Letzte Woche berichtete ich vom Vorhaben der ÖVP angesichts der hohen Kirchenaustrittszahlen und Religionsabmeldungen einen verpflichtenden Ethikunterricht für bekenntnisfreie Schüler einzuführen, der von Religionslehrern gehalten werden soll. Der Verdacht, dass die Kinder von Ungläubigen unter dem Deckmantel eines Ethikunterrichts missioniert werden sollen, drängte sich auf.
Diesen Montag erklärte der frühere Nationalratsabgeordnete der ÖVP, Josef Höchtl, in seiner aktuellen Funktion als Vorsitzender des Österreichischen Vereins für Völkerverständigung (ÖVfV) offenbar ganz unverblümt, dass der Ethikunterricht in der Tat im Kontext eines Remissionierungsprogramms steht.
Bei der gestrigen Pressekonferenz im Café Landtmann präsentierte Höchtl eine so genannte Studie, deren kolportierter Inhalt vor allem darin bestand, dass die Zahl der Muslime nun die Zahl der Protestanten in Österreich vermutlich übersteigen würde. Offenbar kann man heutzutage eine simple Fortschreibung der Volkszählung von 2001 mit viel Medienecho als “Studie” verkaufen.
Gegen die weitere rasante Zunahme an bekenntnisfreien Österreichern empfahl Josef Höchtl ein Bündel an Maßnahmen. Dazu gehört für Höchtl neben einem verbessertern Religionsunterricht eben auch der verpflichtende Ethikunterricht für Bekenntnisfreie. Weiters forderte Höchtl von den Christen Österreichs, zur Kirche zu stehen und einen neuen Missionseifer zu entwickeln.
“Frag nicht, was die kirchliche Führung für dich tun kann, sondern was du zur Vermittlung von christlichen Werten beitragen kannst”, mahnte Höchtl.
Einen Ansporn für die Mission schöpft Josef Höchtl aus der letzten Jugendwertestudie. Denn laut dieser, im Jahre 2006 durchgeführten Studie, bekannten sich 70% der befragten Jugendlichen zum Glauben an Gott, während die Vergleichszahl aus dem Jahre 2000 nur bei 50% lag.
Da sollte sich Höchtl aber nicht zu früh freuen. Denn diese Studie wurde vom Institut für praktische Theologie der Universität Wien durchgeführt. Die Leiterin des Instituts und Autorin besagter Studie, Regina Polak, gehört zu jenen, die krampfhaft eine Wiederkehr der Religion durch den 11. September herbeischreiben und ihre diesbezüglichen Bücher verkaufen wollen. Die Co-Autorin Ingrid Kromer war früher Bildungsreferentin der katholischen Jugend Österreichs.
Die Objektivität solcher Umfrageergebnisse ist also anzuzweifeln und darüber hinaus ergab die Befragung beispielsweise auch, dass der Anteil der wöchentlichen Kirchgänger unter den Jugendlichen seit dem Jahr 2000 von 9% auf 5% sank.

Die Zeitschrift “Profil” schreibt zu dieser Studie: “Bemerkenswert: Nur jeder zweite Katholik gibt an, er glaube, es gebe einen Gott.”
In “Österreich” ist davon allerdings nichts mehr zu lesen, dafür gibt dort Weihbischof Laun Lösungsvorschläge, wie die Katholiken an der Geburtenfront wieder vorwärts kommen könnten.
Abtreibungen sieht er als Hauptproblem, diese gehören natürlich verboten.
Und auch Empfängnisverhütung ist mit schuldig.
Hier ist bei der Erziehung anzusetzen. “Junge müssen besser zur Ehe hingeführt werden.”
11. Dez. 2007 | #
Und wieder mal peitscht einer die Kampfphrase “christliche Werte” ins Volk. Was diese genau sein sollen bleibt unklar, ebenso wie sich ein Mangel dieser auswirken würde.
13. Dez. 2007 | #