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  • 4. Jan. 2008

    Der “neue Atheimus” ist in aller Munde. Dawkins, Hitchens, in Frankreich Onfray und in Deutschland Schmidt-Salomon mit seiner Giordano-Bruno-Stiftung gelten als ihre Vertreter. Was aber ist wirklich “neu” an diesem Atheismus? Die Wahrheit ist: gar nichts. Den sattsam bekannten Argumenten gegen religiösen Glauben wurde nur ein neues Etikette aufgeklebt. Und zwar damit die “neuen” Atheisten selbst, aber v.a. allem die Medien das Paket als Neuheit, als Sensation verkaufen können. Gratis dazu gibts für die Religiösen etwas zum Gruseln oder auch einfach nur ein neues, griffiges Feindbild. Was soll auch an der weltanschaulichen Auseinandersetzung noch “neu” sein, wenn die “Schlachten” längst geschlagen sind? Die Theologie ist tot. Die Gläubigen haben sich derweil in ihrem winzigen philosophischen Schützengraben eingerichtet.

    Genau dort haben sie sich vergraben, wo die Kritik aus Geistes- und Naturwissenschaft sie nicht mehr treffen kann. Marginalisiert in der wissenschaftlichen Wahrnehmung. Ihre Nische besteht in der Unmöglichkeit der Falsifikation von etwas Nichtexistenstem. Trivial, aber doch der Rettungsanker für die Existenzberechtigung der Theologie. Freilich allerdings auf einem Gebiet, das ihnen die an sich säkulare Philosophie zugewiesen hat. In dieser Hinsicht macht die Philosophie auch jeden intellektuell redlichen Atheisten - ob er will oder nicht - zum Agnostiker. Atheisten, die das nicht einsehen wollen, sind den Theologen in die Falle gegangen, sind von ihnen vereinnahmt und stehen gemeinsam mit ihnen auf der Seite der Verlierer.
    Erkenntnistheoretisch blieb dem Glauben nur der Rückzug auf die subjektive Realtität, auf den Mythos. Intersubjektive Relevanz hat das nicht. So verstandene Religion bedeutet nicht mehr, als sich gegenseitig seine Träume der letzten Nacht zu erzählen oder sich über Ästhetik in der Kunst zu unterhalten. Gewiss spannend. Ein Begriff von “Wahrheit” oder besser “Vorhersage” kann allerdings keine Rolle mehr spielen. Die intellektuell redlicheren Gläubigen wissen das. Sie stellen religiöse Ansprüche nur noch an sich selbst, nicht mehr an Andere.
    Und dann gibt es noch die Verdummer, die wahlweise bewusst bzw. mit einem bestimmten Ziel Andere verdummen oder sich selbst. Oder beides. Übrigens auf beiden Seiten.
    Seit vielen Jahren liegen die Karten auf dem Tisch. Die Atheisten haben sich an der Tatsache ergötzt, dass sie “die Schlacht gewonnen” haben. Und das hat ihnen vielfach gereicht. Dieses Bewusstsein gebahr bärbeißige Universitätsdozenten, die religiöse Studenten auflaufen ließen oder sarkastische Satiriker. Oder akademische Karrieristen, die wie selbstverständlich ohne eine Gotteshypothese arbeiteten und gleichzeitig dem obligatorischen Gottesdienst beizuwohnen, den sie ja doch nur als folkloristische Veranstaltung betrachteten - freilich ohne diese, ihre Ansichten allerdings je beim Namen zu nennen.
    Das Weltbild wurde modernisiert, indem die archaischen Gottheiten zurecht aus ihm verbannt wurden. Und man hatte offensichtlich geglaubt, dass das ausreicht. Nun würde die Welt eine vernünftigere, eine rationalere, eine aufgeklärtere. Denn da draußen würde man schon ahnen, dass es so sei und die entsprechenden Konsequenzen folgen lassen. Ein Fehler. Zuletzt ist den Apologeten eines unkritischen Multikulturalismus ebendieser strategische Fehler bewusst geworden:
    Wir meinen, dass es sich so und so verhalte und dass daraus Konsequenzen zu ziehen seien.

