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  • 16. Aug. 2007

    Eine „Enzyklopädie für freie Geister und solche, die es werden wollen“ haben im Juli Michael Schmidt-Salomon und Carsten Frerk veröffentlicht. Darin wollen sie „in vergnüglich-böser Weise die ‘Kirche im Kopf’ aufs Korn” nehmen. Ist es ihnen gelungen? Eine Rezension von Martin Hergert.

    „Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.“ Mit diesem Zitat beginnt „Die Kirche im Kopf“. In der folgenden Einführung wird eine „Gehirnwäsche“ angeboten, denn – so die Autoren – wir waschen täglich unseren Körper, wieso sollte nicht auch unser wichtigstes Organ einmal gewaschen werden? Als Konsequenz ist dann auch die Enzyklopädie selbst in „Vorwäsche“ und „Hauptwaschgang“ eingeteilt.

    Die „Vorwäsche“ beleuchtet Redewendungen, Flüche und co. Die Themen erstrecken sich von „Fortpflanzung“ bis „fromm“, von „Kruzitürken!“ bis „Kulturbeutel“. In den etwa eine viertel bis eine Seite langen Einträgen, erfährt man Wissenswertes zur Bedeutung und vor allem zur Herkunft des jeweiligen Begriffs. Oder wussten Sie dass die Farbe Rot des Weihnachtssterns für das Blut Christi steht, das Grün hingegen die von den Heiden übernommene Hoffnung auf neuen Frühling ist? Außerdem wird häufig mit mehr als einem Augenzwinkern auf die Absurditäten des christlichen Glaubens hingewiesen. Frei nach dem Motto „Wer das glaubt, ist ein Schaf“. Dies kann durchaus als Kritikpunkt gelten, Neutralität kann dem Buch nicht nachgesagt werden. Soll es aber auch nicht, so die Autoren. Im Vorwort versichern sie, dass alle Fakten gründlich recherchiert seien, stellen aber auch klar, dass die Bewertung aus einer „dezidiert freigeistigen, humanistischen Perspektive“ erfolge. Leider kommt es hin und wieder vor, dass von den Autoren eine Sichtweise als „Normalität“ vorausgesetzt wird, die so „klar“ nicht jedem Leser ist, vor allem nicht dem zweifelnden christlichen Leser, welcher sich über seine „Kirche im Kopf“ informieren will. Insgesamt ist die Vorwäsche jedoch leicht verständlich und vergnüglich zu lesen – Sie ahnen nicht welche Sprichwörter alles einen christlichen Ursprung haben!

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    13. Aug. 2007

    Michael GlatzeIm Juli berichtete idea über Michael Glatze, den früheren Chefredakteur eines Schwulenmagazins.

    Homosexualität ist der Tod – ich wähle das Leben

    Einer der prominentesten Homo-Aktivisten in den USA hat seinen Lebensstil hinter sich gelassen und ist Christ geworden.

    Da haben sich die Christen allerdings zu früh gefreut, denn dieses Wunder der Enthomosexualisierung können die Mormonen für sich verbuchen. Michael Glatze bestätigte in einem Interview, dass er dieser, von Evangelikalen und Katholiken als unchristlich bezeichneten Religion, beigetreten ist. Seither sind die englischsprachigen evangelikalen Organisationen und Webseiten, die Michael Glatze zuvor stolz als einen der ihren präsentiert hatten, kleinlaut geworden.

    Wenn man nach dem Titel des idea-Artikels bei Google sucht, dann sieht man, wieviele christliche Foren und so genannte Nachrichtendienste, wie z.B. kath.net, diese Nachricht übernommen haben.

    Christen und davon ganz besonders Evangelikale legen ihr volles Vertrauen auf ein Buch, das durch Hörensagen nach dem Stille-Post-Prinzip früher Protochristen entstanden ist. Sie wollen mit diesem Buch die Welt verändern und bestimmen. Aber wie sollen die Protochristen zu etwas fähig gewesen sein, was die heutigen Christen im Zeitalter von Internet, Telefon und Google offenbar nicht schaffen?

    Bei Wundern wird, wie man sieht, die Faktenlage nicht so genau betrachtet.

    Diskussion im Freigeisterhaus

    13. Aug. 2007

    Weil sie beim Ausdauerlauf nicht mitkam, fesselte der Betreiber eines christlichen Bootcamps eine 15-Jährige an seinen Kleinbus und fuhr los.

    Gestern, am 12. 8. 2007, wurde Pfarrer Charles Flowers gemeinsam mit der Beraterin seines Bootcamps, Stephanie Bassitt für diesen Vorfall, der sich im vergangenen Juni abgespielt haben soll, angeklagt. Das Bootcamp nennt sich „Love Demonstrated Ministries”, was man in etwa mit „Missionswerk vorgelebte Liebe” übersetzen kann.

