
Der Glaube an Dämonen oder gar an den Teufel persönlich, der von seinem Opfer Besitz ergreift, ist - so könnte man meinen - eine längst überwundene Kehrseite des christlichen Glaubens, der allenfalls von reaktionären, religösen Fundamentalisten geteilt wird. Doch weit gefehlt: Unter der Führung des neuen Papstes wird der Rückfall in das Okkultisch-Irrationale gefördert.
Am 13.07 diesen Jahres berichtete das katholischen Nachrichtenportal kath.net über ein Exorzistentreffen in Polen. 330 Exorzisten aus 29 Ländern seien dort zusammengekommen. Nur offizielle Exorzisten seien eingeladen worden zu dem jährlichen Treffen der “Internationalen Vereinigung der Exorzisten”. Dieser Verein wurde erst 1990 von einem gewissen Pater Gabriele Amorth gegründet , der von kath.net als langjähriger Chef-Exorzist im Vatikan vorgestellt wird:
Pater Amorth gründete die Vereinigung, weil er hoffte, die Arbeit der Exorzisten weltweit zu verstärken. Oft sei auch in der Kirche kaum Verständnis dafür da, bedauert Pater Amorth in einem Interview mit der italienischen Zeitung „30 Giorni“.
Doch der Dienst werde immer wichtiger, weil auch der Okkultismus wieder zunehme und sich der Satanismus verbreite sehr stark verbreite, sagt Amorth: „Wenn der Glaube sinkt, steigt der Aberglaube. Um es in biblischer Sprache auszudrücken: Man verlässt Gott und gibt sich dem Götzendienst hin. In der heutigen Sprache heißt das: Man verlässt Gott, um sich dem Okkultismus hinzugeben.“
Amorth bezeichnet es als größten Erfolg Satans, „glauben zu machen, dass er nicht existiere. Und es ist ihm fast gelungen. Auch im Inneren der Kirche.“
Pater Amorth, der von sich selbst behauptet schon mehrere tausend Mal den Teufel ausgetrieben zu haben, ist am Informationsportal www.exorzismus.net beteiligt, er umfassend über Engel, gefallene Engel und Exorzismen informiert wird. Dort findet sich auch folgendes Interview mit ihm:
FACTS: Gibt es heute noch viele Besessene?
Amorth: Die Verführungen sind gross, denn der Glaube ist nicht mehr stark vertreten. In Italien gehen nur 10 Prozent der Bevölkerung in die Kirche. Die restlichen 90 Prozent sind gefährdet, irgendwelchen Magiern, Kartenlesern oder dem Satanisten-Boom zu verfallen. 37 Prozent der italienischen Jugendlichen nehmen an spiritistischen Sitzungen teil, an denen sie mit Toten zu kommunizieren versuchen. Viele hören satanischen Rock von Marilyn Manson. Das sind gefährliche Momente, in denen der Dämon Besitz vom Menschen ergreifen kann.
FACTS: Ist der Rocker Marilyn Manson vom Teufel besessen?
Amorth: Aber sicher! Und wie!
FACTS: Haben Sie ihn getroffen?
Amorth: Nein, aber ich habe seine Texte gelesen. Sie sind voller sublimer Nachrichten, wenn man sie rückwärts liest. Sie verherrlichen Satan, «Du bist mein Gott», heißt es da. Sie verherrlichen den Selbstmord und plädieren für eine Welt ohne Moral.
FACTS: Wer verführt uns noch?
Amorth: Harry Potter. Er verführt zur Magie.
FACTS: Waren Hitler und Stalin auch vom Teufel besessen?
Amorth: Sicher waren sie das. Der ganze Nationalsozialismus stand unter dem Einfluss des Teufels. Der Dämon hat Hitler suggeriert, was zu tun ist. Auch Marx war vom Teufel besessen.
