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  • 7. Aug. 2008

    Was erwartet ein Schalke-Fan, wenn er eine „Schalke-Bibel“ in die Hand bekommt?

    Natürlich: Eine Sammlung der besten Sprüche von Ernst Kuzorra oder Stan Libuda. Möglicherweise auch die verschollen geglaubten Prophezeiungen des Jiri Nemec. Aber was gibt’s stattdessen? Man reiße das Missionsbüchlein „Mit Gott auf Schalke“ in der Mitte entzwei, packe eine antike Schriftensammlung aus archaischen Vorzeiten dazwischen und verleime das Ganze wieder. Fertig ist die “Schalke-Bibel”.


    Viel Mühe hat man sich jedenfalls nicht gemacht. Oder kommen Lincoln und Dario Rodriguez tatsächlich aus Istanbul bzw. Südamerika rübergejettet, um weiterhin am Schalker Bibelkreis teilzunehmen? Selbst am Vorwort des Schalke-Präsidenten Schnusenberg wurde kein Buchstabe verändert. Immerhin hat der Berufsmissionar und Mainz-Fan David Kadel mittlerweile einen leibhaftigen Fan-Club namens „Mit Gott auf Schalke e.V.“ initiiert. Für deren Mitglieder steht allerdings „Gott“ an erster Stelle. Schalke-Fan ist man laut Selbstdarstellung aus der „Schalke-Bibel“ erst in zweiter Linie, weil „nur Schalke-Fan zu sein, reicht nicht“. Belege für diese seltsame Behauptung haben wir allerdings nicht gefunden.

    Man erfährt im “Schalke-Teil” dieser Bibel mal wieder die üblichen und auf die Dauer nervenden Erbauungsgeschichten: Menschen – hier aus dem Umfeld von S04 – geraten in Lebenskrisen, die sie in der Rückschau nur dadurch überwunden zu haben glauben, dass sie „Jesus kennengelernt“ haben. Und das - Gruß an alle unheilbar Kranken oder verhungernden Kinder - wäre nun das Allheilmittel für uns alle: Wer auf Gott vertraut, wird belohnt. Und so mutmaßt Autor Kadel, dass der Kevin, nachdem er tragischerweise bei der WM alleine zu Hause bleiben musste, als Dank für seinen unverdrossenen Glauben bei der EM 2008 Torschützenkönig werden müsste. Tja.

    Kadel gelingt es offensichtlich so ziemlich jeden Fußball-Promi, der das Wort „Gott“ fehlerfrei buchstabieren kann, für seine Missionszwecke einzuspannen, was auf Schalke – dank Ober-Jesus-Fan Macelo Bordon – offenbar besonders gut funktioniert. Bayerns Ze Roberto, Meisterschaftsverschieber Markus Merk oder BVB-Trainer Klopp sind ihm aber genauso lieb. Es geht eben nur sehr vordergründig um Fußball.

    Auf eine Rezension der Bibel selbst verzichten wir an dieser Stelle. Ersatzweise sei der interessierte Leser auf die hervorragende Rezension „Denn sie wissen nicht, was sie glauben“ des Psychologieprofessors Franz Buggle aus dem Rowolth-Verlag hingewiesen.

    5 Kommentare »

    1. [BLOCKED BY STBV] Kritisch gedacht schreibt:

      Blogroll…

        Deutschsprachige Blogs:Astrodicticum simplexBegrenzte WissenschaftBrights-BlogEsoBlogEvil under the sunGWUP-BlogPlazeboalarmSciBlogSkepTickerWeiterGen  Englischsprachige Blogs: A canna’ change the laws of physicsBad AstronomyBad ScienceDC…

      8. Aug. 2008 | #

    2. Po8 schreibt:

      Ist ja unglaublich welch große Wellen diese Schalke-Bibel schlägt…
      Der Weltmission steht nichts mehr im Wege. ;-)

      8. Aug. 2008 | #

    3. Hartmut Slomski schreibt:

      Wird dann demnächst bei Schalke beim Jubel über jeden Treffer anstelle von “Tor!” stattdessen “Hallelujah!” geschien?

      31. Aug. 2008 | #

    4. Schalke Unser im Himmel? - Die Diskussion um die Schalke-Bibel « SCHALKE UNSER schreibt:

      […] In der neuen Ausgabe des SCHALKE UNSER Nr. 59 haben wir ein Interview mit David Kadel geführt, dem Herausgeber der neuen “Schalke-Bibel”. Die Schalke-Bibel wird derzeit in einigen Internet-Foren kontrovers diskutiert, unter anderem hier und auch hier. […]

      3. Sep. 2008 | #

    5. ZEIT ONLINE - ZEIT-SPIEL » Die Trennung von Schalke und Religion schreibt:

      […] “NLB-Übersetzung AT/NT plus Infos über den FC Schalke 04“ vorstellt, wird in einigen Blogs aufgeregt diskutiert. Nicht nur, weil die Beiträge mit blau-weißem Bezug weitestgehend dem Heftlein “Mit Gott Auf […]

      5. Sep. 2008 | #

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