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  • 29. Jun. 2007

    Bistum Köln erwirkt einstweilige Verfügung gegen den Kabarettisten Jürgen Becker, er darf Kardinal Joachim Meisner nicht mehr als Hassprediger bezeichnen.

    Die katholische Kirche - namentlich vertreten durch Kardinal Meisner - liegt im Clinch mit dem Kabarettisten Jürgen Becker. ‘Schon wieder’ fragt man sich unwillkürlich und denkt ‘der arme Becker’. Hatte es nicht vor allzu langer schon eine Anzeige wegen Volksverhetzung gegen ihn gegeben? Damals waren es aber Muslime gewesen, die sich durch einen Satz aus Beckers Kabarettprogramm „Ja, was glauben sie denn?“ verhetzt sahen:

    Der Komödiant wurde ob seines Sketches über den Rollentausch zwischen muslimischen Frauen und Männern - “Warum tragen die Männer nicht mal zur Abwechslung das Kopftuch vor den Augen, das schützt doch auch vor den visuellen Reizen ihrer dann kopftuchlosen Frauen…?

    Dieses Mal sind es aber nicht die Muslime, deren Zorn Becker auf sich zieht, sondern ein Kardinal. Was war geschehen? In einem Interview mit dem Kölner Express hatte Becker auf die Frage, wie er sich denn zum Bau einer großen Moschee im Rheinland stelle, geantwortet:

    Mein Nachbar ist Moslem, aber auf rheinische Art, mit dem kann man auch mal ein Kölsch trinken. In Köln kann man keinen Moslem dazu ermuntern, Katholik zu werden.
    Denn von einem Hassprediger zum anderen zu wechseln, bringt nichts.

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    21. Jun. 2007

    faz.net geriert sich als Plattform kruder Verlautbarungen katholischer Würdenträger. Kardinal Lehmann:

    „Die Neutralität des Staates im Blick auf die einzelnen Religionen darf nicht mit Gleichgültigkeit und unreflektierter Toleranz gegenüber dem Wirken von Religionen in der Gesellschaft verwechselt werden“

    Der Online-Pressedienst pr-inside indes zitiert Lehmann vollständiger:

    Die «richtig verstandene Neutralität des Staates» müsse gegenüber den christlichen Kirchen «eher fördernd und wohlwollend sein».

    Laut Duden bedeutet neutral „unparteiisch“ und „unvoreingenommen“. Lehmanns Umdeutung zu „wohlwollend und fördernd“ steht damit in bester theologischer Neusprech-Sprachpraxis: Bloß nicht zu sehr am Wortlaut kleben: Neutral richtig verstanden heißt eben nicht neutral, so wie auch in Unwissenheit bekanntermaßen Stärke liegt und echte Freiheit vor allem in der Sklaverei zu finden ist. Der Kardinal gibt damit auch sein Verständnis der verfassungsrechtlich garantierten Religionsfreiheit bekannt: Jeder kann selbstverständlich an den Gott glauben, den er selbst für den Wahren und Einzigen hält. Aber wenn es nicht der christliche Gott ist, muss man das mit der Religionsfreiheit nicht ganz so Ernst nehmen.

    Aber nicht nur Lehmanns Definition von Neutralität wird von faz.net völlig unkommentiert und damit unkritisch verbreitet. Auch Lehmanns merkwürdige These über die Gründe für die Ablehnung eines geplanten Moscheebaus wird erwähnt:

    Mit Blick auf Bedenken vieler Kölner sagte Meisner: „Könnte die Ablehnung nicht daran liegen, dass zum Beispiel Muslime, die bei uns hier in Köln Christen werden, wo Religionsfreiheit herrscht, sich in ihrem Leben durch ihre Glaubensgenossen bedroht fühlen?“

    Amen

    19. Jun. 2007

    Koralle2Von 15. bis 17. Juni 2007 fand an der Universität Trier eine Tagung unter dem Titel „iDie erschöpfte Theorie? Evolution und Kreationismus in Wissenschaften“ statt. Damit setzte der Arbeitskreis Kritische Theorie[n] die erfolgreiche Arbeit des Bildungskongresses „Die ewige Wiederkehr des Religiösen” von 2003 fort.