    Das Motto des christlichen Umerziehungslagers, das sich in der Nähe der texanischen Stadt Corpus Christi befindet, ist es, „junge Männer und Frauen darauf vorzubereiten, die Welt mit den Prinzipien von Christus als Basis zu verändern”. Die Jugendlichen werden unter anderem von Gerichten als Alternative zu längeren Gefängnisstrafen in dieses christliche Straflager geschickt.

    Quelle: Texas pastor arrested for dragging girl at camp (reuters)

    Diskussion dazu im Freigeisterhaus

    10. Aug. 2007

    Am heutigen Freitag beginnt die neue Bundesliga-Saison. Die spannendste Frage ist dabei wie immer: Wer wird Deutscher Meister? Nun scheint klar: Bayern, Schalke oder Stuttgart können trotz Ribéry, Kuranyi oder Gomez einpacken. Denn Meister wird wohl der SV Werder Bremen!

    Der Grund: Die Bremer steigern die Leistung ihrer Spieler via “Bio-Energetik”. Wie die “Sport-Bild” vom 8. August vermeldet, lassen sich 13 Werder-Spieler von einem Herrn namens Kurt Schweinberger behandeln – darunter viele deutsche Nationalkicker, namentlich: Frings, Diego, Borowski, Mertesacker, Fritz, Wiese, Schulz, Owomoyela, Baumann, Niemeyer, Hunt, Rosenberg und Almeida. Torhüter Wiese wird zitiert: „Es klingt verrückt, aber ich bin noch konzentrierter, fühle mich körperlich besser, wenn ich die Therapie bei ihm hinter mir habe.“

    Wie aber behandelt „Wunder-Doc“ Schweinberger die Werder-Spieler? Laut Sport-Bild werden am Computer gemessene Körperschwingungen aufgezeichnet, die über Elektroden auf Wasser übertragen(!) werden. Wenn der Patient nun dieses Wasser trinkt, wird „negative“ in „positive“ Energie umgewandelt. Selbst Sport-Bild gibt allerdings zu, dass die Methode „wissenschaftlich umstritten“ sei. Dabei dürfte selbst das übertrieben sein, denn wenn etwas „wissenschaftlich umstritten“ ist, muss es wissenschaftlich begründete Fürs und Widers geben. Die Fürs sind freilich schwer vorstellbar.

    „Mit Bio-Energie zum Titel?“ fragt Sport-Bild in der Überschrift vom 8. August 2007. Vielleicht muss man diese Frage dann aber doch verneinen bzw. die eingangs aufgestellte Meisterschaftsbehauptung überdenken , denn die Springer-Presse wusste via Bild-Online schon in der Saison 2005/2006 von den Umtrieben des Herrn Schweinberger bei Bremen zu berichten. Die Überschrift damals: „Heilpraktiker macht Bremen fit - Werder holt Wunder-Doc für den Meister-Kampf - Auf seine Heilkunst hofft Werder: Dr. Kurt Schweinberger -Machen seine Hände die Meisterschaft wieder spannend?“

    Torsten Frings wird dort wie folgt zitiert: „Kurt ist mein Guru, ich bin sein Jünger. Mir tut seine Behandlung unglaublich gut.“ Esoterik-Heiler als „Guru“ und millionenschwere Fußballjünglinge als „Jünger“ – Vorbildcharakter optional. Nachweislich genutzt hat es den Bremern jedenfalls nicht: Bekanntlich wurde Werder am Ende nur Zweiter.

    Das mag daran liegen, dass der „gelernte Heilpraktiker“ Schweinberger seinerzeit noch mit der Bioresonanz-Therapie „gearbeitet“ hat. Laut Bild maß er dabei an „Akupunktur-Punkten elektromagnetische Schwingungen im Körper. Dann führt er einen Messingstift über die Haut und wandelt so „negative“ in „positive“ Schwingungen um.“

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    8. Aug. 2007

    Während die Regierung unter Putin in einer heiligen Allianz mit der russisch-orthodoxen Kirche danach strebt, dem russischen Volk das Christentum aufzudrängen, gibt es auch erfreulichere Nachrichten.

    Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtet, dass sich die Russen weiter vom Glauben abwenden. Schon ein Drittel aller Russen bezeichnet sich laut einer neuen Umfrage als Atheisten. 59% besuchen niemals eine Kirche. Das sind vier Prozentpunkte mehr, als noch im Jahr 2005. Zwei Prozent der Russen nehmen wöchentlich an einer Messe teil. Vier Prozent betreten im Schnitt einmal im Monat eine Kirche.

    Diskussion dazu im Freigeisterhaus

    3. Aug. 2007

    Steigende Medienpräsenz der GBS in der Schweiz, Interview mit Schmidt-Salomon im Schweizer Rundfunk und das Manifest.

