Der bekanntermaßen erzkatholische ÖVP-Chef und Vizekanzler Wilhelm Molterer, den die Weltanschauung der österreichischen Bürger nichts anzugehen hat, erklärte in einer skandalösen Pressekonferenz letzten Freitag, dass ihn die zunehmende Bekenntnisfreiheit der Österreicher besorge.
Wir haben festgestellt, dass es zu Abmeldungen in einem bedenklichen Ausmaß kommt. … Und es gibt in Österreich immer mehr Kinder ohne Bekennntis.
Nicht nur das, auch die angeblich zunehmende von Gewalt an den Schulen, wurde in die Nähe dieses Phänomens gerückt. Belege für einen Zusammenhang gibt es freilich keine.
Wenn die deutschen Zahlen auf Österreich übertragbar sind, dann dürfte ein überproportionaler Anteil der Gewalttäter eher dem muslimischen Glauben angehören. Und die Kinder der Muslime sind in Österreich ja schon mit einem staatlich finanzierten Religionsunterricht versorgt, in dessen Lehrplan ein strikter Islam, inklusive der verfassungswidrigen islamischen Staatsordnung gelehrt wird.
Molterers Plan ist es nun, einen Ethik-Unterricht einzuführen, der für bekenntnisfreie Schüler verpflichtend wäre. Als das mittlerweile kaum noch bedeutende Liberale Forum von Heide Schmidt mitte der 90er Jahre einen Ethikunterricht forderte, war die ÖVP noch entschieden gegen dieses Vorhaben.
Die Strategie Molterers ist also nur ein verschleierter Versuch, Ungläubige christlich zu missionieren. Denn der Ethikunterricht soll einfach von den vorhandenen christlichen Religionslehrern gehalten werden. Das würde auch bedeuten, dass junge Menschen, die Ethiklehrer werden wollen, auf der religionspädagogischen Akademie Christentum studieren müssten. Damit werden die Leherer weltanschaulich vorselektiert und der Unterricht kann folglich nicht weltanschauungsneutral ausfallen. Oder wer glaubt ernsthaft, dass Personen, wie der im letzten Blogposting von mir vorgestellte Herr “pfaffenheini” sich mit seinem christlichen Überzeugungen zurückhalten könnte?
Vermutlich hat die ÖVP hier neben einer Rechristianisierung auch eine Arbeitsplatzsicherung für die häufig ÖVP-nahen Religionslehrer im Sinn.
Ein Ethik-Unterricht sollte, wenn, dann verpflichtend für alle Schüler sein und von religionsunabhängig geschulten Lehrern gehalten werden. Finanzieren könnte man das, indem man den staatlich finanzierten, bekenntnisgebundenen Religionsunterricht abschafft.

[…] Woche berichtete ich vom Vorhaben der ÖVP angesichts der hohen Kirchenaustrittszahlen und Religionsabmeldungen […]
11. Dez. 2007 | #