    Die Begrüßung erfolgt durch Christoph Lammers, der über den “Streitfall Evolution und den Bildungsmarkt” referiert. Er legt die Methoden der kreationistischen Bewegung dar, deren Schwerpunkt er im Angriff auf das Schulwesen sieht. Homeschooling und zunehmende Privatisierung verstärken den anti-evolutionären Ansatz. In Europa und insbesondere in Deutschland sind schöpfungstheoretische Unterrichtsinhalte in den wissenschaftlichen Fächern zwar noch eine Randerscheinung, dennoch sind antiaufklärerische Vorstellungen in der Gesellschaft weit verbreitet. Die noch(!) zaghaft vorgetragenen Versuche religiöser Vertreter und ihrer verlängerten Arme in den Reihen der Politik, Zweifel an Darwins Evolutionstheorie zu wecken, fallen in der Bevölkerung jedoch vermehrt auf fruchtbaren Boden.

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    17. Jun. 2007

    In einem kurzen, überaus offenen Beitrag thematisierte das rbb-Magazin Polylux am 14. Juni 2007 den “Vormarsch der Gottlosen”. Atheisten fühlten sich diskriminiert heißt es, und weiter:

    Der Kampf gegen die christliche Gesellschaft hat begonnen. Eine wachsende Zahl von Atheisten fühlt sich unterdrückt und fordert nun vehement ihre Rechte ein.

    Ausnahmsweise werden Atheisten hier nicht als Sektierer und Aufrührer gezeigt, die in blindwütigem Hass Religionen angreifen und somit eine Gefahr für Sitte und Anstand sind. Stattdessen werden gezeigt: Schmidt-Salomon als Sprecher von Hörbüchern für Kinder, Lebenskunde-Unterricht als Alternative zum Religionsunterricht - eine Initiative des Humanistischen Verbandes - und religionskritische Karikaturen des Kinder- und Jugendbuchautors Janosch. Abzuwarten bleibt die Reaktion der Verantwortlichen des Senders. Polylux stand schon mehrfach senderintern unter Beschuss: Wegen “Aufbauschung von Randerscheinungen zu allgemeingültigen Trends“.


    polylog atheisten gott kirche @
    www.polylog.tv/videothek

    15. Jun. 2007

    “Berliner Begegnung” - nie gehört? “Überparteiliches Gebetsfrühstück für Parlamentarier” - was soll das denn sein - bitte schön? Das gibt es und es soll “ein Kontrapunkt zum tagespolitischen Geschäft” sein. Das jedenfalls sagt die Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen). Am 13. Juni eröffnete Volker Kauder (Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion) die 12. Internationale Berliner Begegnung, laut einer Meldung des christlichen Nachrichtenportals idea.de mit den Worten:

    Die Ablehnung Gottes in der Politik hat in Deutschland zu einem der schlimmsten Terror-Regimes der Geschichte geführt. Aufgrund der Erfahrung des Nationalsozialismus hätten Politiker heute „allen Grund, ihre Arbeit unter das Kreuz“ zu stellen.

    Das übliche Anti-Atheistische Geschwafel also. “Wir” Ungläubigen sind wie immer die Bösen und “die” sind die Guten. “Wir” sind schuld an Hilter, Stalin und Pol Pot, weil wenn man an Gott glaubt kann so was nicht passieren. Immerhin räumt Kauder ein:

    Zwar könne es nicht Aufgabe von Politikern sein, das Neue Testament in Gesetzesparagraphen umzusetzen…

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    14. Jun. 2007

    „Gott ist an allem schuld“ titelte der Spiegel in seiner Ausgabe vom 26.05.2007.
    Der Pressesprecher des Vatikan Spiegelautor Alexander Smoltczyk – Schreiber der Spiegel-Online-Kolumne Uups et Orbi - lieferte den Hauptartikel, dessen Überschrift „Der Kreuzzug der Gottlosen“ den Leser bereits Übles ahnen lässt.
    Von Atheisten ist da die Rede, von gottlosen Wissenschaftlern, die sich auf einem Kreuzzug gegen Religionswahn und Götter befinden.

    Es ist als würde auch die Aufklärung ihre Fundamentalisten hervorbringen. Mit Eifer und Zorn wird gegen alles zu Felde gezogen, was nur entfernt nach Unvernunft, Aberglaube, Weihrauch riecht.
    Der Totalangriff der Aufklärer macht keine Gefangenen.

