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  • 19. Dez. 2007

    Gott bewegt die Deutschen und die Welt” titelte kürzlich die Welt und schrieb weiter: Eine umfassende Studie zur Religiosität widerlegt die Annahme, dass der Glauben in Deutschland in die Bedeutungslosigkeit abrutscht. Der humanistische Pressedienst hat die Studie gründlich unter die Lupe auseinander genommen.

    Welt.de
    Die Deutschen sind religiöser als bislang angenommen. Religion ist für 70 Prozent der deutschen Bevölkerung über 18 Jahren bedeutsam. Fast jeder fünfte Deutsche ist sogar tiefreligiös. Er besucht regelmäßig Gottesdienste, betet häufig und beschäftigt sich intensiv mit religiösen Fragen. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende internationale Studie der Bertelsmann Stiftung, deren Ergebnisse WELT ONLINE vorliegen.

    Der humanistische Pressedienst entzaubert das wirre Machwerk der Bertelsmann-Stiftung gründlich. Unter der Überschrift “Terminologische Trickkiste” schreibt Carsten Frerk:

    Auch die Anfragenden beim Humanistischen Pressedienst – ob die Ergebnisse dieser Studie denn stimmen würden –, können sich wieder zurücklehnen. Die Darstellung der Ergebnisse ist nur ein verbaler Trick der Öffentlichkeitsarbeit der Bertelsmanns-Stiftung.

    In der Studie werden für die Religiosität der Befragten drei Gruppen unterschieden: Nicht-Religiös - Religiös - Hoch Religiös. Nennt man diese drei Gruppen weniger spektakulär: Nicht religiös - Religiös indifferent/unentschieden - Religiös, dann entspricht das dem Sprachgebrauch und den Ergebnissen, die in der empirischen Sozialforschung schon seit Jahren vorliegen.

    Petra Daheim zeigt in ihrem Beitrag auf, wie die Bertelsmann-Stiftung das gewünschte Ergebnis manipuliert, indem durch geschickte Fragen auch der beinharte Atheist der Gruppe der religiösen Menschen zugeschlagen werden:

    So geschieht denn auch das Wunder, dass bereits die erste Frage („Wie oft denken Sie über religöse Themen nach?”) jeden interessierten Atheisten der sich mittels Lektüre der Kriminalgeschichte des Christentums in religiösen Fragen fortbildet, zum Hochreligiösen mutieren lässt. Ganze 5 Punkte bringt die ehrliche Antwort ein. Respekt ihr Bertelsmännchen, dass habt ihr aber geschickt eingefädelt.

    Bei Frage zwei („Wie stark glauben Sie daran, dass es Gott oder etwas Göttliches gibt?”) kann man dann auch als Atheist mit gutem Gewissen für sein „gar nicht” nur einen Punkt für „nicht religiös” einstreichen.

    Bei Frage drei (Wie häufig nehmen Sie an Gottesdiensten …. oder religiösen Handlungen teil?”) kommt man als Gottloser ins Überlegen. Die Beerdigungsfeier für die verstorbene alten Tante in der Kirche – war das nun ein Gottesdienst? Mmh, zumindest eine religiöse Feier. Und wenn ich am 24.12. abends wieder den Opa mit seinem Rollstuhl in die Kirche fahre und dann dort bei ihm bleibe – dann ist das eindeutig die Teilnahme an einem Gottesdienst. Also Antwort: „selten / wenig”, das bringt 2 Punkte.

    […]

    Und siehe da Hurra, Hurra, der Gottlose erhält 15 Punkte und ist richtig „religiös”, ein echter Schenkelklopfer. Und: „Religiös” wäre man auch ohne kalte Füße (mit 12 Punkten) gewesen.

    Quellen:

    hpd-Online: „70 % der Bundesbürger religiös”? Nein.
    hpd-Online: Märchenstunde bei Bertelsmann

    5 Kommentare »

    1. Norbert schreibt:

      Natürlich ist es äußerst gewagt anhand von 5 banalen Fragen die Religiösität eines Menschen einzuschätzen, aber die Bewertung der Autorin Petra Daheim vom HPD schießt da wohl etwas über ds Ziel hinaus.
      In dem Originalbeitrag (hier nicht zitiert) wird behauptet, dass man (also der Durchschnittsatheist, wenn es so was überhaupt gibt) die Frage “Wie häufig beten Sie? Wie häufig meditieren Sie” angesichts seines autogenen Trainings gegen kalte Füße mit “gelegentlich” und die Frage “Wie oft erleben Sie Situationen, in denen Sie das Gefühl haben, mit Allem Eins zu sein?” mit “ziemlich oft” beantwortet.
      Also meines Erachtens zielen diese Fragen eindeutig auf spirituelle Erfahrungen und würden von einem Atheisten maximal mit “selten” beantwortet. Und wenn man dann zugibt, dass man nicht sehr oft sondern nur oft über Religion nachdenkt, dann gilt man auch bei Bertelsmann als nicht religiös und die Welt ist wieder in Ordnung.

      19. Dez. 2007 | #

    2. Kival schreibt:

      Ich denke auch, dass man schon ziemlich konstruieren muss, um als bewusster Atheist als wirklich gläubig daherzukommen. Ich komme allemal auf 8 Punkte. Allerdings sind einige Fragen für einen Atheisten eigentlich gar nicht beantwortbar, wo ich dann “nie/stimme gar nicht zu” schrieb, obwohl es genaugenommen nichtmal das ist.

      24. Dez. 2007 | #

    3. Peter Schmidt schreibt:

      Zu Zahlenschieberei Frage 2: Mehr oder weniger freiwillig wohne ich mit meiner Familie neben einer Kirche in Goldbach. Einerseits komme ich zu Fuß auf meine Arbeitsstelle und unsere schulpflichtige Tochter zu Fuß zur Schule, also nur aus finanziellen Gründen.
      Wir sind TOP-Atheisten, sind wir dann trotzdem rligiös, wenn wir jeden Tag ab 6.30Uhr, mittags 12Uhr, abends 18Uhr, Montags zusätzlich morgens 8 Uhr, Mittwochs ab 17-18Uhr, Freitags von 17-18 Uhr Samsags von 17-18Uhr , Sonntags von 9-9.45 Uhr, Sonntags von 17- 17.45Uhr, außer dem Zeitschlagen sowie des Pfarrers privatem Glockenspiel, welches meherere Male am Tag, bis nach 20 Uhr läutet, wobei die Glocken extrem zwischen 2 Minuten bis 5,5 Minuten schlagen und in dieser Zeit kein Fernsehen, Unterhaltung, auch bei geschlossenen Fenstern möglich ist. Und, und und!!! Also Null Punkte!

      30. Dez. 2007 | #

    4. Norbert schreibt:

      @Peter Schmidt :
      Was genau wolltest Du denn mit deinem Beitrag ausdrücken?

      30. Dez. 2007 | #

    5. andro schreibt:

      Die Unterteilung in 3 Gruppen ist schon deswegen fraglich, weil sie verschiedene Zielsetzungen erfüllen: sie testen auf Religiösität und auf den Graf der Religiösität (religös und besonders religiös).

      Im Übrigen besteht kein Grund zur Annahme, dass die Befragten ihre Religiösität verstecken - und eine direkte Frage vorsätzlich falsch beantworten würden. Aber die Befragungsmethoden und Qualitätsprüfung solcher Studien sind aus statistischer Sicht keine Herausforderung. Dass solche Studien ihren Weg in die Medien finden, ist schon sehr peinlich.

      28. Mrz. 2008 | #

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