    Von Anderen. Man selbst macht weiter wie immer. Irgendwann ist man verwundert, dass niemand irgendwas gemacht hat und alles unter derselben Flagge wie zuvor weitergesegelt ist. Da wundert man sich dann, dass Andere die Konsequenzen gezogen und bereits umgesetzt haben. Allerdings nicht im Sinne dessen, was sich die einstigen Apologeten einmal vorgestellt hatten. Es gibt nämlich nicht nur Interessen, sondern auch “Dritte Wege”. Trampelpfade, die mangels anderer Wege eingelaufen werden und plötzlich einfach “da sind”.
    So haben auch die Atheisten offensichtlich plötzlich festgestellt, dass ihr “Sieg” gar nicht bemerkt wurde. Immer noch nicht. Im Jahre 2008! Da plötzlich werden sie ungeduldig. Richtig sauer. “Das kann nicht sein!” rufen sie. Und nun auf einmal wollen sie das Ruder herumreißen, aufs Ganze gehen. So wie islamophobe Hysteriker die Antwort auf das Laissez-Faire von - ja, von wem eigentlich? - waren, so scheint der “neue Atheismus” die Antwort auf Jahrzehnte der weltanschaulichen Untätigkeit zu sein. Integration ist keine Einbahnstraße? Gewiss! Die Wahrheit allerdings ist, dass überhaupt keine Straßen gebaut wurden. Die Parallelgesellschaften unserer Tage sind keine Straßen, sondern die bereits zitierten Trampelpfade. Monumente der Ignoranz und des Scheiterns zwischenmenschlicher Kommunikation.

    Nein, natürlich sind die “neuen Atheisten” nicht mit den Islamophoben zu vergleichen. Aber auch sie schießen zuweilen übers Ziel. Mal ein bisschen, mal gewaltig. Weil sie glauben, dass sie etwas nachholen müssen. In Deutschland nämlich mindestens 60 Jahre säkulare Entwicklung seit dem grandiosen Scheitern der quasi-religiösen Ideologie des Nationalsozialimus. Doch seitdem hat man sich derweil lieber in Spitzfindigkeiten verloren: Ist man nun Atheist - positiver oder negativer? -, Agnostiker, Humanist, Freigeist, Freidenker, Säkularer, Szientist, Naturalist, hypothetisch-kritischer Rationalist, Skeptiker, eine Mischung aus zweierlei oder gar dreierlei oder gar allem? Oder gar Deist, Pantheist, Konstruktivist, Determinist? Am Ende gar eine neumodisch erhellter “Bright”? Die an sich marginalisierte Gegenseite hats gefreut. Denn niemand hat etwas davon mitbekommen, dass sie marginalisiert wurde: Und das vor langer Zeit.
    Die Handvoll aufrechter Bürokraten unter den Atheisten - allesamt rührige (nach umgangssprachlichem Gebrauch) “Idealisten” - kämpften im Sinne des Gleichheitsprinzips gegen die ungerechtfertigten Privilegien der Kirchen. Für Demokratie, Humanismus, Friede, Menschenrechte. Immer selbst als marginale Minderheit. Obwohl man doch den Kampf ums “Mainstream”-Weltbild längst gewonnen hatte. Es ging ihnen z.B. darum, darauf hinzuweisen, dass die Religion in der Politik nichts zu suchen hätte. Weil das “gefährlich” sei. Gewiss, das ist historisch hinlänglich belegt. Aber geht es darum? Geht es nicht eigentlich darum, dass Religion bzw. “Gott” in der Politik - also der Regelung unseres Miteinander als Gemeinschaftswesen - keine Berechtigung hat? In keiner Hinsicht! Weder historisch, ethisch, sozialwissenschaftlich, psychologisch oder philosophisch. “Gott” und mit ihm seine Anhänger haben alle Schlachten verloren! Was also wollen die Verlierer noch an den Schalthebeln der Macht? Das ist keine Frage von Gesetzen, Konkordaten oder Privilegien, das ist eine Frage von allgemeinem Bewusstsein! Und dort sind die Atheisten nie angekommen.