    Die Wortführer dieser Bewegung bezeichnet Smoltczyk als Fundamentalisten. Offensichtlich in der Absicht sie zu diskreditieren und im unbedarften Leser ganz bestimmte Assoziationen zu wecken. Brennende Wolkenkratzer und mit Sprengstoffgürteln bewaffnete (Nicht-)Gotteskrieger sind indes aus dieser Ecke ganz gewiss nicht zu erwarten. Über Richard Dawkins, den bekanntesten Vertreter der „neuen Atheisten“, schreibt der Spiegel:

    Wer Dawkins … besucht hat, bleibt mit einem Gefühl zurück, als hätte jemand was kaputt gemacht. Warum wütet der so?

    Zwischen den Fronten der fundamentalistischen Relgionskritikern und den religiösen Gotteskriegern präsentiert der Autor ausgerechnet einen evangelischen Bischof und einen katholischen Papst als moderate Mittler: Bischof Huber, der Dawkins pseudoreligiöse Wissenschaftsgläubigkeit vorwirft und Ratzinger, für den Vernunft und Glauben keine Gegensätze sind. Krönender Höhepunkt ist der päpstliche Chefhistoriker Brandmüller (Interview auf SpOn), der unwidersprochen über Beweislastumkehr, Wunder und eine angeblich rationale Begründung für den Glaubens schwadronieren darf:

    Die Beweislast für die Nichtexistenz Gottes läge im Übrigen bei Richard Dawkins, nicht bei den Gläubigen: „Sie staunen? Ich meine aber doch! Denn: Wenn ich überhaupt die Existenz eines unendlichen Geistes, aus dessen Gedanken und Willen die gesamte Wirklichkeit hervorgegangen ist, leugne, dann muss ich doch wohl erklären können, wie denn Welt und Mensch überhaupt existieren. Urknall, Evolution, Selbstorganisation einer Materie anzunehmen erfordert weit größere Gläubigkeit, als die Kirche für ihre Dogmen verlangt. Wie sollte denn ein Nichts auf einmal knallen?

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    14. Jun. 2007

    Diesmal berichtet Alexander Smoltczyk in seiner launigen Spiegel-Online-Kolumne Uups! et Orbi über den Dramatiker Rolf Hochhuth und einen Papst. Hier wird die Frage aufgeworfen und beantwortet, ob dieser Papst – Pius XII. - böse war und dieser Hochhut gut oder umgekehrt oder wie?

    Eine der beiden Fragen wurde amtlich beantwortet, wie wir gleich zu Beginn erfahren. Die dafür zuständige Behörde des Vatikan die Congregatio de Causis Sanctorum, gab nun, 49 Jahre nach seinem Ableben, bekannt, Eugenio Pacelli – so sein bürgerliche Name - sei “venerabile” also von “heroischem Tugendgrad”. Smoltczyk lässt uns wissen, warum ausgerechnet dieser bemitleidenswerte Mann, der eigentlich kein Mensch, sondern immerhin der Stellvertreter Christi auf Erden und außerdem unfehlbar war, so unverschämt lange darauf warten mußte, bis ihm diese Ehre zu Teil wurde:

    Weil Pacelli doppelt Pech gehabt hat in seinem Leben. Er wurde Papst, als auf Erden die Hölle los war, Hitler über den Kontinent herrschte, Stalin wütete, und der Kirchenstaat einem megalomanischen Hitler-Vasallen ausgeliefert war, der sich Duce nennen ließ. Da war es schwer, Papst zu sein.

    Ja wirklich, das war eine schreckliche Zeit. Ganz besonders Päpste hatten es nicht einfach damals:

    Für die einen ist Pacelli “Hitlers Papst” (John Cornwell, Daniel Goldhagen), für die anderen ist er ein Held und “Defensor Civilitatis”.

    Es scheint sich also hier um eine schwierige historische Frage zu handeln, die Smoltczyk aber mit einer verblüffenden Argumentation klären kann:

    Dann - zweites Pech - kam 1963 in der Berliner Schaubühne ein Sieben-Stunden-Stück zur Uraufführung. Es hieß “Der Stellvertreter” und war geschrieben von […] Rolf Hochhuth. […] Er ist bis heute das einzige Theaterstück, das auch im Himmel Wirkung hatte. Sozusagen. Denn das Bild eines kaltherzigen, diplomatisch lavierenden Papstes, dem das Überleben seines Hofstaats wichtiger war als das Leiden der Juden ist seit dem “Stellvertreter” nicht mehr aus den Köpfen herauszubekommen.

