferentin der katholischen Jugend Österreichs.
Die Objektivität solcher Umfrageergebnisse ist also anzuzweifeln und darüber hinaus ergab die Befragung beispielsweise auch, dass der Anteil der wöchentlichen Kirchgänger unter den Jugendlichen seit dem Jahr 2000 von 9% auf 5% sank.
Ein Gastbeitrag von 9xklug.eu
Jaja, die Brights.
Eine auf den ersten Blick faszinierende Bewegung zur Organisation aufgeklärter Menschen. Auf den zweiten eigentlich auch.
Nur ist der Aufhänger des Ganzen recht seltsam: Man will den Begriff “bright” auf die eigene Bewegung prägen und so im Sprachgebrauch zu den “Brights”, den “Hellen” oder - schlimmstenfalls - den “Erleuchteten” werden.
Das ist abgesehen von der darin ausgedrückten Hochnäsigkeit zunächst einmal interessant, immerhin hat die Schwulenbewegung so etwas mit “gay” ja auch geschafft - wohl aber mit dem Ergebnis, dass “gay” heute bei entsprechend eingestellten Sprechern ebenso ein Schimpfwort ist wie “faggot”.
Irgendwie hat das mit der Begriffsbesetzung also so ganz dann doch nicht funktioniert.
Aber zurück zu den Brights:
Aus deren Reihen kam nun ein Vorstoß, der aufhorchen lässt. Aber lassen wir sie doch selber zu Wort kommen:
Wenn die Antievolutionisten darauf bestehen, das öffentliche Missverständnis von Worten wie Theorie und Glaube auszubeuten, dann sollten wir das nicht bekämpfen. […]
Was schlägt sie vor? Wenn es um wirklich grundsolide, wohl etablierte Wissenschaft geht, dann lasst uns damit aufhören, überhaupt noch das Wort Theorie zu gebrauchen.
Okay, wir geben also auf und ziehen uns zurück.
Naja, kann ja mal gemacht werden, ein taktischer Rückzug ist keine Schande.
Aber was sagen wir denn nun statt dessen?
Die Antwort darauf ist die folgende: Gesetz.
Ja, das ist ernst gemeint.
Um das missverständliche Wort “Theorie” zu vermeiden nutzt man das noch viel missverständlichere “Gesetz”.
Das ist nicht so schlimm wie das, was ich beim ersten Lesen der Überschrift “Theorie muss Gesetz werden” erwartet habe (nämlich tatsächlich ein Gesetz, das bestimmte Ideen als wahr festschreibt), aber auch nicht viel besser.
Es hieß, die “Munition” antiaufklärerischer Bewegungen sei die Sprache. Wenn das die passende Metapher ist, dann ist dieser Vorschlag kostenloses Dynamit für den Gegner, kann er so doch vollkommen mühelos die Vorwürfe von Dogmatismus, Denkverboten und - bald neu im Angebot - “vorgeschriebenen Forschungsergebnissen” anbringen.
Zumal diese Umbenennung den Kreationisten (u.ä.) im Gegenzug keinen nennenswerten Nachteil bringt.
Es ist vielleicht keine schlechte Idee, die Sprache der Wissenschaft alltagstauglicher zu machen.
Nur der konkrete Vorschlag hier, der ging nach hinten los.
Literatur
Theorie muss Gesetz werden, online verfügbar