    Ist es denn nicht eigentlich die Pflicht von staatlicher Erziehung und Bildung, sich am Stand der Dinge zu orientieren? Wie kann eine marginalisierte Idee wie “Gott” aus ihrem winzigen Schützengraben eine solche Wirkung entfalten? Immer noch! Was haben denn die “alten Atheisten” falsch gemacht?
    Sie haben haben geglaubt, dass alles von allein geht, das die Straßen sich von selbst bauen oder zumindest die Trampelpfade weg von der Gottesidee führen. Sie selbst müssten dazu nichts beitragen. Das war der Fehler. Es war ein Fehler der “intellektuellen Eliten” des Landes. Sie waren ignorant, faul, überheblich und selbstgerecht. Sie haben nach der Kapitulation des Gegners vergessen, den Friedensvertrag - in dem selbstverständlich auch die Religion seine verbürgten Recht zugestanden bekommen hätte - aufzusetzen.
    Die Bemühungen der “neuen” Atheisten gleichen dem Bemühen, den nach 1945 unbehelligten Deutschen anno 2007 erklären zu wollen, wie ihre freiheitlich-demokratische Grundordnung aussehen müsste. Ich will aber nicht allein die “deutschen Atheisten” verantwortlich machen, denn das Versagen der Atheisten ist - leider - ein globales Phänomen.
    Gleichwohl - um das abschließend klarzustellen - wünsche ich natürlich allen alten wie neuen atheistischen Bemühungen viel Erfolg.

    12 Kommentare »

    1. theolounge schreibt:

      >> “Die Gläubigen haben sich derweil in ihrem winzigen philosophischen Schützengraben eingerichtet.”

      Ich dachte, ihr hättet den Anspruch, reflektiert zu schreiben ? Ein pauschaleres, undifferenzierteres Urteil kann man sich aber kaum denken. Oder liege ich da falsch ? Was soll zudem an der christlichen Philosophie winzig sein ? Kommt mir nicht wirklich durchdacht vor der Satz, also keineswegs.

      4. Jan. 2008 | #

    2. Patrick Pricken schreibt:

      Der Atheismus hat gewonnen? Wirklich?

      Ich zitiere mal Schulgesetz NRW unter Berufung (= Zitat) auf die NRW-Landesverfassung:
      http://www.schulministerium.nrw.de/Schulgesetz/paragraph.jsp?paragraph=2

      Ehrfurcht vor Gott, (…) zu wecken, ist vornehmstes Ziel der Erziehung.

      Gesetz von 2005.

      4. Jan. 2008 | #

    3. Daniel schreibt:

      theolounge, was ist daran falsch? Eventuell könnte man aus dem “winzigen philosophischen Schützengraben” mehrere “winzige philosophische Schützengräben”.
      Aber letztlich ist es egal; die Erklärung folgt im nächsten Absatz: “Ihre Nische besteht in der Unmöglichkeit der Falsifikation von etwas Nichtexistenstem.” Genau das ist es. Alle positivistischen Argumente sind widerlegt, zumindest ist mir kein noch gültiges Argument bekannt. Ich würde mich freuen, wenn Du eines vorbringen kannst.

      Gruß
      Daniel

      4. Jan. 2008 | #

    4. Erfolge und Rückschläge des Atheismus « Begrenzte Wissenschaft schreibt:

      […] Veröffentlicht in 5. Januar 2008 von kamenin Wieder mal eine Leseempfehlung: Der “neue Atheismus” — eine Polemik beim […]

      5. Jan. 2008 | #

    5. nexuslex schreibt:

