katholisch.de, die Informationsplattform der deutschen Bischofskonferenz, proklamiert ein kindliches Recht auf Religionsunterricht:
“Kinder haben ein Recht auf Religion”, erklärt der Diözesanadministrator unter Hinweis auf Bildungsforscher, die im Zusammenhang mit der PISA-Studie von einem “Modus der Welterschließung” gesprochen haben, der von unschätzbarer Bedeutung für die kindliche Entwicklung sei. Wie natürlich die religiöse Perspektive auf die Welt für Kinder ist, wird nach den Worten des Diözesanadministrators an den großen und kleinen Kinder-Fragen sichtbar - zum Beispiel an der Frage: “Kommt meine Katze in den Himmel?” Geis lädt Eltern deshalb ein, “mit ihrem Kind gemeinsam die Chancen zu entdecken, die das Fach Religion bietet.”
Die offenbar unschätzbar wichtige Bedeutung von frühkindlicher, religiöser Indoktrination für die Mitgliederzahlen der staatlich anerkannten Großsekten, die bekanntermaßen unter starkem Schäfchenschwund leiden, wird leider mit keinem Wort erwähnt.
Siehe auch: Theolounge.wordpress.com

Was schließen wir daraus? Wenn mein Kind mich fragt, warum alle dunkelhäutigen Menschen (angeblich) böse sind soll ich es rassistisch erziehen? Bescheuerter gehts wohl kaum.
Kinder haben ein Recht darauf religionsfrei, gewaltfrei, angstfrei, demokratisch und sozial erzogen und gemäß ihrer eigenen Fähigkeiten und Vorstellungen gefördert zu werden!
21. Aug. 2007 | #
Ja, der Grat zur Indoktrination ist schmal.
Dazu ein Artikel:
http://theolounge.wordpress.com/2007/08/09/psalm-23-little-girl-video/
Hilfreich ist es auch, sich die Ziele des Religionsunterrichts anzusehen. Dies verhindert nämlich solch pauschale Aussagen von Indoktrination etwas:
Richtlinien des evangelischen Religionsunterrichts in Bayern orientieren. Er hat folgende Ziele:
.
informieren und orientieren über die christliche Tradition und ihre jüdischen Wurzeln, über Kirche in Geschichte und Gegenwart, über Fragen der Ökumene und des interreligiösen Dialogs sowie über philosophische und außerchristliche Deutungen von Mensch und Welt. Er soll Wege zu einem lebensbezogenen Umgang mit der biblischen Überlieferung eröffnen.
.
er soll Fragen und Herausforderungen unserer Zeit zur Sprache bringen und zur Auseinandersetzung mit christlichem Glauben und Handeln anregen und ermutigen, vom Evangelium her Perspektiven für die eigene Orientierung zu entwickeln.
.
er soll die Selbständigkeit fördern und hinführen zu einem vor Gott verantwortlichen achtsamen Umgang mit Mensch und Tier. Er soll Möglichkeiten zur Lebenshilfe und Begleitung bieten. Gebet und Gottesdienst haben hier ihren Raum. Soziales und kommunikatives Lernen soll unterstützt und Empathie (Mitgefühl) und Toleranz gefördert werden.
.
er soll die biblische Botschaft nicht nur als historisch Gegebenes zur Sprache bringen, sondern zugleich offen sein für die persönliche Anrede Gottes an den Menschen. Es sollen Wege zum Glauben eröffnet werden und auch in bedrückenden Lebenserfahrungen soll ermutigt werden, ein Leben in der Hoffnung des christlichen Glaubens führen zu können.
21. Aug. 2007 | #
> Ja, der Grat zur Indoktrination ist schmal.
Der “Grat zur Indoktrination” ist nicht schmal, sondern nicht vorhanden. Diese Metapher suggeriert, dass konfessionell gebundener Religionsunterricht noch irgendwas anderes sein könnte als Indoktrination. Kann er aber nicht. Wie sollte er auch? Dein Zitat der Richtlinien für den evangelischen Religionsunterricht zeigt das ja recht deutlich. Man kann diese ganzen Ziele unter einem einzigen Oberbegriff zusammenfassen: weltanschauliche Indoktrination. Oder wie würdest du das sonst nennen?
21. Aug. 2007 | #
Ich würde da so sehen: dass man freiwillig den Religionsunterricht besuchen kann. Müssen tut man nicht.
Damit ist das Problem eigentlich gelöst, würde ich sagen.
Wer nichts damit am Hut hat, kann Ethik besuchen. Ist allerdings die Frage, wer den Lehrplan für Ethik verfasst: denn es ist sehr schwer bis wohl fast unmöglich, völlig Ideologiefrei zu unterrichten und zu erziehen.
21. Aug. 2007 | #
Ethik könnte man reduzieren auf die konsenten Grundwerte der Gesellschaft. Religionsunterricht wird nicht besser dadurch, daß man ihn abwählen kann. Er hat auf einer öffentlichen Schule in einem säkularen Staat nichts zu suchen. Aus demselben Grunde gibt es zwar Politikunterricht, aber keinen SPD-Unterricht, den man abwählen und stattdessen CSU-Unterricht wählen kann.
21. Aug. 2007 | #
Ist Ansichtssache.
Politik und Religion sind zudem auch zwei recht unterschiedliche Gebiete, selbst, wenn sie gerne vermischt werden.
