In einem bisher einmaligen Vorgang hat der Vatikan einen für Donnerstag geplanten Besuch des Papstes in der Universität La Sapienza abgesagt. Nicht abreißende Proteste waren dem dramatischen Schritt voraus gegangen – gegen eine Rede, die Joseph Ratzinger vor fast 20 Jahren gehalten hat.
Süddeutsche.de
Ein Wort des Papstes über den „Zerfall“ der Barackenviertel im Armutsgürtel um Rom hatte hier schon vor Tagen genügt, dass die Äußerung im „Corriere della Sera“ als neues „kleines Regensburg“ des Pontifex erkannt worden war. Da hatte eine Erklärung aus dem Vatikan das „Missverständnis“ noch einmal auflösen können. Die neue Entwicklung gleicht nun einem eiskalten Sturmwind, der an allen Blenden des Vatikans rüttelt, wie es unter Johannes Paul II. undenkbar war. Reizfigur Nummer eins ist in diesem Streit für die ungläubige Linke vor allem der intellektuelle Deutsche auf dem Papstthron.
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Doch da hatte schon der auch im Alter noch immer wütend kämpferische Physiker Marcello Cini (84) mit seinem Protest gegen den Redner einen Aufschub des Besuchs auf das bisher visierte Datum erzwungen. Doch auch jetzt führte Dottore Cini die lautstarken Proteste gegen den Fremden erneut an, diesmal mit einer „antiklerikalen Woche“ und einer „frocessione“, wie die junge Elite des Landes einen homosexuellen Protestmarsch nennt (als Wortspiel aus dem vulgären Ausdruck „frocio“ für Schwule und dem Begriff der kirchlichen Prozession „processione“).
Siehe auch Spiegel-Online und insbesondere kreuz.net, dessen Kommentator den linksradikalen Pöbels Roms am Werk sieht.
