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  • 19. Jul. 2007

    Drei mutmaßliche christliche Terroristen wurden dabei ertappt, als sie offenbar eine Kirche in Schutt und Asche legen wollten.

    Schon am 22. Mai machte ein gewisser Markus Uhl Schlagzeilen, als er von der Polizei mit mehreren Napalm-Bomben ertappt wurde. Der Anhänger des kurz zuvor verstorbenen, führenden Evangelikalen und Fernsehpredigers Jerry Falwell, der auch an der, von Falwell gegründeten, Liberty University studierte, soll damit geplant haben, mögliche Demonstrationen gegen Falwell zu bombardieren.

    Nun gab es am 12. Juli einen weiteren Fall von vereiteltem Terrorismus durch Christen. Das Ziel von Dayton Lee Calaway (19), Michael Philip Plaisted Jr. (18) und Jered Michael Ragon (18) waren aber keine Demonstranten, sondern eine Kirche in der texanischen Kleinstadt Burleson. Ihre Aktitvitäten erregten Aufmerksamkeit. Die Polizei wurde verständigt, was zur Verhaftung der drei führte. Vor Ort wurde eine Sprengvorrichtung sichergestellt.

    Die drei gaben an zur Gruppe der Radical Christian Activists zu gehören, die Regierungen und organisierte Religionen ablehnen.

    Christen, die die organisierte Religion ablehnen und dazu terroristische Methoden nutzen? Das mag für viele verwunderlich klingen, doch lassen sich diese Taten durchaus mit der christlichen Jesus-Mythologie begründen.

    Fangen wir mit der Ablehnung der organisierten Religion an. Jesus erklärt in der Bergpredigt im Matthäusevangelium nicht nur, welche Worte beim Gebet, dem Vaterunser, aufgesagt werden sollen, sondern auch wie und wo gebetet werden soll:

    Mt 6,5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten. 7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn asie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. 9b Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! cDein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. d Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. ….

    Mit einer organsierten Religion in Form der heutigen Kirchen ist diese Anweisung nicht vereinbar.

    Aber kommen wir nun zum Überfall auf die Kirche. Nun auch dazu gibt es ein klares Vorbild in der Jesusgeschichte. Denn auch Jesus passte nicht die Art und Weise, wie die Juden ihren Tempel nutzen. Also griff er zur Gewalt. Für seinen, oft beschönigend als “Tempelreinigung” bezeichneten Überfall, fertigte er sogar eigens eine Geisel aus Stricken an:

    2,13 Und das Passafest der Juden war nahe, und Jesus zog hinauf nach Jerusalem. a 14 Und er fand im Tempel die Händler, die Rinder, Schafe und Tauben verkauften, und die Wechsler, die da saßen. 15 Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern und schüttete den Wechslern das Geld aus und stieß die Tische um 16 und sprach zu denen, die die Tauben verkauften: Tragt das weg und macht nicht meines Vaters Haus zum Kaufhaus! 17 Seine Jünger aber dachten daran, daß geschrieben steht (Psalm 69,10): «Der Eifer um dein Haus wird mich fressen.»

    Verglichen mit Jesus handelten die drei Radical Christian Activists sogar noch moderat, da sie ja offenbar nur ein Gebäude, aber keine Menschen angreifen wollten. Vom Tempel in Jerusalem ist zudem bekannt, dass er von Kämpfern stark bewacht wurde. Sollte diese Episode tatsächlich auf einem historischen Vorfall basieren, musste es sich wohl um einen größeren, blutigen Überfall gehandelt haben.

