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  • 15. Mai. 2008
    Das argumentum ad verecundiam. Statt der Gründe brauche man Autoritäten nach Maßgabe der Kenntnisse des Gegners.

    So beschreibt Schopenhauer den Kunstgriff Nr. 30 in seinem Werk über eristische Dialektik ‘Die Kunst Recht zu behalten‘. Albert Einstein ist zweifellos eine der größten Autoritäten, dessen Meinung oder das, was man dafür hält, deshalb in allerlei Zusammenhängen allzu gerne als “Argument” in den Diskurs eingebracht wird, oftmals sogar von beiden Seiten. So auch im Streit zwischen Atheisten und Gläubigen. Besonders gerne wird Einstein von Deisten als Beispiel für einen gläubigen Wissenschaftler genannt. In einer Diskussionsrunde auf Phönix zum Thema ‘Die Renaissance der Religion?’ etwas zitiert der Journalist und EKD-Ratsmitglied Peter Hahne den genialen Physiker mit den Worten “es gibt keine leuchtendere Gestalt auf der Erde als Jesus Christus“. Vermutlich bezieht er sich hier auf ein gefälschtes Zitat, welches sich stets ohne Quellenangabe in diversen religiös motivierten Zitatsammlungen findet (glaube-und-kirche.de, Sternenfänger): ‘Es gibt wirklich nur eine Stelle in der Welt, wo wir kein Dunkel sehen. Das ist die Person Jesu Christi.

    Zwar kann man ziemlich sicher man davon ausgehen, dass Einsteins kein Atheist war, viele seiner Äußerungen lassen deutliche Sympathie für pantheistische Vorstellungen, wie sie etwa von Spinoza formuliert wurden, erkennen. Dass Einstein an einen personalen (biblischen) Gott glaubte, kann jedoch spätestens nach dem Fund eines Briefes von Einstein ausgeschlossen werden. Diesen Brief, der vorgestern in London versteigert wurde, schrieb Einstein im Jahr 1954 an den Religionsphilosophen Erich Gutkind, der, wie Einstein, ein Jude war. Darin bezeichnet er die Vorstellung an einen persönlichen Gott als „kindlichen Aberglauben“:

    Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger, aber doch reichlich primitiver Legenden […]. Keine noch so feinsinnige Auslegung kann etwas daran ändern. Diese verfeinerten Auslegungen sind … höchst mannigfaltig und haben so gut wie nichts mit dem Urtext zu schaffen.
    […]
    Für mich ist die unverfälschte jüdische Religion wie alle anderen Religionen eine Inkarnation des primitiven Aberglaubens.

    Weitere Informationen:

    Einstein und Religion

    The Guardian: Einstein’s letter makes view of religion relatively clear

    Der Tagesspiegel: Relativ ungläubig

    15. Mai. 2008

    Pressemitteilung vom 15.05.2008

    Konfessionslosenverband sieht in Treffen mit Dalai Lama falschen Akzent
    in der Menschenrechtsdebatte

    Der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten e.V. (IBKA)
    wirft den Ministerpräsidenten von Hessen und Nordrhein-Westfalen vor,
    durch ihr Hofieren des Dalai Lama der Sache der Menschenrechte in China
    zu schaden. “Das Amt der Dalai Lama ist ein Überbleibsel aus einer
    feudalen Zeit, in der Religion und Politik noch nicht getrennt waren”,
    sagte der erste Vorsitzende des IBKA, Rudolf Ladwig. “Es ist
    unbegreiflich, warum ausgerechnet ein ‘Gottkönig’ zum Garanten für
    Menschenrechte und bürgerliche Freiheiten stilisiert wird.”

    Die Menschenrechtssituation in China lasse sich nicht an der
    “Tibet-Frage” festmachen, sondern betreffe die gesamte chinesische
    Bevölkerung. Angesichts der Zustände, die bis 1950 im Alten Tibet
    herrschten, so Ladwig weiter, müssten sich Koch und Rüttgers fragen
    lassen, welche konkreten Verbesserungen sie sich von einer Rückkehr des
    Dalai Lama erwarten. “Es ist pure Augenwischerei zu suggerieren, dass es
    in China mehr Meinungsfreiheit geben könnte oder sich die
    Arbeitsverhältnisse der Millionen Wanderarbeiter zum Besseren ändern,
    wenn nur die chinesische Regierung Gespräche mit dem Dalai Lama aufnimmt.”

    Zur tiefergehenden Information verweist der IBKA auf die Website
    gottkoenig.de, auf der umfangreiches kritisches Material zum Amt des
    Dalai Lama, der Menschenrechtssituation im Alten Tibet und zum
    tibetischen Buddhismus zu finden ist.

    Über den IBKA:

    Im Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten e.V. (IBKA)
    haben sich nichtreligiöse Menschen zusammengeschlossen, um sich für
    Trennung von Staat und Religion, Weltanschauungsfreiheit und die
    Förderung des vernunftgeleiteten Denkens einzusetzen.

    Kontakt:

    Rudolf Ladwig, Erster Vorsitzender
    Postfach 1745, 58017 Hagen
    Tel.: 02331-3480410
    Fax: 02331-3480411
    E-Mail: Rudolf.Ladwig@ibka.org
    Web: www.ibka.org