• SkepTicker.org

  • Kategorien

  • Archiv

  • Meta

  • 9. Nov. 2007

    Eine weitere Blogempfehlung:

    Der Journalist Stefan Niggermeyer in seinem Blog über die Anti-Islam-Seite “Politically Incorrect”. Den aktuellen Beitrag “Factually Incorrect (3)” über PI beginnt Niggermeyer mit den Worten:

    Was mich fasziniert an dem islamfeindlichen Blog „Politically Incorrect” und ähnlichen Seiten: Wie jede Falschmeldung ihre Glaubwürdigkeit noch erhöht.

    Diese Paradoxie beruht auf dem Ur-Mythos der Seite, der sich schon im Namen ausdrückt: der Annahme, dass die etablierten Massenmedien uns ausgerechnet die vitalen Informationen vorenthalten und die Wahrheit im Zweifelsfall nur auf „PI” steht.

    Sein Fazit:

    Mit anderen Worten: Alles, was ausschließlich auf „PI” zu dem Thema steht, ist deshalb exklusiv, weil es falsch ist. Aber so nimmt das der „PI”-Leser nicht wahr. Gerade die Tatsache, dass die spannendsten Informationen (Betrug! BILDblog kaum noch Leser!) nirgends sonst stehen als bei „PI” und in deren Dunstkreis, lässt ihn nicht am Wahrheitsgehalt der Informationen und der Seriosität der Quelle zweifeln, im Gegenteil: Es bestätigt ihn darin, dass alle anderen Medien unter eine Decke stecken und diese Informationen unterdrücken.

    Jede Meldung, die deshalb ausschließlich auf „PI” steht, weil sie nicht stimmt, erhöht die Glaubwürdigkeit von „PI” – mehr noch: Sie bestärkt den Glauben der „PI”-Leser an die Unverzichtbarkeit dieser Quelle. Sie schreibt, was andere sich nicht zu schreiben trauen. Interessanterweise schadet es „PI” auch nicht, wenn eine Meldung ebenfalls in den Massenmedien zu finden ist. Das beweist dann nur, dass die Wahrheit sich selbst von den etablierten Medien nicht mehr immer verheimlichen lässt – und bestätigt scheinbar die Richtigkeit auch all der Meldungen, die nirgends sonst stehen.

    Das ist ein ebenso faszinierender wie beunruhigender Effekt, der nicht nur „PI” betrifft: Sobald ein Medium sich erfolgreich als Stimme etabliert hat, die die wichtigen Dinge ausspricht, die alle anderen verheimlichen, ist es fast egal, was es berichtet: Seine Leser werden es glauben, und ähnlich wie bei den Anhängern von Verschwörungstheorien gibt es fast keine Möglichkeit, mit Argumenten und Tatsachen daran etwas zu ändern. Es ist ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt.

    Fans und Kritiker von PI seien auch noch zwei ältere Beiträge aus Niggermeyers Blog zum Thema ans Herz gelegt: “Factually Incorrect (2)” und ganz besonders “Factually Incorrect“, in dem anhand mehrerer Besipiele die Vorgehensweise von PI analysiert wird.

    1 Kommentar »

    1. Martina schreibt:

      was niggermeyer beschreibt ist der mechanismus, der verschwörungstheorien am leben und laufen hält: sie müssen eben deswegen wahr sein, weil “sie” (der mainstream, die etablierten medien, die politiker - you name it, you have it) sagen, dass alles blödsinn ist. man kann sich dann als insider und privilegierter fühlen und auf die dumpfe masse herabschauen, die alles für wahr hält, was sie von “ihnen” vorgesetzt bekommt. das klappt überigens auch bei rechtspopulitischer politik recht gut: eine “political correctness” herbei delirieren, gegen die man dann umso besser “rebellieren” kann.

      11. Nov. 2007 | #

    Kommentar schreiben

    RSS-Feed für diese Kommentare. | TrackBack URI