Auch in der Schweiz tobt eine heftige Diskussion um Schöpfungsunterricht an den Schulen. In einer Umfrage im Auftrag des kreationistischen Vereins ‘Pro Genesis’ sprachen sich nun 80% der befragten Schweizer für einen solchen Unterricht aus. ‘Pro Genesis’ hofft auf baldige Umsetzung des Volkswillens.
Noch im Mai warnte sogar das Schweizer Boulevard-Blatt ‘Blick‘ vor den umtriebigen Aktivisten von ‘Pro Genesis’:
«Pro Genesis» hat ebenfalls ein Buch verlegt – «Das Schöpfungsmodell». Und an alle Schweizer Mittelschulen versandt. «Reaktionen der Schulen gab es darauf keine», sagt Gian Luca Carigiet von «Pro Genesis».
Das Ziel des Versands ist offensichtlich: Möglichst viele der Bücher sollen den Weg in eine Schulbibliothek finden oder gar in den Unterricht. Und damit in die Köpfe der Schüler.
«Kreationismus ist eine Form von christlichem Fundamentalismus», sagt Martin Scheidegger, Leiter der Beratungsstelle «Religiöse Sondergruppen&Sekten», gegenüber «kath.ch». Seit Jahren beschäftigt sich der reformierte Pfarrer mit der Bewegung. «Schon in den 70er-Jahren gab es die erste Welle.»
Heute feiern die Kreationisten Auferstehung. Doch Scheidegger glaubt: «Das Ansinnen, die biblische Schöpfungslehre auf den Stundenplan zu setzen, hat in der Schweiz keine Chance.» Hier herrsche ein anderes Verständnis von Religion und Staat. An Schulen ein religiöses Modell zu lehren sei undenkbar.
Wirklich? Das Wissenschaftsmagazin «Science» publizierte jüngst eine Studie. Befragt wurden in 34 Ländern Leute zur Evolutionstheorie. Da kam aus: Vier von zehn Schweizern glauben nicht an Darwins Lehre.
Für «Pro Genesis» eine Offenbarung. Sie will nun, dass die Schöpfungslehre wenigstens gleichberechtigt neben der Evolutionstheorie gelehrt wird. Im Sommer schicken die Bibel-Fundis eine Broschüre an alle Schweizer Mittelschulen. Und beten, dass es diesmal klappt.
Inzwischen hat ‘Pro Genesis’ einen neuen Coup gelandet:
Eine repräsentative Umfrage zeigt: Vier von fünf Schweizern wollen, dass in der Schule Evolution und Schöpfung gleich berechtigt gelehrt werden.
Zwischen dem 9. und 12. Juli 2007 wurde an 1100 Schweizerinnen und Schweizer im Alter von 15 bis 74 Jahren folgende Frage gestellt: Was soll Ihrer Meinung nach im Biologie-Unterricht betreffend Herkunft des Lebens in den Schulen gelehrt werden?
Das Ergebnis:
a) Nur Evolution 215 (19,6%)
b) Nur Schöpfung 53 (4,8%)
c) Beides gleichberechtigt 831 (75,6%)
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Quelle: proGenesis.ch
Die christlichen Nachrichtenportale und -magazine überschlagen sich die frohe Kunde zu verbreiten. Google listet immerhin 131.000 Fundstellen für die Suchbegriffe ‘Schöpfungslehre an Schweizer Schulen‘ darunter natürlich auch idea.de und kath.net.
Das “wissenschaftliche” Magazin ‘Factum’ beeilt sich ganz unverhohlen die baldige Umsetzung des Volkswillens zu fordern:
Doch zuerst muss die Bereitschaft zur Methodenoffenheit bei Bildungspolitikern, Schulämtern und Lehrern wachsen – in der Bevölkerung ist sie längst vorhanden. Dass aufgrund einer aktuellen Umfrage drei Viertel der Schweizerinnen und Schweizer die Schöpfungslehre im Biologieunterricht vertreten haben wollen, kann nicht mehr ignoriert werden. Wie wird dem Volkswillen künftig Rechnung getragen werden?
Mit dieser Drei-Viertel-Mehrheit rückt eine in der direkten Demokratie der Schweiz mögliche Volksinitiative mit der Forderung, an den Schulen auch die Schöpfungstheorie gleichberechtigt neben der Evolutionstheorie zu lehren, in den Bereich des Denkbaren.
Oder liegt es weiterhin am Mut einzelner Lehrer, im Biologieunterricht die Modelldiskussion offener zu halten? Ab sofort dürfen sie sich darauf berufen, die Mehrheit der Bevölkerung im Rücken zu haben.
Ähnliche Ergebnisse wären vielleicht auch in Deutschland zu erwarten, wie die Online-Umfrage auf tagesschau.de zeigte, bei der im Gegensatz zur Umfrage in der Schweiz sogar explizit nach der Aufnahme der Schöpfungslehre in den Biologie-Unterricht gefragt wurde. Dort sprachen sich ebenfalls 68,1% der Beteiligten für einen Unterricht Schöpfungslehre aus.

Die Umfrage-Ergebnisse der Tagesschau waren massiv manipuliert, es gab Aufrufe zur Abstimmung in christlichen Foren und Blogs. Hatte ich damals wa drüber geschrieben, wen’s interessiert.
5. Sep. 2007 | #