    Diskussion dazu im Freigeisterhaus

    3 Kommentare »

    1. Thomas schreibt:

      Zuerst einmal: Die Nachricht, dass es auch christliche Fundamentalisten gibt, ist für mích nicht überraschend. Man sollte aber auch im Auge behalten, dass terroristische Anschläge daraus vor allem in Regionen entwachsen, in denen dieser christliche Fundamentalismus mit einer radikalen politischen Überzeugung gekoppelt sind - bestes Beispiel hierfür ist der Bible Belt der USA, aus dem neben den drei zum Glück erfolglosen Möchtegern-Attentäter ja auch Leute wie Timothy McVeigh kamen (der ja bekanntlich ähnlich motiviert war). In der Gegend herrscht eine für mich zumindest unüberblickbare Gemengelage aus zersplittertem protestantisch-puritanischem Christentum, Rassismus und anarchistischer Ablehnung größerer politischer Institutionen (Regierung, UN, etc.) (die aus einer ausgeprägeten Wild-West-Mentalität hervorgegangen sein mag) vor. Ähnliche Motivation äußerten ja auch die Attentäter.

      Und hier wird es schwierig. Will man die Radikalität der drei nur auf das Christentum zurückführen, muss man sich schwurbelige Exegesen wie der oben bedienen. Die erste von Sokrateer zitierte Textstelle stammt aus der Bergpredigt und hat in der Einheitsübersetzung die Überschrift “Vom Beten - Das Vaterunser” Der erste Teil beschäftigt sich damit, dass man seine Frömmigkeit nicht zur Schau stellen soll (was, wie ich meine, einigen Christen gut anstehen würde), der zweite überliefert das Vaterunser. Wo man eine Ablehnung organisierter Religion aus dieser STelle lesen soll, bleibt mir unklar - maximal ist diese in der Passage “Du aber geh in deine Kammer…” zu lesen. Hier kann man aber auch Mt 18,20 anführen “Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen”
      Wenn Sokrateer eine textnähere Auslegung bevorzugt, bitte. Dann bleibt erst recht unklar, warum die Stelle mit der heutigen organisierten Religion unvereinbar ist: Christen beten weder in Synagogen (sie haben Kirchen, die auch nicht in der Nachfolge von Synagogen stehen, die Organisationsform ist eine andere) und auch sehr selten an Strassenecken (Prozessionszüge sind die einzigen Gegenbeispiele, die mir einfallen, aber die halten aus logistischen Gründen meist an größeren Plätzen zum Gebet und nicht an Strassenecken), zum Gebet ziehen sie sich meist wirklich in ihre Kammer zurück, mit Ausnahme der Gottesdienste, und bei denen wird in der Regel auch die Tür geschlossen - also, keine Kollision der organisierten Religion mit Mt 6,5.

      Auch das nächste klare Beispiel ist nicht so einleuchtend wie es scheint. Zuerst - die Bibel erhebt nicht den Anspruch auf Historizität. Es ist kein Buch im Sinne Plutarchs oder Thukidydes. Es kann daher nicht einfach aus einer Textstelle, die einen Zornesausbruch Jesu und die Vertreibung einiger Händler samt ihres Viehs ein Kommandounternehmen zur Erstürmung des Tempels extrapoliert werden. Tatsache ist, dass wir die Vorgänge von damals nicht kennen - es ist aber wahrscheinlicher, dass (von der Sicht eines Aussenstehenden geschrieben) “ein Irrer im Tempel randaliert hat und ein paar Tische umgestossen hat, bevor er von den Wachen überwältigt und rausgeworfen wurde”, als dass “sich ein Trupp Bewaffneter in einer römisch besetzten Stadt zusammengefunden hat und das wichtigste Heiligtum der Juden gestürmt hat und die dortigen Personen massakriert hat, ohne dass der Vorfall von Geschichtsschreibern wie z.B. Flavius Josephus schriftlich fixiert wurde”.

      Prinzipiell zeigen die Auslegungen von Sokrateer eines aber deutlich: Man kann Fundamentalisten jede beliebige Textstelle, und sei sie aus einem Kochbuch geben, sie werden darin immer eine Bestätigung für ihre Überzeugungen finden.

      28. Jul. 2007 | #

    2. Christlicher Fundamentalismus | SkepTicker schreibt:

      […] Bericht über missglückten Attentatsversuch von christlichen Terroristen von Juli 2007 […]

      19. Sep. 2007 | #

    3. Ultram. schreibt:

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      30. Jan. 2008 | #

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