Derzeit versuchen christliche Gruppen den medialen Großangriff auf deutsche Fußballstadien. „Christliche Fan-Clubs breiten sich in den deutschen Fußballstadien aus“, vermeldet die EKD. Sie sorgten „dort für gegenseitigen Respekt, Toleranz und Friedfertigkeit.“ Anderer Auffassung ist allerdings der Weltfußballverband FIFA, der aus Gründen der präventiven Deeskalierung brisanter Duelle religiöse Symbole gänzlich verboten hat. Auch die schottische Regierung sah sich jüngst genötigt, eine Kampagne gegen religiöse Intoleranz ins Leben zu rufen, denn die dortigen religiösen Hassduelle z.B. zwischen den Glasgower Fußballclubs „Rangers“ (protestantisch) und „Celtic“ (katholisch) sind legendär und fordern immer wieder Opfer.
Religiös motivierte Beleidigungen und teilweise auch Gewalt sind von Israel bis zu den britischen Inseln an der Tagesordnung und vermischen sich immer wieder mit rassistischen und antisemitischen Versatzstücken. Da mag es wenig helfen, wenn „christliche“ Fan-Klubs wie die „Totale Offensive“ (HSV) oder „TORa ET LABORA“ (Köln) ihre Mitglieder – neben dem Bekenntnis zum Glauben - vor allem darauf verpflichten, keine Toleranz für Rassismus, Beleidigungen, Suchtverhalten und Gewalt zu zeigen. Denn wenn, wie kath.net berichtet, z.B. im Hamburger Stadion ein Transparent mit dem Slogan „Jesus heilt“ gezeigt wird, so ist dies – je nach Herkunft des Gegners und trotz aller “guten” Absichten der christlichen Fans – dazu geeignet, auswärtige Fans zu provozieren und nimmt dafür zudem die große Masse der eigenen Fans in Mithaftung.
Leider scheint sich auch DFB-Präsident Zwanziger nicht daran zu stören, dass nach den Rechtsextremisten nun auch missionswütige Christen den öffentlichkeitsstarken Fußball als Rekrutierungsraum für sich entdeckt haben – besonders seit der WM2006. So wirkt es etwas naiv, wenn Zwanziger sich verspricht, dass „die Christen einen Beitrag dazu leisten, dass die Fan-Kultur von Respekt, Toleranz, Friedfertigkeit und Fröhlichkeit geprägt werde“. Denn wenn es tatsächlich nicht vor allem um “Mission”, sondern um den Kampf gegen Diskriminierung und Gewalt ginge, könnten sich die Christenfans auch im Rahmen der zahlreichen bestehenden Fan-Initiativen und Organisationen wie BAFF, FARE oder den Fan-Projekten engagieren.
Gruppierungen wie z.B. die „Saints of Football“ um den „TV-Journalisten und Filmemacher“ David Kadel schalten Internetsites wie www.fussball-gott.com, schreiben „Fußball-Bibeln“ und akquirieren prominente Unterstützer. Kadel nennt auf seinen diversen Websiten u.a. Gerald Asamoah (Schalke 04), Zé Roberto (Bayern München), Cacau (VfB Stuttgart), Lucio (Bayern München), Marcelo Bordon (Schalke 04), Marco Rose (Mainz 05), Dirk Heinen (VfB Stuttgart), Du-Ri Cha (Eintracht Frankfurt), Dr. Markus Merk (Schiedsrichter) und Jürgen Klopp (Trainer Mainz 05).
Bei dem, was dort zum Besten gegeben wird, handelt es sich allerdings in den allermeisten Fällen um triviale Missions- und Erbauungsprosa hinlänglich bekannter Machart. Neu ist lediglich, dass die Verbundenheit der Fans zum Verein und zum christlichen Spieler gezielt ausgenutzt werden soll. Während niemand auf die Idee käme, prominente Fußballer für ihr privates religiöses Bekenntnis zu kritisieren, wirkten die zahlreichen öffentlichen Zurschaustellungen dieses Bekenntnisses im Stadion so deplatziert und aufdringlich, dass sie mittlerweile offiziell verboten wurden. Und so gehören Unterziehhemden mit religiösen Sprüchen nunmehr der Vergangenheit an. Doch selbst dieses Verbot wird kreativ umgangen und so ließ sich der Schalker Kapitän Marcelo Bordon den Spruch „Jesus ist meine Kraft“ auf seinen Rücken tätowieren – der nächste Trikottausch steht an.