    Verkausfinfo des “Manifest des evolutionären Humanismsus” auf Buchhaus.ch:

    HitKoeffizient: 322 ¦ Rangierung: 1
    kurzfristige Verkaufszahl: 76 ¦ Rangierung: 1
    langfristige Verkaufszahl: 118 ¦ Rangierung: 1

    Die Giordano Bruno Stiftung meldet

    Die Zahl der Freunde und Förderer der Giordano Bruno Stiftung ist mittlerweile auf über 600 angestiegen. In den letzten Wochen kamen insbesondere aus der Schweiz viele neue Mitglieder hinzu. Grund dafür ist wohl die momentan außergewöhnlich starke Medienpräsenz der GBS in der Schweiz. So wurde die Sendung “Sternstunde Philosophie” mit Michael Schmidt-Salomon im Schweizer Fernsehen insgesamt zehnmal ausgestrahlt, zudem brachte das Schweizer Radio vor kurzem ein etwa 30minütiges Interview mit dem GBS-Vorstandssprecher, das zurzeit auch im Internet nachgehört werden kann. Wie stark die Resonanz auf diese und ähnliche Sendungen in der Schweiz war, lässt sich u.a. daran ablesen, dass das im Auftrag der GBS geschriebene “Manifest des evolutionären Humanismus” seit einiger Zeit unter den Top Ten der offiziellen Bestsellerliste des Schweizer Buchhandels aufgeführt wird.

    Link: Ethik ohne Gott? DRS2-Interview mit Michael Schmidt-Salomon

    2. Aug. 2007

    Die enthaltsam lebenden Shaker sind eine der ältesten Freikirchen Amerikas. Nun gibt es nur mehr vier von ihnen. Ihr Untergang hat mit ihrer strengen Einhaltung der christlichen Lehre zu tun. Denn im Gegensatz zu vielen konservativen Christen, die behaupten, dass Kinderreichtum christlich sei, lebten Jesus Christus und Paulus der christlichen Mythologie zufolge zölibatär. Ihren Anhängern empfahlen sie, ihre Familien zu verlassen, nicht zu heiraten oder Kinder zu haben, auf Besitz zu verzichten und sich darauf zu konzentrieren, Jesus nachzufolgen.

    So taten es die Shaker, seit ihrer Gründung 1772 in Manchester, das sie wenig später verließen, um sich in den USA anzusiedeln. Durch Adoption und Mission konnten sie ihre Mitgliederzahlen aufbauen und erhalten, doch nun scheint es bald zu Ende zu gehen. Nur noch vier Shaker leben in der verlassenen, historischen Siedlung in Sabbathday Lake, Maine, die inmitten der modernen, autogerechten Vorstadtsiedlungen der Mittelklasse wie wie eine Zeitkapsel wirken muss.

    Wer des englischen mächtig ist, der kann sich den folgenden Bericht zu Gemüte führen: The Last Ones Standing

    Diskussion dazu im Freigeisterhaus

    2. Aug. 2007

    Mit Prof. Beda Stadler, der vielen vielleicht durch seinen Einsatz für Stammzellenforschung und Gentechnik bekannt ist, haben Atheisten offenbar einen neuen, charismatischen Fürsprecher im Boot. Anlässlich der Schweizer Wahlen im Februar forderte er in einer Kolumne in der NZZ am Sonntag sogar provokant “Wählt atheistische Politiker!”

    Der Schweizer Tagesanzeiger belächelt sein Engagement:

    Ein Wissenschaftler, im Nebenjob «Provokateur»

    Sein neuester Feldzug gilt der Religion: «30 Prozent der Schweizer glauben an die Schöpfung», empört sich Stadler, der die Evolutionslehre vertritt. Seit kurzem bezeichnet er sich als Atheisten. «Das war ein persönlicher Konflikt», gesteht Stadler. Er ist in einem sehr katholischen Elternhaus in Visp aufgewachsen. Heute vertritt er die Ansätze des britischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins: «Schützt die Kinder vor Religion.» Das Perfide sei, dass die Kinder die Religion ihrer Eltern ungefragt übernehmen müssen.
    Den Theologen spricht Stadler ab, ebenfalls Wissenschaftler zu sein. Die Theologin Christina Aus der Au, die mit Stadler in einer Ethikkommission sitzt, ist sich nicht sicher, «wie ernst er es mit seinen Aussagen meint», oder ob er nur provozieren wolle. Sie hält seine naturalistische Weltanschauung «aus philosophischer Sicht manchmal für naiv». Aus der Au respektiert Stadler und schätzt seinen Humor. Manchmal seien sie sich sogar einig, doch wenn sie anderer Meinung seien, könne man mit ihm nicht diskutieren. «Er ist dann wie eine Betonwand, in der es keinen Spalt gibt, um einen Samen hineinzusetzen.»

    Wenn derjenige belächelt wird, der aufzeigt, dass die Theologie keine Wissenschaft ist und nicht der, der sie für eine Wissenschaft hält, dann hat die Aufklärung offenbar noch einen langen Weg zu gehen.

    Diskussion dazu im Freigeisterhaus

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