21. Aug. 2007 | #
Also was ich zum Ethikunterricht sagen kann (und ich durfte ihn in Bayern zum Glück besuchen
) ist, dass es sehr angenehm ist nicht nur eine Relgion kennenzulernen, sondern mehrere. Was ich in Ethik hauptsächlich gelernt hab war selber zu denken… und das rechne ich ihm hoch an!
21. Aug. 2007 | #
@theolounge
>Ich würde da so sehen: dass man freiwillig den Religionsunterricht besuchen kann. Müssen tut man nicht.
Ja, ab 14 Jahren, also dem Alter in dem man postive Religionsmündigkeit erreicht, könnte man tatsächlich konfessionsgebundenen Religionsunterricht fakultativ anbieten. Vorher mE keinesfalls.
>Damit ist das Problem eigentlich gelöst, würde ich sagen.
Nicht ganz. Es ist absolut nicht einzusehen, dass konfessionsgebundene Indoktrination aus Steuermitteln finanziert wird. Religionslehrer sollten deshalb weder auf Staatskosten ausgebildet noch beschäftigt werden.
21. Aug. 2007 | #
@theolounge
> Politik und Religion sind zudem auch zwei recht unterschiedliche Gebiete, selbst, wenn sie gerne vermischt werden.
Das stimmt insofern, als Religion sich im Transzendenten versucht und ein optionales Hobby für Sinnsucher darstellt, während Politik quasi ein Zwangsbestandteil unserer Gesellschaft ist.
In dem hier relevanten Punkt, nämlich der Vermittlung von Grundwerten an Kinder, überlappen beide allerdings stark. So müssen politische Parteien und Religionen / Sekten jeweils ihren Anhängern spezifische ethische Wertepräferenzen anbieten, etwa zu den Themen reich/arm, Gewaltanwendung, Menschenrechte, Gentechnik, Schwangerschaftsabbruch.
Da ist mir doch deutlich wohler, wenn solche Themen in einer neutralen Form dargestellt werden, also im missionsfreien Überblick der verschiedenen Angebote, so daß die Kinder statt Indoktrinierung lernen zu vergleichen, zu denken, selbständig zu bewerten.
22. Aug. 2007 | #
Religionsunterricht in jungen Jahren ist wie eine Vergewaltigung. Gehirnwaesche an unschuldigen Wesen, die diesem Irrsinn wehrlos gegenueber stehen.
29. Aug. 2007 | #
@step:
also wenn Du glaubst, es gibt eine neutrale Form der Vermittlung von Weltbildern, dann täuschst Du Dich wohl. Wer legt zb die Themen vor, die im Fach Ethik bearbeitet werden ? Politiker und Lehrer. Und diese haben ihr jeweils eigenes Weltbild.
Wirklich weit gefehlt, wenn Du glaubst, es gebe eine neutrale Wertevermittlung.
31. Aug. 2007 | #
@Dingo:
wohl schlechten Reliunterricht gehabt, oder ?
31. Aug. 2007 | #
Hier wurde ein paar Mal die Alternative Religionsunterricht versus Ethikunterricht angesprochen oder unterstellt.
Ich weiß, da stoße ich meist auf Granit, aber ich sehe die Alternative nicht. Wenn Ethik Pflichtfach ist, sollten alle hingehen, egal ob sie ansonsten noch Kath. Religion oder Islam-Sonntagsschule oder wer weiß was haben. Es da wirklich so, wie in dem Beispiel eines Mitdiskutanten. Wenn jemand den Parteiunterricht der CSU besucht entbindet das keineswegs von Sozialkunde.
Im Gegenteil: wer nur eine Religion “lernt” hat Ethikunterricht umso nötiger.
Zur neutralen Wertevermittlung bin ich nicht so skeptisch wie @theolounge; eines ist aber sicher: im Religionsunterricht einer bestimmten Konfession wird sie nicht geleistet. Ob das-Fleisch-und-Blut-des -Gottessohnes-in-der-Kommunion-verspeisen einen Wert ausserhalb der Kath. Kirche darstellt, bezweifle ich stark.
31. Aug. 2007 | #
Mir ist durchaus klar, daß Werte nie wirklich “neutral” sein können, denn sie spiegeln letztlich Interessen wieder. Eine gewisse Legitimation erhalten Werte allerdings dadurch, daß sie einen gesellschaftlichen Minimalkonsens des Zusammenlebens betreffen. Daher ist es mE durchaus legitim, die freiheitlich-demokratischen Grundwerte, die Grundrechte usw. mit einer gewissen Verbindlichkeit zu lehren und auch von Politikern und Lehrern diesbezüglich einen Minimalkonsens zu erwarten. Hier erwarte ich also keine Neutralität, sondern Wertebewußtsein.
Neutralität dagegen erwarte ich in bezug auf die ideologischen Angebote, die über diesen Minimalkonsens hinausgehen. Der Religionsunterricht (in staatlichen Schulen) hat das Problem, daß er
- … in bezug auf Werte proprietäre Einstellungen vertritt, z.B. in bezug auf Sexualität, die Stellung der Frau, Embryonenschutz usw.
- … ganz abgesehen von den Werten auch ein abergläubisches Weltbild vermittelt, mit Göttern, Wundern, Leben nach dem Tode und dergleichen.
Beides möchte ich weder mitfinanzieren, noch halte ich es für ein gutes Mittel im Versuch, Kinder zu aufgeklärten und selbständig denkenden Menschen zu erziehen.
1. Sep. 2007 | #
@step
guter Beitrag; da kann ich alles mit unterschreiben
1. Sep. 2007 | #