      Ich würde mal sagen bis knapp Ende der Neunziger konnte man locker problemlos ungläubig sein um zum Jahrtausend für den apokalyptischen Kitzel nochmal skeptisch nachzufragen. Das Problem ist doch klar der Vormarsch der Gläubigen / Kreationismus,Sharia / , die schleichend an einem Rollback arbeiten. Von Schulen in der Schweiz wo man intelligent design lehren will ,habe ich schon gehört und auch hier wird mit der christlich kulturellen Prägung wieder Politik gemacht.
      Insofern ist es schon angebracht das flying spagetthi monster mal wieder davon berichten zu lassen, das Religion Folklore ist und speziell die heiligen Schriften zu demaskieren.
      Ich unterschätze die Schein-Kämpfe der Abrahamiten, um ihren Montotheismus zum Microsoft der Weltanschauung zu machen, nicht. Harmlose Vertrottelte sehen für mich anders aus.
      Und wenn jeder 2.Prominente hier auch anfängt Gott für alles zu danken, dann muß man schon genauso offen seine Weltsicht vertreten und ihnen klar machen, daß man ihnen höchstens einen unerklärten Gott zugesteht und sie ihre Sprüche mit den längen Bärten bitte vernünftig erklären sollen.
      Finde ich

      5. Jan. 2008 | #

    6. Dirk Schöllgen schreibt:

      …. sorry, aber die Situationsbeschreibung scheint mir - wenn es nicht so traurig wäre - der Witz des beginnenden Jahres 2008. “Gott” alle Schlachten verloren? Theologie tot? Kampf ums “Mainstream”-Weltbild längst gewonnen? Und dann der Passus: “Was also wollen die Verlierer noch an den Schalthebeln der Macht? Das ist keine Frage von Gesetzen, Konkordaten oder Privilegien, das ist eine Frage von allgemeinem Bewusstsein! Und dort sind die Atheisten nie angekommen.” —– Eben! Sondern z.B. an den Schalthebeln der Macht sitzen immer noch ganz andere, die nicht zuletzt Meinung mit beeinflussen und zudem vielfach gesetzliche Regelungen treffen. Um allgemeines Bewusstsein im eigenen Interesse zu gestalten, ist es mit Sicherheit für die Religiösen nicht von Nachteil, dass sie z.B. Fakultäten an staatlichen Hochschulen, “Kirche” als Körperschaft des Öffentlichen Rechts. konfessionellen Religionsunterricht an staatlichen Schulen, Sitz und Stimme in Gremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks besitzen und dass die unvermeidlichen theologischen “Experten” zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen (z.B. Abtreibung, Stammzellenforschung, selbstbestimmtes Sterben) immer wieder mediale Präsenz zeigen dürfen. Natürlich ist es insofern (m.E. sogar in allererster Linie) wesentlich, wie “Religion” nach wie vor politisch-publizistisch-rechtlich in der Gesellschaft abgesichert (wenn man will: privilegiert) ist. Dies gilt gerade dann, wenn man der Überzeugung ist, dass die intellektuellen Debattenschlachten bereits vor längerem zu Ungunsten von Religion geführt wurden. Das Thema “Gott” mag intellektuell erledigt sein, aber offenbar interessiert dies weltweit Millionen von Menschen keinen Deut! Und selbst in der allgemeinen scientific community würde es heute m.E. keine durchgängige Akzeptanz für eine solche “Erledigt-These” geben. Ob es hilfreich bzw. zutreffend ist (! — ggf. “glauben” die wirklich irgendwie), solche Leute nur zu “akademischen Karrieristen” zu erklären, sei dahingestellt.
      Wie dem auch sei: Der Friedensvertrag, von dem “Wolfgang” spricht, wurde keineswegs vergessen, sondern nennt sich (bei uns in Deutschland) Grundgesetz und beinhaltet eben die grundrechtliche Garantie von negativer/positver Religions- bzw. Weltanschauungsfreiheit. Religiöse dann quasi durch - so verstehe ich die wohl eher rhetorische Frage - ein Machtwort („Geht es nicht eigentlich darum, dass Religion bzw. “Gott” in der Politik - also der Regelung unseres Miteinander als Gemeinschaftswesen - keine Berechtigung hat? In keiner Hinsicht! Weder historisch, ethisch, sozialwissenschaftlich, psychologisch oder philosophisch.“) davon abhalten zu wollen, gesellschaftliche Verhältnisse im Sinne ihrer Ideologie (mit-) zu gestalten, würde m.E. rechtlich auf eine Grundrechtsverletzung hinauslaufen und inhaltlich voraussetzen, dass zumindest die übergroße Mehrheit der Gesellschaftsmitglieder diese eben Religion und Politik kategorial abgrenzende Auffassung teilt. Letztere Annahme scheint mit Blick auf den Status quo äußerst unrealistisch. Einem Religiösen/einer religiösen Vereinigung, die ihre Ansichten auf demokratische Weise (!), also über die Mechanismen politischer Willensbildung und dann allgemeingültiger Gesetzgebung, am Ende (in mehr oder weniger reiner Form) zum für die Gesamtgesellschaft gültigen Gesetz werden lassen wollen, ist dies, falls es politisch gelingt, leider kaum vorzuwerfen - es sei denn, man stellt die demokratisch verfasste Gesellschaft insgesamt in Frage. Solche Art „Meinungsdurchsetzung“ versuchen z.B. Gewerkschaften, Pharma-Unternehmen, Kinderschutzbund, Naturschutzorganisationen, Autofahrervereine etc. in gleicher Weise.
      M.E. bedeutet dies auch, dass kein Weg und kein Lamento über die Wiederbelebung alter Debatten daran vorbeiführt: Allein der gesamtgesellschaftliche “Prozess” ist heute der notwendige und legitime Ort der Auseinandersetzung! Daher ein Lob den „Bürokraten“, die versuchen, gut aufklärerisch den Einfluss von Religion in der Gesellschaft mit politisch-publizistisch-rechtlichen Mitteln zurückzudrängen – was mitunter frustrierend genug sein dürfte, denn so winzig ist der religiöse „Schützengraben“ beileibe nicht, und ohne Garantie auf Erfolg! Und ein Lob für Dawkins u.a., dass es ihnen - vielleicht - gelingt/gelungen ist, das allgemeine Bewusstsein ein wenig aufzustören. Dass dabei alte Debatten wiederholt und dabei vielleicht sogar ein wenig für ein breiteres Publikum popularisiert werden, ist m.E. das Schlechteste nicht …… nicht jeder Heutige ist zwangsläufig mit den „großen“ Diskussionen der Vergangenheit vertraut.