Man ist leicht versucht solche Aussagen als altmodische Spinnerei abzutun. Auch bei den allermeisten modernen “aufgeklärten” Christen stieße Amorths Lehre sicherlich auf Ablehnung, sie ignorieren jedoch allzu bereitwillig, dass der christliche Glaube untrennbar mir dem Glauben an die Existenz einer Hölle und an die Erbsünde, für die Christus geopfert werden musste, verbunden ist. Die Position des Vatikan selbst hierzu ist sehr eindeutig. Der KKK (Katechismus der Katholischen Kirche) lässt nicht den geringsten Zweifel daran aufkommen und erst im Jahre 1999 veröffentliche der Vatikan einen aktualisierten Exorzismusritus. Pater Amorth hierzu auf seiner Seite:
Vor allem muss man das Problem der Existenz des Teufels betrachten, welche von einer großen Zahl Theologen, rationaler Ausrichtung in Frage gestellt wird, die Satan nur als Mythos oder Symbol des Bösen im allgemeinen ansehen möchten. Diese Gelehrten erinnern wir an die Lehre des Katechismus der katholischen Kirche: “Wenn man beim ‘Vaterunser’ zum Schluss betet ‘erlöse uns von dem Bösen’, unter Bösen’ versteht man die Person des Bösen, nicht das Böse im allgemeinen (KKK Nr. 2851).
Papst Paul V. sagte in Bezug auf den Teufel: Satan ist ein perverser, verdorbener Agent…er ist nicht nur ein Teufel, sondern eine Furcht erregende Mehrzahl. Daher ist Satan Person, im Gegenteil, eine Mehrheit von Personen; er umfasst alle jene Engel, die, nachdem sie sich weigerten Gott zu gehorchen, zu Teufeln geworden sind, d.h. zu Rebellen und Verfluchte. Zur Untermauerung dieser Lehre der Kirche wäre es angebracht, jene Absätze der Bibel herauszusuchen, aus denen das Dasein Satans hervorgeht und sich deutlich offenbart; ferner kann man verstehen, spricht man vom Teufel, bedeutet das indirekt von Christus zu sprechen, denn die Bibel behauptet, dass Jesus der Retter ist, denn er ist gekommen, uns von der Macht des Bösen zu befreien. “Satan ist frei, intelligent und mit dem Geist der Initiative ausgestattet.”
Immer wieder wird von tragischen Fällen berichtet: In Deutschland erregte 1976 der Fall Anneliese Michel großes Aufsehen und erst 2005 verstarb eine rumänische Nonne an den Folgen einer Teufelsaustreibung (ORF.at) und damit an den Folgen des religösen Dogmas von der ewigen Verdammnis. Die Amtskirchen vertuschen ihre Beteiligung bei solchen tragischen Fällen allzu gerne. So behauptete der Würzburger Bischof Josef Stangl von dem Exorzismus der Anneliese Michel nichts gewusst zu haben, obwohl er nicht nur die Exorzisten (gemäß den vatikanischer Regeln ist die bischöfliche Erlaubnis zwingende Voraussetzung) offiziell beauftrage sondern immer wieder umfassend und detailliert über den Zustand der Anneliese Michel informiert wurde (Quelle). Tatsächlich gibt es von offizieller Seite keinerlei Bestrebungen, diesen gefährlichen Mumpitz zu unterbinden, stattdessen bietet die päpstliche Universität Exorzimus-Seminare an (ORF.at):
Auf dem Lehrplan des Seminars an der vom Orden “Legionäre Christi” geführten Hochschule stehen die biblischen, theologischen, historischen und rechtlichen Aspekte des Satanismus. Die Teilnehmer werden sich mit Dämonologie, dem Begriff des Teufels in den heiligen Texten sowie mit der Pathologie und der medizinischen Behandlung der angeblich “vom Satan Besessenen” befassen. Die Faszination vom Teufel sei auf dem Vormarsch, begründete die Akademie ihr Lehrangebot. Deswegen müssten die angehenden Priester auf das Phänomen “gründlich vorbereitet werden”, heißt es in einer Mitteilung. Unter den Vortragenden werden im kommenden Semester auch zwei italienische Bischöfe sein.
Konsequenterweise fördert Papst Benedikt den Teufelsglauben ebenso wie sein Amtsvorgänger Johannes Paul II, der in seiner Amtszeit mehr als 200 Priester als Teufelsaustreiber segnete (ORF.at, 18.07.2007):
Papst Benedikt XVI. hat am Mittwoch zur Generalaudienz geladen und dabei auch eine Gruppe italienischer Priester empfangen, die allesamt auch als Exorzisten tätig sind. Dabei wurde offensichtlich, dass der Vatikan auch weiterhin an den im Kirchenrecht verankerten Praktiken des Exorzismus festhält. So ermutigte Benedikt XVI. die anwesenden Geistlichen dazu, ihrer Tätigkeit weiter nachzugehen
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Dass es keine Zweifel an der Existenz des Teufels gebe, machte der Papst bereits in seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation klar: Der Teufel sei “eine mysteriöse, aber reale, personale und nicht symbolische Präsenz”
