Volker Beck bedauert die missverständliche Wortwahl in der Causa “Hassprediger Kardinal Meisner”. Offebar treibt ihn weniger die Androhung rechtlicher Schritte durch das Bistum, das in einem ähnlichen Fall gegen den Kabarettisten Jürgen Becker eine einstweilige Verfügung erwirkt hatte.
Meine Verwendung des Begriffs „Hassprediger“ hat Missverständnisse hervorgerufen. Das bedauere ich.
Kardinal Meisners Äußerungen enthalten keine Aufforderung zu Gewalt und nichts liegt mir ferner als ihn in die Nähe von Terroristen oder Selbstmordattentätern zu rücken. Dies hatte ich auch bereits am Wochenende betont.Ich würde den Begriff „Hassprediger“ in diesem Zusammenhang nicht mehr benutzen, weil er – wie mir durch die Reaktionen nunmehr klar geworden ist – von vielen ausschließlich im Zusammenhang mit der Aufstachelung zu Gewalttaten und Morden in Verbindung gebracht wird. Dies wollte ich Kardinal Meisner selbstverständlich zu keinem Zeitpunkt unterstellen. An der inhaltlichen Kritik an seiner Predigt habe ich allerdings nichts zurückzunehmen:
Kardinal Meisner mag keine Frauen, die abgetrieben haben, Homosexuelle und alle anderen Menschen, die außerhalb der Ehe Sexualität leben oder zusammenleben. Im Gegenteil er empfindet gegenüber solchen Menschen eine leidenschaftliche Abneigung und Verachtung. Für gewöhnlich nennt man eine solche leidenschaftliche Abneigung Hass. Ausschließlich auf diese Herabwürdigung wollte ich mit meiner Äußerung aufmerksam machen.Was er über Frauen, die abgetrieben haben, und über Menschen, die andere Lebensformen leben als die Ehe, gesagt hat, ist und bleibt eine Unverschämtheit.
Becks Kotau vor dem katholischen Klerus ist offenbar der grünen Parteiräson gechuldet, wie auch die taz vermutet:
Das aber ging dem grünen Mainstream an der Fraktionsspitze zuweit. Darauf geeicht, keinen fundamentalen Streit mit den christlichen Hauptkirchen zu suchen, erklärte Reinhard Bütikofer nun gestern, er bedaure Becks Wortwahl, wobei er in der Sache seinem Fraktionskollegen Recht gebe. Doch wäre es “schade”, würde der “konstruktive Dialog” mit der Kirche im Hinblick auf Umwelt- und Klimapolitik, auf Stammzellforschung und Entwicklungspolitik aufs Spiel gesetzt. Neulich erst musste Bütikofer Claudia Roth aushalten, als diese den Augsburger Bischof Walter Mixa wegen seiner Reden zur Abtreibungsfrage einen “durchgeknallten, spalterischen Oberfundi” nannte. Aber seine ranggleiche Kollegin im Sprecheramt der Bundesgrünen konnte Bütikofer nicht rüffeln: Beck sehr wohl.