      6. Jan. 2008 | #

    7. theolounge schreibt:

      @daniel

      >> “Ihre Nische besteht in der Unmöglichkeit der Falsifikation von etwas Nichtexistenstem.” Genau das ist es. Alle positivistischen Argumente sind widerlegt, zumindest ist mir kein noch gültiges Argument bekannt. Ich würde mich freuen, wenn Du eines vorbringen kannst.

      Also da unterschätzt Du etwas die Geschichte der christlichen Philosophie. Zudem ist das ein reines Strohmannargument, was Du vorbringst. Geht genauso gut umgekehrt, ohne da jetzt weiter einsteigen zu wollen.
      Einen ziemlich kleinen Abriß nur über christlich-philosophische Gedanken:

      http://theolounge.wordpress.com/2008/01/08/gottesbeweise-beweisen-was-unbeweisbar-ist/

      8. Jan. 2008 | #

    8. daniel schreibt:

      Hallo theolounge,

      danke für Deine Antwort. Eigentlich unterschätze ich die Argumente nicht. Aquins Kausalitätsbeweis ist mir wohl bekannt und, wie oben geschrieben, widerlegt.

      Leider ist die Version in der verlinkten PDF logisch nicht logisch korrekt beschrieben. Wenn Du mir eine logisch saubere Version gibst (Prämisse 1, Prämisse 2, .. , Conclusio 1, Prämisse X, usw.), zeige ich Dir einen logischen Widerspruch oder eine ungültige Prämisse.

