Colorado-Springs - Ted Haggard, der über einen Sexskandal gestürzte Evangelikalen-Pastor, erregt durch einen Spendenaufruf zur Finanzierung seines Studiums erneut den Unmut seiner Gemeinde.
Die Vorgeschichte:
Ted Haggard, ehemals einer der einflussreichsten Figuren der evangelikalischen Christen in den USA, verfügte seinerzeit nicht nur über einen direkten Draht zu Gott sondern hatte laut eigener Angaben auch beste Kontakte zu Präsident Bush, den er wöchentlich beriet . Manche werden ihn aus Richard Dawkins Dokumentation ‘The Root of all Evil’ von 2006 kennen, in der er nach Beendigung des Interviews im Jesus Camp, Dawkins sehr aufgebracht von seinem Grund verwies (”You called my children Animals“). Haggard hatte sich zuvor nicht gerade als Befürworter von Homosexualätit gezeigt. In seiner Funktion als Präsident der evangelikalen Organisation ‘National Association of Evangelicals’ führte er einen erbitteerten Kampf insbesondere gegen Abtreibung und Homo-Ehe. Um so größer war das Entsetzen als Ende 2006 ein Callboy in die Öffentlichkeit trat und bekannte Haggard habe ihn drei Jahre lang für Sex bezahlt. Nach einer recht kurzen Phase des Leugnens gab Haggard alle seine Ämter frei und bekannte sich schließlich zu seinen Sünden. Es folgte die Phase der Läuterung und schließlich zog er sich ganz ins Privatleben zurück.
Nun hat Haggard sich wieder zurückgemeldet:
In einem offenen Brief macht er bekannt, dass er und seine Frau sich an der Universität von Phönix einschreiben um dort Psychologie zu studieren. In seinem Schreiben, das zuerst auf der Webseite des TV-Kanals KRDO auftauchte und an zahlreiche weitere Medienvertreter und Unterstützer ging, macht er auf seine prekäre Lage aufmerksam: Er sei als Vollzeit-Student eingeschrieben und deshalb zwei Jahre lang nicht in der Lage seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Daher suche er nach Personen, die bereit sind ihm auf monatlicher Basis dabei helfen sich und seiner Familie über Wasser zu halten. (Download des ganzen Schreibens als Word-Dokument)
‘The Gazette‘, eine Tageszeitung in Colorado Springs, Haggards Heimatgemeinde, berichtete über dieses Anliegen mit Verwunderung. Haggard habe allein im Jahr 2006 $338.000 für seine Tätigkeit in der Gemeinde bezogen und besitze ein Haus im Wert von $715.051 in Colorado Springs.
Das Online-Magazin Slog, ein Ableger der in Seattle erscheinenden Zeitschrift ‘The Stranger‘, berichtet nun über weitere Merkwürdigkeiten in diesem Fall: Haggard bittet in seinem Schreiben nämlich darum Schecks mit Spenden an eine gemeinnützige Organisation namens ‘Families With a Mission‘ zu schicken. Diese behalte nur 10% des Betrages für administrative Zwecke ein, die restlichen 90% des Betrages kämen ihm und seiner Familie zu Gute. ‘Slog’ bezeichnet Haggard als ‘too fucking lazy to get a real job‘ und schreibt weiter ‘he wants the same of idiots that bankrolled his church to bankroll his education‘. Offensichtlich handle es sich - so ‘Slog’ - um eine geschickte Form von Steuerbetrug, wenn die Spender über den vollen Betrag eine Spendenbescheinigung erhalten, obwohl 90% des Betrages einer gemeinnützigen Organisation sondern einer Privatperson zu Gute kommen sollen.
Außerdem sei die Organisation ‘Families With a Mission‘ bereits im Februar 2007 liquidiert worden, und habe überdies vor allem in der Person ihres Geschäftsführers und rechtlichen Bevöllmächtigten Paul G. Huberty einen äußerst zwielichtigen Background, wie man hier nachlesen kann.
Dieses evangelikalische Verwirrspiel findet seinen vorläufig krönenden Abschluss in Hubertys Dementi, der sich bereits wenige Tage später an ‘The Gazette‘ wand: Haggards Spendenaufruf sei nicht mit seiner Organistion abgestimmt, noch habe er Kenntnis von Haggards Spendenaufruf gehabt.

Wie sagt man so schön: “Wasser predigen und Wein trinken!”
Der Ted, der alte Stecher. lol
12. Sep. 2007 | #