1. Jul. 2007
Doktor Gerhard Ludwig Müller ist nicht irgendwer. Doktor Gerhard Ludwig Müller ist Bischof des Bistums Regensburg und als solcher naturgemäß kein Freund des Atheismus. Dementsprechend ist dieser auch regelmäßig Gegenstand von Müllers Predigten, Ansprachen und Hirtenbriefe. Neulich war es wieder so weit: während einer Veranstaltung der Diözese Pilsen, der Partnerdiözese Regensburgs, predigte Müller u.a.: „Der Gottesglaube führt zusammen und baut auf, der Atheismus dagegen trennt die Menschen und führt in den Abgrund“.
Weiter heißt es in der entsprechenden Pressemitteilung der Diözese: „Wie die atheistischen Ideologien im 20. Jahrhundert, Kommunismus und Nationalsozialismus, zeigten, führe die Leugnung Gottes zu Hass, Unfrieden, Streit und Zerstörung, so Bischof Gerhard Ludwig. In der Partnerschaft der beiden Diözesen sei konkret zu erleben, dass der christliche Glaube vereint.“ [sic]
Müller weiter: „Ohne den christlichen Glauben an Gott den Schöpfer, Erlöser und Versöhner der Menschen gibt es kein neues Europa.“ Und noch weiter: „Sonst gelangen wir wieder dorthin, wohin uns die atheistischen Diktaturen des vergangenen Jahrhunderts geführt haben.“
Diese Aussagen sind in vielfacher Hinsicht mehr als fragwürdig. So mutet schon die pauschale Behauptung, Gottesglaube verbinde, angesichts der enormen Zahl religiöser Kriege und Konflikte in Gegenwart und jüngster Vergangenheit grotesk an.
Ärgerlich dagegen die verkürzende Darstellung von Nationalsozialismus und Kommunismus als atheistische Ideologien, war doch der Nationalsozialismus in erster Linie opportunistisch und indifferent. Christliche Bezüge vereinnahmte er ebenso wie atheistische, sozialistische oder neuheidnische Elemente. Ob Hitler selbst Atheist war, ist umstritten. Wahrscheinlicher erscheint ein vager Glaube an einen unpersönlichen Gott. Unstrittig ist, dass Hitler von organisierten Religionen im allgemeinen und dem Christentum im speziellen wenig hielt. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, seine Vorteile aus seiner formalen Zugehörigkeit zum Katholizismus zu ziehen, die ihm etwa den Zugang zu bürgerlichen Kreisen in den Anfangsjahren seiner politischen Karriere erleichterte. Auch Hitlers Reden und Schriften bauten stark auf religiösen Bildern auf nicht zuletzt ‚Mein Kampf’ ist durchzogen von christlichen Bezügen. U.a. stellt er sich hierbei vielfach, etwa in seinem Antijudaismus, als in der Tradition der katholischen Kirche stehend dar. Joachim C. Fest bemerkt hierzu:
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