      So kann ich allgemein nur die übliche Kritik anbringen: Punkt 3.3 ist willkürlich gewählt, keine Prämisse, die nicht inhärent eine Erstursache ausschließt, verlangt eben diese. Wenn doch, bitte genau benennen, ich habe sie in dem Text nicht gefunden. Durch die Lücke in 3.3 gilt für 3.4 schlicht non sequitur. Der Rest ist damit hinfällig.
      Selbst wenn das nicht gelte, woraus folgt dann, dass “Gott” die Erstursache ist? “Gott” kann seiner/ihrerseits geschaffen worden sein. Gott1 schafft Gott2, legt sich schlafen, begeht Selbstmord, whatever. Gott2 schafft Gott3, usw.
      Wenn es also einer Erstursache bedarf und diese sich nicht selbst verursachen darf, wieso kann das Universum wie es leibt und lebt nicht Erstursache sein, sagt ja niemand dass das Universum sich selbst schaffen muss, es sei denn, dass Gott sich selbst geschaffen haben muss, was aber eben die im Text beschriebene Prämisse verletzt. Jetzt kann man das Universum natürlich Gott nennen, aber diesen Pantheismus kann man nicht wirlich christlich nennen und er ist in seiner Natur eine unnötige Homologie.

      Was die Frage nach dem Strohmannargument ist, verstehe ich das nicht. Wer einen (christlichen) Gott postuliert, muss seine Existenz auch begründen. Ich postulieren keinen Gott, schließe aber auch keinen kategorisch aus. Nur sind mir die bekannten Begründungen zu mau, als dass ich sie als ausreichend betrachte die Existenz eines Gottes anzunehmen. Das nur um meine Position hier klarzustellen. Ich behaupte nun, dass mir bisher keine solche Begründung zu Ohren gekommen ist, was kein Strohmannargument ist. Es stimmt.

      Gruß
      Daniel

      10. Jan. 2008 | #

    9. theolounge schreibt:

      Ein Strohmannargument (http://de.wikipedia.org/wiki/Strohmannargument) ist es in sofern, als behauptet wurde, die christliche Philosophie halte sich in “winzigen philosophischen Schützengraben” auf, was definitiv den Kern der Sache komplett verfehlt. Die christliche Philosophie hat eine unglaublich facettenreiche Geschichte und ist außerordentlich umfangreich, zudem gibt es innerhalb dieser Denkrichtung unglaublich viele Richtungen.

      Das mit Gott oder Nicht- Gott ist ähnlich: ihn zu negieren ist nicht plausibler, als ihn zu postulieren. Wie er sich dann manifestiert, ist eine andere Frage. Die Religionen haben darauf je andere Antworten gefunden. Die des Christentums ist die, dass er etwas von sich selbst gezeigt hat.

      Das kausale Denken spielt insgesamt eine wichtige Rolle, weil der Mensch nicht anders zu denken in der Lage ist. Die Kausalketten hören jedoch spätestens mit dem Rätsel des Urknalls auf, aber auch schon bei philosophischen Betrachtungen des Bewußtseins (ich spreche jetzt nicht naturwissenschaftlich von neuronalen Netzen, weil dies nur eine kleine Teilantwort des Problems ist) und auch bei der Frage, ob die Unendlichkeit existiert, oder ein Konstrukt ist.

      10. Jan. 2008 | #

    10. Minerva schreibt:

      theolounge: “Das mit Gott oder Nicht- Gott ist ähnlich: ihn zu negieren ist nicht plausibler, als ihn zu postulieren.”

      Ist dem wirklich so? Gibt es tatsächlich eine Art 50:50 Chance für die Existenz von Zeus, Santa Claus, Succubi und Leprechauns? Oder hat die Unwiderlegbarkeit von Unwiderlegbarem nicht doch eine vollkommen andere Qualität als das Unwiderlegtsein von Widerlegbarem? ;)

      11. Feb. 2008 | #

    11. sapere aude » Blog Archive » Eine gottlose Veranstaltung schreibt:

      […] Der “neue Atheismus” - Eine Polemik: Was haben denn die “alten Atheisten” falsch gemacht? Sie haben haben geglaubt, dass alles von […]

      5. Mrz. 2008 | #

    12. theolounge schreibt:

      http://theolounge.wordpress.com/2008/03/28/die-theolounge-hat-geburtstag/

      29. Mrz. 2008 | #

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