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    14. Jun. 2007

    Da ist er also nun endlich: Michael Schmidt-Salomon, mein Guru und Vordenker. Natürlich ist er wirklich mein persönlicher Guru, aber wie ich zuletzt immer wieder der Presse und diversen Online-Medien entnehmen durfte ist er der Vordenker der Brights, er ist der deutsche Chefatheist schlechthin, und gehört damit unzweifelhaft zu den so genannten „Neuen Atheisten“, den Fundamentalisten unter den Aufklärern, so heißt es. Den ganzen Beitrag lesen …

    14. Jun. 2007

    Ein Gastbeitrag vom P.M.-Beobachter

    Nochmal zurück zu der Gottesformel von Stephen D. Unwin:

    Offenbar handelt es sich bei der “Gottesformel” um eine knatschverkehrte modifizierte Variante des Bayes’schen Theorems und somit nicht um eine “zurecht vergessene Formel”, sondern vielmehr eine leider nicht vergessene, dubiose Ableitung.
    Ausführlich gibt es das Ganze dankenswerterweise bei Leukrit im Freigeisterhaus.

    Eine kleine Anmerkung noch: Ja, in dem Artikel ist so einiges an Murks drin. So spricht gleich der erste Satz zum ersten Indiz von dem Urknall als “einem unvorstellbaren Feuerball”, aber da das noch öfters passieren wird verlegen wir das auf später.

    14. Jun. 2007

    Ein Gastbeitrag vom P.M.-Beobachter

    Die P.M. hat ihren Aufhänger diesen Monat richtig groß gemacht mit Pressemitteilung, Meldung in der RP und natürlich schönen Bildern.
    Offenbar hat Stephen D. Unwin auf eine zurecht vergessene Formel von Thomas Bayes zurückgegriffen. Vielleicht ist es auch ganz klug, den Buchtitel nirgends im Artikel zu nennen, könnte ja jemand nachprüfen. Haben wir natürlich, mit dem Ergebnis, dass Unwin diesen Mist tatsächlich verzapft hat. Aber was Unwin in seinen Büchern macht ist jetzt nebensächlich, hier geht es um die P.M.
    Viel interessanter ist daher die Vorgehensweise des Artikels in der Argumentation. In der Einleitung (die bekanntlich eh niemand liest) steht noch, Thomas Vašek habe die Wahrscheinlichkeit “ganz subjektiv durchgerechnet”. Und das stimmt ja auch, nur leider verliert sich der Eindruck sofort, wenn eine mathematische Formel auftaucht.
    Die hier zum Beispiel:Das ist die “Gottesformel”, mit ihr soll sich berechnen lassen, wie sehr ein Indiz für oder gegen eine Hypothese spricht.
    Dafür nimmt man die bereits ermittelte Wahrscheinlichkeit in Prozent (anfangs grundsätzlich 50, danach das Ergebnis der vorherigen Anwendung der Formel) als Pdavor und einen Wert zwischen 0 und 10 für den GI, wobei 0,1 “spricht stark gegen die These”, 1 “spricht weder für noch gegen die These” und 9 “spricht stark für die These” bedeutet. Das klingt soweit recht plausibel und ergibt auch hübsche Nummern.
    Der Haken an der Sache: Es lässt sich jede beliebige Zahl damit begründet errechnen. Denn nicht nur ist “GI” (Gottes-Indikator) grundsätzlich geraten geschätzt, die Rechnung lässt sich auch beliebig oft hintereinanderhängen, bis schließlich das gewünschte Ergebnis erscheint.

    Wenn man jetzt noch Quantenphysik überall da, wo sie relevant ist als “umstritten” bezeichnet, Gott aber nicht, kommt man natürlich darauf, dass Gottes Existenz wahrscheinlicher ist als seine Nichtexistenz.

    Vor allem aber: Die Antwort muss selbstverständlich 42% lauten und nicht, wie bei der P.M. 62%. Ist doch nicht so schwer.
    Ich hab 42 raus.
    Und Sie können das auch.

    Literatur
    42 in Wikipedia
    Unwin, Stephen D.: The Probability of God - Amazon-Link
    Vašek, Thomas: Die Gottesformel, in: P.M. - Peter Moosleitners Magazin Dezember 2006; S. 12 ff., Online verfügbar

    P.S.: Upps, Prozentzeichen ergänzt
    P.P.S.: Ein kurzer Nachtrag

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